(03.11.2013) Nun wird es langsam ernst. In zehn Tagen mache ich mich auf den Weg nach Albstadt, um dort als Albschreiberin Land, Leute und Literatur kennenzulernen. Zur Vorbereitung lese ich seit Wochen die Bücher, aus denen dort gelesen wird, und recherchiere, was ich über die Künstler, die an den Literaturtagen beteiligt sind, finde. Und ich linse heimlich bei Facebook, was dort aus Albstadt berichtet wird. Danke an Saskia Härter, die Hexenzunft Schwarzhexen, Eventnews Albstadt und den Zollern-Alb-Kurier, dass ihr mich schon ein wenig am Flair der Stadt teilhaben lasst. (Einige Freundschaftsanfragen bei Facebook sind noch unterwegs, es liegen eben doch 475 Kilometer zwischen Hagen und Albstadt. *gr*)

Auch mit Manfred Mai, dem letztjährigen Albschreiber, habe ich bereits Kontakt gehabt. Er hat mir geraten, die Sehenswürdigkeiten links oder rechts liegen zu lassen und einfach mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Wie gut, dass ich ein Schwäbisch-Dictionary aus meiner Stuttgarter Zeit besitze. Wobei ich „Breschtlings Gselz“ und „Krumbiere“ locker verstehe und auch weiß, dass ich das Weite suchen sollte, wenn mich jemand als „Haderlomp“ bezeichnet. Gerade sehe ich, dass mein Wörterbuch nicht nur Schwäbisch-Hochdeutsch, sondern auch Hochdeutsch-Schwäbisch erklärt. Ha, da weiß ich doch, was ich auf der Fahrt nach Albstadt tun werde. Vokabeln lernen: „einmal“ heißt „oi mol“ „etwas“ heißt „ebbes“, was ich nie vergessen habe, wie man bei meinem Familiennamen leicht nachvollziehen kann.

Wenn ich das Programm der Literaturtage anschaue, dann brauche ich bei den Veranstaltungen nur einmal Schwäbisch-Kenntnisse, wenn es in der Schloss-Scheuer in Lautlingen heißt „Ins Liacht ganga“. Aus den Büchern von Martin Walser und Monika Feth, Juma Kliebenstein und Jutta Speidel, Henning Scherf, Gunter Haug und Marion Poschmann weiß ich, dass sie hochdeutsch geschrieben haben. Sie werden kaum eine Spontan-Übersetzung ins Schwäbische vornehmen. Bei Manfred Mai bin ich noch nicht sicher, das Buch ist unterwegs und das Thema „Schwabenkinder“ lässt vermuten, dass die eine oder andere schwäbische Redewendung vorkommt. Aber so lange es nur „ein Kittel kälter“ ist, kann ich mithalten. Übrigens eine meiner Lieblingsredewendungen, ich sehe mich noch, wie ich durch den schwäbischen Wald spaziere und mir ein Schwabe den Sinn der Redewendung erklärt. Sehr schön fand ich auch die Bemerkung einer Kollegin, die versprach, mir „auch mal einen Stein in den Garten zu werfen“, nachdem ich ihr einen Gefallen getan habe.

Ich bin gespannt, welche neuen Schwabenworte ich am Ende meiner Albschreiber-Zeit gelernt habe. „Glei nocher“ werde ich mir einen plattdeutschen Text meines Vater heraussuchen, mit dem ich notfalls kontern kann – in meiner Stuttgarter Zeit habe ich dann immer auf eine plattdeutsche Übersetzung aus der Bibel zurückgegriffen. Man kann sich ja vorbereiten. Inzwischen habe ich schnell auf dem Tablet und Smartphone den Link zum Schwäbischen Online-Wörterbuch als Favorit eingerichtet. Darin werde ich jetzt stöbern – lest das Programm doch selbst. In Albstadt liegt es aus und wer nicht dort wohnt oder es lieber online mag, findet es hier.