(01.07.2014) Als ich kürzlich für ein Projekt recherchierte, was vor 30 Jahren in der Welt los war, stellte ich zu meiner großen Verblüffung fest, dass u. a. das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde. Ich konnte das nicht glauben und habe ein wenig in meinen Büchern über Frauen gestöbert und im Internet recherchiert.

Wie das bei manchen Recherchen so ist, begegneten mir auch hier wieder einige Informationen, die für mich neu waren oder die ich nicht bewusst abgespeichert hatte. Zum Beispiel, dass das erste Frauenwahlrecht indirekt 1776 in New Jersey in Kraft trat, nach Verabschiedung der dortigen Verfassung durften alle Bürger ab einem gewissen Eigentum oder Einkommen wählen, auch Frauen, die dieses Kriterium erfüllten. 1807 wurde diese Öffnung allerdings rückgängig gemacht, fortan durften nur noch Männer wählen und gewählt werden.

Die erste Schrift für die Rechte der Frau bereits 1791 während der Französischen Revolution veröffentlicht wurde. Ihr Werk „Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne“ (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin) hat die Revolutionärin und Schriftstellerin Olympe de Gouges mit dem Leben bezahlt. sie wurde im Sommer 1793 verhaftet und im November hingerichtet.

Diese Initiative blieb in Europa über 100 Jahre der letzte Versuch, Frauen das Wahlrecht zu sichern. Während im 19. Jahrhundert in einigen Staaten der USA, in Südausstralien und Neuseeland und sogar in einer britischen Kronkolonie im Südpazifik die Frauen wählen und zum Teil auch gewählt wrden durften, hielt man sich in unseren Breitengraden zurück. Finnland war 1906 das erste Land, das Frauen das Wahlrecht zugestand, damals übrigens noch russisches Großfürstentum, auch das war für mich neu.

1913 erlangten die Frauen in Norwegen und 1915 in Dänemark qua Verfassung das Recht, ihre Stimme abzugeben. Erstaunlich, dass ein islamisches Land, nämlich Aserbeidschan, 1917 noch vor Deutschland das Wahlrecht für Frauen einführte. Der große Schub kam 1918 nach dem Ende des ersten Weltkriegs und der damit verbundenen Neuordnung in Europa. 1918 führte Polen das Wahlrecht ein, was dazu führte, dass bereits 1919 acht Frauen in das Parlament einzogen. Für die Frauen dort war das Wahlrecht auch nicht komplett neu, schon vor 1795 durften dort Frauen, die Steuern zahlten, wählen.

Auch in Österreich und Deutschland wurde 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt. Im Deutschen Reich konnten sie sich jedoch nur bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten darüber freuen, denn diese sorgten dafür, dass sie nach 1933 allenfalls wählen, aber nicht für ein Amt kandidieren durften.

Auf dieser Internetseite gibt es eine Übersicht, wann in welchem Land das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, zum Beispiel:
1928 in Großbritannien
1930 bzw. 1934 in der Türkei (aktives bzw. passives Wahlrecht)
1937 auf den Philippinen
1944 in Frankreich, nach der Befreiung von den Nationalsozialisten
1946 in Belgien und Italien (hier gab es ab 1925 ein Recht zur Teilnahme an Kommunalwahlen)
1950 Indien
1963 Iran
1971 in der Schweiz nach einer Volksabstimmung, 1959 war es im Parlament von den Männern noch abgelehnt worden
1984 in Liechtenstein, im dritten Anlauf, Volksabstimmungen 1971 und 1973 waren ohne Erfolg ausgegangen
2005 in Kuwait

Interessieren würde mich, in welchen Ländern Frauen NICHT wählen dürfen. Wenn ich einmal Zeit habe … – bis dahin wundere ich mich noch ein wenig darüber, dass noch zur Zeit meiner ersten Studiensemester Frauen in Liechtenstein nicht wählen durften. © Birgit Ebbert

Auf den Blog-Fotos zu sehen sind Figuren von Christel Lechner, die in Gevelsberg stehen.