(15.11.2013) Heute kommt mein Bericht aus Albstadt etwas später, weil ich zunächst spontan eine Lesung zum Vorlesetag hatte. In einer zauberhaften sechsten Klasse der Lammersberg-Realschule in Tailfingen. Danach gab es noch ein Frühstück mit der Schulleitung und nun sitze ich im Lehrerzimmer und genieße den Internetzugang und lade meinen Beitrag hoch.

14.11.2013 Der erste Tag als Albschreiberin war eine Wundertüte. Zunächst wurde ich vom Bürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow begrüßt und habe mit ihm über Literatur, Schnee und das Leben an sich geplaudert. Anschließend habe ich einen Abstecher bei seinem persönlichen Referenten gemacht, ehe mich Susanne Goebel, die Leiterin der Albstädter Museen, unter ihre Fittiche genommen hat. Sie ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin und hat in Albstadt viele interessante Projekte initiiert. Die werde ich in Ruhe aufarbeiten, manches könnte – finde ich – eine Anregung für die Hagener Kulturwissenschaftler sein. Abends war ich dann im Kindergarten Gartenstraße 103, der mich unglaublich beeindruckt hat.

Aber er ist kein Museum, deshalb steht im Mittelpunkt des Beitrags das Maschenmuseum, das auf verständliche Weise die Geschichte der industriellen Textilindustrie vermittelt, die die Stadt Albstadt stark geprägt hat.

Schon im Eingangsbereich begrüßt die Besucher eine freundliche Verkäuferin, der man an der lädierten Nase ansieht, dass sie bereits einige Jahre auf dem Buckel hat. Sie bietet Wäsche feil, wie ich sie allenfalls von meiner Oma kennen würde, so ich die Wäsche meiner Oma je gesehen hätte. Damit die Besucher wissen, worum es in dem Museum geht, können sie sich in Umkleidekabinen einen Eindruck vom Wandel der Unterwäsche im Laufe der Zeit machen. Schon da wird so mancher ein Kichern nicht unterdrücken können. Das verstummt aber schnell, wenn er die alten Textilmaschinen sieht, die in dem Museum ausgestellt werden.

Anhand der Maschinen – vom handbetriebenen Webstuhl bis zur automatischen Web- und Wirkmaschine – wird die Geschichte der Textilindustrie und der Industriearbeit erzählt. Lebensgroße Puppen vermitteln an verschiedenen Stellen einen Eindruck vom „wahren“ Leben in der Textilindustrie.

Im Medienraum ermöglicht eine 3D-Präsentationswand, sich am Beispiel der ortsansässigen Firmen Gebr. Haux aus Ebingen und Balthes Blickles Wwe. aus Tailfingen den Prozess der industriellen Textilproduktion nachzuvollziehen. Ich beneide alle Schülerinnen und Schüler, die hier in der Region aufwachsen und anhand von echten Exponaten der Industriegeschichte erleben können, wie sich Arbeit und Gesellschaft entwickelt haben.

Das Maschenmuseum entstand aus der Ausstellung „Menschen, Maschen und Maschinen“, die im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg Ende der 80er Jahre gezeigt wurde und an der Susanne Goebel bereits federführend beteiligt war. Kein Wunder, dass sie das Maschenmuseum mit einer solchen Begeisterung vorgestellt hat. Sie hat es schließlich aufgebaut und entwickelt es mit Unterstützung des ehrenamtlich tätigen Arbeitskreises Maschenmuseum weiter. Er akquiriert neue Maschinen und richtet sie mit viel Engagement und Liebe zum Detail für das Museum her und sorgt dafür, dass die Maschinen instand gehalten werden. Eröffnet wurde das Museum am 5. Juli 1996, seitdem hat sich einiges weiterentwickelt. Vor allem kamen ein Raum für die Museumspädagogik und Sonderveranstaltungen hinzu.

Um diese Sonderveranstaltungen beneide ich nun wiederum die Albstädter. Ich durfte in die aktuelle Ausstellung Rokokotten hineinspickeln. Traumhafte Kostüme werden dort gerade ausgestellt, von Textilkünstlerinnen aus Stoff, Alltagsgegenständen und allem, was man für ein Kostüm nutzen kann, entwickelt.

Das Museum hat mittwochs, samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Ein Besuch lohnt sich, vor allem, weil jeder – ob groß oder klein, mode- oder maschinenaffin – etwas zum Anschauen findet.

Weitere Informationen: www.museen-albstadt.de

Und da ich mich nicht entscheiden konnte, welche Bilder ich wähle, sind hier noch ein paar: