(13.10.2013) Nachdem mein Computer mich daran gehindert hat, den geplanten Kurzkrimi zu schreiben, habe ich endlich den dicken Umschlag aus Albstadt geöffnet, der hier schon ein paar Wochen liegt. Jetzt verstehe ich, warum frühere Albschreiber sich länger in der Region aufhielten. Ehrlich gesagt, weiß ich gerade nicht, wie ich alles in zehn Tagen erkunden soll, was es da zu erleben gibt.

Ich bin direkt froh, dass die „Linkenboldshöhle“ im Herbst und Winter geschlossen ist, damit die Fledermäuse nicht gestört werden. Nö, Fledermäuse brauche ich nicht. Ich habe als Kind einmal eine getroffen, das hat mir fürs Leben gereicht. Ein wenig erleichtert bin ich, dass ich als Albschreiberin engagiert wurde und nicht als Albwanderin. Allein das Heft mit den Wander- und Radtouren in der Region umfasst 70 Seiten und dann gibt es noch einen extra Führer für die „Traufgänge“ – soviel Schwäbisch kann ich noch, dass ich weiß, dass eine „Trauf“ KEINE Fußgängerzone bezeichnet Wikipedia spricht von „Steilabfall“ – schüttel, obwohl das natürlich Stoff für Krimis bietet, ohne Zweifel.

Ich bleibe lieber bei der Kultur und lege auch den Flyer über den Donau-Zollernalb-Weg und den Donauberglandweg beiseite – auf beiden sind Wanderschuhe abgebildet, die müsste ich mir erst noch zulegen. Da halte ich doch lieber Ausschau nach Anlässen für ein kleines Schwarzes und schaue ins Kulturjournal. Das liest sich sehr verlockend, auch wenn nur eine Veranstaltung dabei ist, die während meines Aufenthalts stattfindet. Huhuhu! Ein Grusical nach Edgar Allan Poe, das klingt doch genau passend für das kleine Schwarze, das ich noch gar nicht besitze. Wenn ich in das Programm der Literaturtage schaue, das ich vorab bekommen habe, lohnt sich eine kleine Shopping-Tour vor der Abreise. Obwohl der Einkaufsführer für Albstadt, der mit im Umschlag war, sehr verheißungsvoll klingt. In jedem Fall werde ich meine Kreditkarte mitnehmen und schauen, dass ich einen Vor- oder Nachmittag für Shopping freihalte.

Gerade will ich die „Freizeittipps von A-Z“ achtlos beiseite legen, da entdecke ich hinten die Taxi-Unternehmen in Albstadt. Ich weiß, ich bekomme ein Auto gestellt, aber – liebe Albstädter – ich bin eine Flachlandschwäbin und hätte schon vor 25 Jahren fast den tollen Job in Stuttgart abgelehnt aus Sorge, mich in Schneemassen wiederzufinden. Da weiß ich doch lieber, wen ich notfalls anrufen kann statt meine mageren Kenntnisse über das Aufziehen von Schneeketten wieder hervorzukramen.

Nach dieser Vorsortierung bleiben noch einige Flyer über Kunst und Kultur in Albstadt übrig. Vom „Maschenmuseum“, in dem ich mich über die Textilproduktion schlau machen kann, über das Stauffenberg-Schloss, in dem ich über die NS-Zeit recherchieren kann, bis zum Museum über Philipp Matthäus Hahn, der wie ich einige Zeit in Echterdingen gelebt hat, gibt es viele Anknüpfungspunkte. Und in der Städtischen Galerie lockt natürlich Otto Dix mit „Dirnen, Weibern und Madonnen“. Fast hätte ich das Ebinger Heimatmuseum vergessen, wo ich mich in die Geschichte Albstadts einarbeiten kann. Langeweile kommt sicher nicht auf. Was mich eher umtreibt ist, wie ich Schlaf konserviere, damit ich dort rund um die Uhr schnuppern, schauen und schreiben kann. Noch habe ich Zeit, mir Gedanken zu machen. Heute in einem Monat geht es los!