(16.04.2014) Bei Facebook geht derzeit wieder ein Virus um, bei dem Freunde sich wechselseitig „nominieren“und auffordern in 15 Minuten 15 für einen selbst wichtige Autoren aufzuschreiben, diese zu posten und 15 Freunde zu markieren. Bei solchen Aktionen beteilige ich mich nicht, weil sie mich an Kettenbriefe erinnern und mir meine Zeit zu schade ist, um 15 Freunde zu finden, die noch nicht von irgendwem markiert wurden. Aber das Thema finde ich interessant und ein wenig habe ich es bereits vor einiger Zeit in dem Blog-Beitrag „Bücher, die das Leben bestimmen“ beantwortet.

Das ist übrigens ein Phänomen, das mir bei Facebook auffällt. Postet jemand einen Artikel zu einem Thema, kommentieren es wenige, wird das gleiche Thema hingegen als „Nominierung“ oder wie ich sagen würde „Ketten-Posting“ verbreitet, ist es plötzlich in aller Munde. Facebook ist eben wie das wahre Leben: Es kommt darauf an, wie man über etwas spricht, ob man gehört wird und ob es weitergesagt wird. Immer wieder faszinierend. Doch zurück zu den 15 Autoren. Edith Nebel hat ihre Autoren mit der Bemerkung gepostet, das wenige Frauen darunter seien. Ich bin völlig verblüfft, wie viele Frauen unter den Autoren sind. Natürlich würden mir auch noch Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Max Frisch, Hermann Hesse, Pearl S. Buck und viele andere einfallen. Aber ich habe bewusst nach 15 Namen einen Strich gezogen und hier sind sie:

Magda Trott, deren Pucki-Bücher noch heute in meinem Regal stehen, weil sie zu den ersten Büchern gehören, die ich selbst besessen habe und die ein schönes Beispiel dafür sind, dass man sich aus einem Buch das herauszieht, was einem wichtig ist. Ich habe dort niemals das klassische Rollenbild gesehen, sondern das Mädchen, das weiß, was es will und sich dafür engagiert.

Enid Blyton, deren Bücher ich verschlungen habe und die mich mit ihren Detektivgeschichten angeregt hat zu meinem ersten Buchversuch als Elfjährige mit den Hauptfiguren Bim und Bam.

Berte Bratt, deren Bücher ich als Jugendliche gelesen haben und dir mir – vor allem „Nur ein Jahr, Jessica“ Mut gemacht haben, dass man etwas erreichen kann, wenn man kreativ ist und sich anstrengt.

Berthe Bernage, deren „Roman über das Mädchen Elisabeth“ ich aus der Bücherei geliehen und nicht vergessen habe, obwohl oder weil er in Kriegszeiten spielt und ihr Freund Soldat wird. Vielleicht ein Roman mit Rollenklischees, aber bei mir ist nur hängen geblieben, dass es um eine junge Frau geht, die für ihre Ziele Opfer bringt und kämpft.

Agatha Christie, deren Krimis die ersten und für lange Zeit die letzten Erwachsenen-Krimis waren, die ich gelesen habe, nicht weil sie mir Krimis abgewöhnt hat, sondern weil ich plötzlich andere Interessen hatte

Amanda Cross, deren Krimi „Gefährliche Praxis“ mir Ende der 80er Jahre das Genre Krimi wieder nahegebracht hat, als ihre Hobby-Ermittlerin Kate Fansler einen Fall nur dank ihrer Literaturkenntnisse lösen konnte

Annette von Droste-Hülshoff, deren „Judenbuche“ als Schullektüre mich erstmals mit dem Thema Judenverfolgung in Berührung gebracht hat und die mich deshalb fasziniert hat, weil sie aus dem Münsterland stammte, vielleicht hat sie auch die Hoffnung genährt, dass es dann auch als Münsterländerin möglich ist, Schriftstellerin zu werden.

Joan Aiken, deren Bücher ich einfach gerne gelesen habe, warum weiß ich nicht mehr, da müsste ich sie noch einmal leben. Wie auch die Bücher von

Carson McCullers, die ich zufällig in einer Buchhandlung in Immenstaad am Bodensee entdeckt habe, als ich im Urlaub krank war und mein Lesestoff nach zwei Tagen ausgelesen war.

Harry Mulisch, dessen Buch „Die Entdeckung des Himmels“ zu den Büchern gehört, die ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde, weil er so treffend beschrieben hat, was ich mir manchmal gedacht habe.

Anne Tyler, deren Frauenromane mich ermutigt haben, meinen Weg zu gehen, auch wenn das Umfeld und die Zeit nicht immer dafür sind.

Monika Maron, deren Bücher ich mit Begeisterung gelesen habe und von deren Lesung ich so enttäuscht war, dass ich seither bei jeder meiner Lesungen Angst habe, dass es meinen Lesern genauso ergeht.

Thomas Mann, dessen „Felix Krull“ ich in der Schule – vermutlich als einzige – gerne gelesen habe, dessen „Buddenbrooks“ mir eine Busreise nach Italien verkürzt hat und dessen „Zauberberg“ mit auf eine einsame Insel muss, weil er immer wieder neue Denkanstöße gibt.

Friedrich Schiller, dessen Dramen ich schon als Schülerin mochte und dessen Werke ich tatsächlich freiwillig und richtig gerne sonntagnachmittags gelesen habe, als ich neu nach Echterdingen gezogen war und viel Zeit zum Lesen hatte.

Stefan Zweig, den ich durch die „Schachnovelle“ lieben gelernt habe und dessen „Sternstunden der Menschheit“ mir das Interesse an Geschichte geweckt hat, weshalb ich finde, dass es in den Literaturkanon für die Schule gehörte und dessen Romane ich daraufhin verschlungen habe.

Das habe ich antiquarisch entdeckt und bin gespannt,
wie es mir heute gefällt.

Das waren die Autorinnen und Autoren, die mir als erstes eingefallen sind, aber in den 15 Minuten hätte ich locker 25 oder noch mehr Namen aufschreiben können. Ich nominiere niemanden, vielleicht regt der Blog-Beitrag auch so die eine oder den anderen an, über vergangene Lektüren und Autoren-Helden nachzudenken und zu entdecken, das Bücher einen über den Tag und die Geschichte hinaus beeinflussen. Deshalb schreibe ich die Bücher, die ich schreibe und deshalb kann ich – leider weder Fantasy noch ChickLit schreiben, auch wenn die Chance auf gut Verkäufe in der heutigen Zeit deutlich höher wären. Aber vielleicht schreibt in 30 Jahren auch einmal eine Frau, dass ihr mein Kinderroman „Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan“ geholfen hat, die mündliche Mitarbeit zu überwinden, oder „Brandbücher“ die Augen für die subtile Beeinflussung durch die Nazis geöffnet hat. © Birgit Ebbert