(01.03.2015) Es gibt Events, deren Wirkung kann man nur schwer in Worte fassen. So geht es mir mit dem 1. Steampunk-Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle in Bochum, den ich gestern Abend besucht habe. Diese Verbindung zwischen der über 100 Jahre alten Architektur, den Fahrgeschäften, die teilweise auch 80 oder 90 Jahre alt sind und die Menschen, die sich bewusst und sehr kreativ mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befassen, das war einfach überwältigend. Wohl nicht nur für mich, wie ich gestern Abend in Gesprächen, bei Facebook und selbst heute am Rande der Ausstellung im Kunst- und Atelierhaus Hagen mitbekommen habe.

Eindeutig definieren könnte ich Steampunk noch immer nicht, was daran liegt, dass es so viele Facetten hat, denen gemeinsam das Interesse am 19. Jahrhundert und das Faible fürs Tüfteln, Experimentieren und Weiterdenken ist. Vermutlich ist es das, was mich so fasziniert und am Samstagabend so mitgerissen hat. Es war, als schwebte über dem Ganzen der Geist der Kreativität und selbst die Besucher, die nicht in einer Garderobe der Zeit erschienen waren, waren neugierig und offen für die Beweggründe und Inspirationen der Steampunker.

Anna Steamson hat mir zum Beispiel erzählt, dass sie vor Jahren auf der „Fantasy Fair“ in den Niederlanden war und dort zum ersten Mal mit Steampunk in Berührung kam, aber gleich begeistert war und quasi infiziert wurde. Seither näht sie in ihrer Freizeit Steampunk-Garderobe oder tüftelt sonstwie herum. Ihr Freund hat zum Glück das gleiche Interesse, sodass es auch nicht schlimm ist, dass inzwischen der ganze Keller voll steht mit Dingen, die man gebrauchen könnte.

Platz brauchen Steampunker, das wurde auch auf dem Jahrmarkt deutlich, denn wo sonst sollte man die Gefährte ausbaldowern, mit denen zwei Herren durch die Hallen fuhren, aber auch so manches andere Exponat, das dort wie ein Ausstellungsgegenstand in einem Museum präsentiert wurde. Da findet sich ein Computer mit der Tastatur einer Schreibmaschine, eine scheinbar harmlos wirkende Kamera, die sich als Webcam entpuppt, wenn man sich plötzlich auf einem Bildschirm wiederfindet, der natürlich in Steampunk-Manier eingerichtet und umbaut ist. Doch nicht nur heutige Alltagsgegenstände werden in jenem Stil präsentiert, da gibt es Maschinen, deren Bedeutung sich nicht sofort erschließen (aber wer weiß, welche Erfindung von damals es nicht bis ins 21. Jahrhundert geschafft hat) und es gibt Modelle, die zeigen, wie sich Menschen vor rund 150 Jahren vielleicht das Mobiltelefon vorgestellt haben.

Neben diesen Gegenständen oder Exponaten, wie auch immer man sie nennen mag, hat – und nicht nur mich als bekleidungsaffine Frau! – vor allem die Kleidung vieler Besucher des Jahrmarkts fasziniert. Teilweise angelehnt an einen viktorianischen Modestil, aber mit heutigen Mitteln selbst hergestellt, teilweise aber auch kreativ zusammengebastelt, Uhren, Brillen und Zahnrädchen waren an fast jedem Outfit oder zumindest am Accessoire zu sehen.

Kurzum: Es war eine rundum gelungene, inspirierende Veranstaltung, die den heutigen Trend zum DYI auf ganz neue Weise widerspiegelte und anregte, sich mit der Zeit und dem Thema zu beschäftigen. Ich jedenfalls bleibe am Ball, im nächsten Jahr will ich den Markt in der Garderobe einer Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts besuchen, einige Ideen habe ich bereits, ein paar Tipps schon bekommen, aber es werden gerne weitere entgegengenommen – und wenn jemand noch einen Gänsekiel, ein Tintenfass oder Ähnliches herumstehen hat, nur her damit. © Birgit Ebbert

Und hier sind Fotos vom 1. Steampunk-Jahrmarkt auf www.moment-aufnahmen.info

Weitere Informationen: www.jahrhunderthalle-bochum.deHistorische Gesellschaft deutscher Schausteller

Fotos vom Aufbau für den Historischen Jahrmarkt 2015

Fotos vom Historischen Jahrmarkt 2014 auf www.moment-aufnahmen.info & im Fotoblog Kultur & Ruhr