(09.04.2014) Seit dem 6. Februar ist im Osthausmuseum eine Ausstellung der heutigen Mitglieder des Hagenrings zu sehen. Anlass ist der 90ste Geburtstag dieser Künstlergemeinschaft. Diese gründete sich 1924, als es danach aussah, als würde Hagen nach dem Tod von Karl Ernst Osthaus und dem Verkauf seiner Kunstsammlung in der kulturellen Bedeutungslosigkeit versinken.

An welchem Tag er nun genau gegründet wurde, ist nicht bekannt, eines der Gründungsmitglieder erinnerte sich 1974, dass sie 1924 im Hansa-Café an der Elberfelder Straße gesessen und über einen Namen diskutiert hatten. Wie viele Anläufe es vorher gab, das mag vielleicht irgendwann in einem noch untentdeckten Schreiben oder Tagebuch zum Vorschein kommen. Ein anderes Gründungsmitglied, so die Überlieferung, hat sich erinnert, dass man 1924 nach der Gründung dem Rotwein zusprach und anschließend fidel durch die Straßen zog, was sogar den Polizisten auffiel.

Brief der Hagenring-Mitglieder an den Hagener Oberbürgermeister  Willi Cuno 1926

1925 gab es bereits die erste Ausstellung mit einem Katalog, der als erstes Dokument des Hagenrings gilt. Eine der ersten politischen Aktionen des neu gegründeten Hagenrings war die Forderung nach einem neuen Museum in Hagen, nachdem das Folkwang-Gebäude an die Elektromarkt verkauft worden war. Im Dezember 1926 überreichten die Mitglieder Oberbürgermeister Willi Cuno ein Schreiben, indem sie erläuterten, warum ein Museum für Hagen wichtig sei, sie machten sogar konkrete Vorschläge, wo es stehen könnte. Unterzeichnet war das Schreiben von Christian Rohlfs als Ehrenmitglied und vielen anderen Künstlern. Das zeigt, wie gut die derzeitigen Ausstellungen im Osthausmuseum zusammen passen: die Grafiken von Christian Rohlfs und die Werke der Hagenring-Mitglieder.

Der älteste erhaltene Ausstellungskatalog

Über die Aktivitäten in den nächsten 20 Jahren ist nicht viel bekannt, sicher auch, weil viele der Künstler es schwer hatten in der NS-Zeit, einige fanden sich auf der Liste mit Werken der Entarteten Kunst wieder. Nach dem Krieg jedoch begann sehr schnell der kulturelle Wiederaufbau. Schon 1946 gab es eine erste Ausstellung mit über 30 Besuchern, seither ist der Hagenring lückenlos aktiv mit Ausstellungen und Austauschmöglichkeiten der Künstler untereinander. Nicht immer ohne Reibereien, das kann man sich vorstellen. Das führte dazu, dass in den 70er Jahren der Vorsitz, den bis dahin einer der Künstler innehatte, von einem Nicht-Künstler übernommen wurde. Ihm konnte niemand vorwerfen, den einen oder anderen Künstler zu bevorzugen, was bis heute gut zu funktionieren scheint, sonst hätte der derzeitige Vorsitzende Karl-Josef Steden sein Amt wohl kaum seit über 20 Jahren ausgeübt.

Blicke in die Jubiläumsausstellung, an der fast alle Mitglieder mit Exponaten teilnehmen

Seit 1967 verfügte der Hagenring über eine eigene Galerie, in der die Mitglieder ihre Kunstwerke austellen konnten.

Anfangs befand sie sich in der Fleyer Straße 22, dann in der Mittelstraße, ehe sie 27 Jahre am Emilienplatz ihr Zuhause fand bis sie am 1. Mai 1998 in die Wippermann-Passage an der Eilper Straße zog, wo noch heute wechselnde Ausstellungen von Hagenring-Mitgliedern und anderen Künstlern zu sehen sind.

In der Festschrift zum 90-jährigen Jubiläums erschienen ist, sind die ehemaligen und aktiven Mitglieder des Hagenrings aufgeführt, viele Namen kommen einem bekannt vor, Emil Schumacher, Christian Rohls, Eva Niestrath-Berger und Karel Niestrath sind nur einige davon, viele sind mit ihrem Werk im Stadtbild präsent, ohne dass man weiß, dass die Plastiken von Osthaus und van de Velde in den Elbershallen von Uwe Will, die Hauszeichen in der Cuno-Siedlung von Hans Dorn, die Friedrich-Ebert-Büste am Rathaus-Turm von Karel Niestrath oder die Stein-Skulptur im Dr. Ferdinand-David-Park von Eva Niestrath sind. Der Hagenring hat also aktiv dazu beigetragen, dass Hagen auch nach dem Weggang weiterhin künstlerisch auf der Höhe der Zeit blieb, indem er sich für das Museum einsetzte und mit seinen Künstlern das Stadtbild Hagens im Gedanken von Karl Ernst Osthaus prägte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Mai im Osthausmuseum zu sehen, besonders zu empfehlen ist die Künstler-Führung, die am 13. April stattfindet. Und wer schon dort ist, kann sich gleich einen Eindruck von den grafischen Werken Christian Rohlfs verschaffen, der viele davon im derzeitigen alten Teil des Osthausmuseums kreierte, wo er ein Wohnrecht hatte. © Birgit Ebbert

Mein Eindruck von der Eröffnung der Ausstellung  am 6. Februar 2014