(01.05.2015) Für die meisten Menschen ist der 1. Mai ein Feiertag wie jeder andere, ob gesetzlich oder kirchlich vermag kaum jemand zu sagen. Hauptsache: An dem Tag muss nicht gearbeitet werden und findet kein Unterricht statt – in ganz Deutschland. Dabei ist gerade der 1. Mai ein Feiertag, der direkt mit „Arbeit“ zu tun hat.   Schon Anfang 1886 taucht der 1. Mai erstmals in historischen Dokumenten auf. Da wurde beschlossen, in Nordamerika zu einem Generalstreik am 1. Mai aufzurufen. Der 1. Mai war damals ein wichtiger Tag in den USA, es war der Stichtag für viele Verträge und Vereinbarungen. Dadurch war er jedem Amerikaner als besonderer Tag bekannt. Ziel des Generalstreiks war der Achtstundentag für die Arbeiter. Er führte zu einem großen Chaos, es kam zu Ausschreitungen, bei denen am 3. Mai viele Menschen ums Leben kamen. Dieser Tag ist in die amerikanische Geschichte eingegangen als „Haymarket Affair“. Auf einem internationalen Kongress der Arbeiterorganisationen wurde 1889 beschlossen, den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“ zu machen. 1890 wurde er erstmals mit Demonstrationen und Streiks in der ganzen Welt begangen.

Von einem Feiertag war damals noch nicht die Rede, diese Idee wurde erstmals am 15. April 1919 von der Weimarer Nationalversammlung durchgesetzt. Sie bestimmte den 1. Mai 1919 zum gesetzlichen Feiertag für das Jahr 1919. Versuche, die Regelung auch über 1919 beizubehalten, scheiterten an den politischen Machtverhältnissen. Dennoch fanden in den Jahren danach an diesem Tag Aktionen für die Arbeiter statt. 1929 kam es in Berlin zum sog. „Blutmai“. Da es immer wieder  Ausschreitungen am 1. Mai gegeben hatte, war die Demonstration vom Polizeipräsident verboten worden. Die KPD hielt sich nicht an das Verbot, es kam zu Ausschreitungen und Kämpfen mit der Polizei, bei der 28 Menschen getötet wurden.

Bei uns in der Familie war der 1. Mai immer Ausflugstag.

Zum gesetzlichen Feiertag wurde der 1. Mai schließlich im Jahr 1933. Hitler erklärte ihn zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ und schaffte mit seiner Entscheidung die Grundlage für den heutigen Feiertag. Der 1. Mai als Feiertag hat das dritte Reich überlebt, die Alliierten Kontrollräte haben den Feiertag 1946 genehmigt und selbst nach Gründung der beiden deutschen Staaten blieb der Feiertag erhalten, auch wenn er auf unterschiedliche Weise begangen wurde. Während in der BRD vor allem politisch interessierte Menschen Maikundgebungen und Demonstrationen besuchten und die anderen den freien Tag feierten, war die Teilnahme am „Tag der Arbeit“ in der DDR Pflicht, dort wurde er u. a. mit Aufmärschen und Militärparaden begangen wurde.

Heute ist das das Bild des 1. Mai bunt geworden. Neben den Maikundgebungen gibt es viele unpolitische Bräuche, bei denen Familien und Freunde miteinander einfach nur den „Feiertag“ feiern. Während die einen sich gruppenweise mit einem Wägelchen voller Bier zu einem feucht-fröhlichen Fußmarsch durch die Felder aufmachen, fahren die anderen in die nächstgrößere Stadt zu einer Demonstration. Was auch immer der Grund für den Ausflug ist, Lokale haben an dem Tag Hochkonjunktur. Schließlich machen die anstrengenden Aktivitäten groß und klein durstig.

Maibaum – Das Aufstellen von Maibäumen ist keine rein deutsche Tradition. Quellen belegen, dass schon im 16. Jahrhundert in Schottland die ersten Maibäume aufgestellt und verboten wurden. Heute ist vor allem in Süddeutschland das Er- und Aufstellen eines Maibaums auf dem Dorfplatz eine Pflichtveranstaltung. Mit Plaketten der örtlichen Zünfte und Vereine sowie bunten Bändern versehen ist er für einige Tage der Stolz des Dorfes. Wenn er so lange steht, denn in manchen Regionen ist auch das Stehlen des Maibaums eine Tradition. Da versucht ein Dorf einem anderen den Maibaum zu entführen, gegen ein Lösegeld in Form von vielen Litern Bier kann das bestohlene Dorf seinen Baum zurückerhalten.
In manchen Regionen gibt es nicht nur örtliche Maibäume, sondern auch persönliche – da beschenken die jungen Männer ihre Angebeteten mit einem Maibäumchen, das vor der Haustür platziert wird. Ein Brauch, den nicht alle jungen Damen wirklich gut finden!

Maitremse – Die Maitremse ist ein Kunstwerk aus Girlanden, Fähnchen, Fächern aus Papier und langen Ketten von ausgeblasenen Eiern. Damit wird ein Drahtgestell geschmückt, in dessen Innerem eine weiße Taube aus Holz hängt. Die Maitremse wird an zwei Bändern über die Straße gebunden, sodass man darunter tanzen kann. Dieser überlieferte Brauch wird heute kaum noch umgesetzt, eine – vermutlich die einzige – Stadt in der es noch Maitremsen gibt, ist Borken im Münsterland.

Maibuben – Ob es wirklich nur „Buben“ sind, die am 1. Mai in manchen Regionen der Schweiz und Baden-Württembergs alles aus dem Garten stehlen, was nicht angekettet ist, kommt meist nicht heraus. Auf jeden Fall handelt es sich um einen Heidenspaß für die Jugendlichen und eine lästige Angelegenheit für die unaufmerksamen Eigentümer. Sie müssen ihre Gegenstände nämlich aus einem riesigen Stapel heraussuchen, ehe sie sie mit nach Hause nehmen können.

Maisingen – Im Kanton Freiburg ziehen am 1. Mai die Kinder von Haus zu Haus und singen, um Süßigkeiten oder Geld einzusammeln.

Maikönigin – Manche Orte zieren sich am 1. Mai mit einer Maikönigin, die entweder am Vorabend oder am 1. Mai unter den Mädchen im Ort ausgewählt wird. Die Wahl erfolgt nur unter den Mädchen, die sich um die Würde bewerben. Als Lohn winken der Titel und manchmal auch ein Maikönig; allerdings ist es auch möglich, dass die Maikönigin alleine bleibt und meistbietend versteigert wird.

Dieser Artikel ist die gekürzte und überarbeitete Fassung eines Beitrags, der im Schulbuch-Magazin online erschienen und dort nicht mehr verfügbar ist. © Birgit Ebbert