Geburtstagssubset für Radio Hagen(29.09.2015) Heute vor 25 Jahren wurde die erste Sendung von Radio Hagen ausgestrahlt. Als ich – bei Radio Hagen 🙂 – hörte, dass der Sender sein Silberjubiläum feiert, habe ich mich daran erinnert, wie das war in den 80er-Jahren, als die Grundlagen für das Privatfernsehen geschaffen wurden. Nicht, dass ich mich an alles aus jener Zeit erinnern würde, aber ich habe mich damals bei der Landesanstalt für Rundfunk (LfR) beworben, dem Vorgänger der Landesanstalt für Medien, die für die Zulassung und Aufsicht der Sender in NRW zuständig war und ist. In einem provisorischen, aber ziemlich schicken Büro an der Kö oder in einer Nebenstraße saß am 4. September 1987 ich Klaus Schütz gegenüber und war beeindruckt, dass er das Gymnasium kannte, auf dem ich Abitur gemacht hatte. Am Ende hat man dann einen Juristen eingestellt, aber ich war fit in Sachen Privatrundfunk, weil ich mich sorgfältig auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hatte. Deshalb war ich neugierig, wie die Anfänge hier in Hagen waren und habe mich gefreut, dass Cordula Aßmann, heutige Chefredakteurin und von der ersten Sendestunde an dabei, sich Zeit genommen hat, mir etwas über die Geschichte von Radio Hagen und ihre Erfahrungen zu erzählen.

Die Anfänge des Privatfunks in NRW

Das Radio Hagen-TeamDer erste Sendetag war zwar ein Meilenstein in der Geschichte des Radios, aber begonnen hat das Ganze schon vorher. Um eine Genehmigung für den Aufbau eines Rundfunksenders zu bekommen, musste sich nach dem Gesetz in NRW zunächst eine Veranstaltergemeinschaft finden, die in der Regel aus Vertretern der Kommune und der lokalen gesellschaftlich relevanten Gruppen bestand. Die Aufgabe dieses Gremiums war, das Programm mitzuentwickeln und dafür Sorge zu tragen, dass es nicht einseitig wird und die Meinungsvielfalt gewahrt bleibt. Für den eigentlichen Betrieb wurde eine Betriebsgesellschaft gegründet, an der – so sah es das Gesetz vor – zu 25 % ein Verlag bzw. ein Verleger beteiligt war. In NRW war dies nicht selten die heutige Funke-Gruppe und damalige WAZ, die heute weiterhin an zehn Sendern beteiligt ist. Die übrigen Anteile von Radio Hagen lagen in der Hand der Kommune oder örtlicher, teil öffentlicher Unternehmen wie der HVG. Diese Konstruktion ist übrigens nicht spezifisch für Hagen, alle Kreise und kreisfreien Städte waren Ende der 80er Jahre fasziniert von dem neuen Medium und der Vorstellung, ein „eigenes“ Radio zu haben. Deshalb fanden sich fast überall Gruppierungen und Unternehmen, die sich für den Rundfunk engagierten.

Hagener für einen eigenen Radiosender

Cordula Assmann, Chefredakteurin von Radio HagenAuch in Hagen waren Politiker und Bürger Feuer und Flamme für ein eigenes Radio und während sie sich sonst oft nicht grün waren, in Sachen „Radio Hagen“ waren sie sich alle einig. Als schließlich am 29. September 1990 die erste Sendung ausgestrahlt wurde, waren viele dabei – vor dem alten Funkhaus in der Elberfelder Straße 9, in dem der Sender bis 2000 sein Studio betrieb.

Bis zu dieser Stunde gab es einiges zu tun, es musste ein Team mit journalistischem Hintergrund gefunden werden, das sich zutraute, Radio zu machen. Heute wäre das kein Problem, aber damals gingen zeitgleich über 40 Sender an den Start und die wenigstens Journalisten hatten Rundfunk-Erfahrung. Da war dann auch der Mut gefragt, ins kalte Wasser zu springen. Cordula Aßmann, die zu dem Zeitpunkt 24 Jahre alt und Redakteurin bei der Westfalenpost war, hat ihn bewiesen. Sie war von Anfang an dabei, hat mitbekommen, dass der erste Chefredakteur gar nicht erst zum Dienst erschien, der zweite nach einem Jahr ging und der dritte auch nur sechs Monate tätig war. Inzwischen hatte sie soviel Einblick gewonnen, dass sie sich vorstellen konnte, die Aufgabe zu übernehmen. Nach einem Abend mit den Kollegen in der „Rose“ hat sie ihre Bewerbung eingereicht und managt seither als Chefredakteurin den Radiosender.

Sendestart von Radio Hagen

Bei der Jubiläumsveranstaltung von Radio HagenAn den ersten Sendetag erinnert sie sich genau. „Ich stand mit dem Ü-Wagen vor dem Funkhaus. Um 11.00 Uhr gingen wir auf Sendung und ich wollte Leute auf der Straße interviewen. Mein erster Interviewpartner war der Chef eines Akkordeon-Orchesters und als ich vor ihm stand, mit dem Mikro in der Hand, bekam ich plötzlich kein Wort mehr heraus. Nach der Goldgräberstimmung, die in den Wochen zuvor im Sender und in Hagen herrschte, war ich völlig überwältigt von der Vorstellung, Teil des Ganzen zu sein.“ Dann hat sie sich doch gefangen und ihre Fragen gestellt, geschadet hat die kleine Startverzögerung, in Fachkreisen „Sendeloch“ genannt, ihrer Laufbahn nicht, aber wer weiß, ob sie sich so gut an den Start erinnern könnte, wenn das Erlebnis nicht so einschneidend gewesen wäre.

Überraschender Siegeszug des Privatrundfunks

Auch wenn an dem Tag alle begeistert waren, gab es natürlich Kritiker – nicht nur in Hagen, sondern überall. Viele gingen davon aus, dass sich das Lokalradio bald überleben würde. Ein schönes Beispiel dafür, dass alles anders kommt. Heute kämpfen die lokalen Printmedien um Leser und Auflage, während die Lokalsender ihre Stammhörerschaft haben und in den Orten eine hohe Verbreitung haben. Dazu trägt vor allem die große Publikumsnähe bei – die Redakteure in Hagen sind auf unterschiedliche Weise immer vor Ort, bei Veranstaltungen ebenso wie bei Außenreportagen. Und der Sender hilft auch schon mal unkompliziert bei kleinen oder großen Problemen, sei es bei der Suche nach einem entflogenen Papagei oder wenn Spenden für ein besonderes Projekt benötigt werden. Dabei lässt die Redaktion auch kritische Fragen und Mängel in Hagen nicht außen vor, sie versucht jedoch mit ihren Beiträgen ein Bild der Stadt zu zeigen, mit dem die Hagener sich identifizieren können.

Rückblick auf 25 Jahre Traumjob

Funkhaus von Radio Hagen in der Rathausstraße„Gerade weil wir gezielt nach den positiven Dingen suchen, macht mir die Arbeit heute noch genausoviel Spaß wie vor 25 Jahren“, meint Cordula Assmann und man sieht ihr an, dass sie sich wirklich über ihren Job freut. Auch, weil er immer neue Erlebnisse und Highlights mitbringt, sodass es ihr schwerfällt, sich an einzelne zu erinnern. Das Interview mit Heiner Geißler könnte eines gewesen sein oder die Begegnung mit Johannes Rau. „Aufregend war auf jeden Fall die Veranstaltung, bei der Claus Kleber zu Gast war. Die Vorstellung, dass ich ihn interviewen sollte, hat mich etwas nervös gemacht. Aber dann war das ein wunderbarer Abend.“ An einen besonders traurigen Tag dagegen erinnert sie sich sofort. Das war der Tag, an dem ihr langjähriger Kollege Harry Wandke starb. „Wir kannten uns schon aus der Schule, waren beide gleichzeitig Schulsprecher am Ricarda und haben dort zusammen das erste und einzige große Rockkonzert organisiert. Sein Tod hat mich persönlich sehr getroffen und er hat uns in der Redaktion gezeigt, wie nah wir den Menschen sind. In unserem virtuellen Kondolenzbuch trugen sich unzählige Hagener ein, nicht nur mit ihrem Namen, sie schilderten kleine Erlebnisse, bei denen Harry über den Sender zugegen war.“ Kein Wunder, dass sie es auch nach 25 Jahren noch als Glück empfindet, diesen Job zu haben und den Schritt aus der Zeitungsredaktion ins Radio niemals bereut hat. Ich wünsche ihr und Radio Hagen, dass das noch viele Jahre so bleibt. © Birgit Ebbert

Hier gibt es die ersten Sendeminuten und auch sonst Einiges aus 25 Jahren Radio Hagen.