(29.10.2019) Die Stadtbücherei in Gotha hatte die wunderbare Idee, Briefe zwischen zwei Schulklassen aus Gotha und Hagen hin- und herzuschicken. Diese Idee habe ich gerne umgesetzt, nachdem mein Vorhaben, zwei Treffen jugendlicher AutorInnen zu vernetzen, nicht zu realisieren war. Aber da wäre mir auch etwas entgangen, ein außergewöhnliches Erlebnis, das zeigt, dass Kinder auch in Zeiten von WhatsApp, SMS, Social Media und E-Mail noch von Briefen begeistert sind.

Briefe schreiben in Gotha

Das Projekt startete mit einem Schreibvormittag in der Stadtbücherei. Die dritte Klasse der Erich-Kästner-Schule fand sich dort mit Lehrerin und Federmäppchen ein, um Briefe zu schreiben. Im ersten Schritt haben wir geklärt, wie ein Brief aufgebaut ist, schließlich sollten das ja „professionelle“ Briefe werden 🙂 Zur Vorbereitung hatte ich mir von der Hagener Klasse die Namen der Kinder geben lassen, die wurden ausgelost, sodass jedes Kind einen konkreten Adressaten hatte. Im zweiten Schritt hat jedes Kind einen Satz über sich selbst geschrieben, das Alter, die Klasse, die Hobbys und sonstigen Interessen. Es war erstaunlich, was sich da offenbarte, ein Junge tritt als Zauberer auf und bekommt sogar Honorar dafür, ein Mädchen ist Cheerleaderin, das zeigte sich ganz nebenbei, weil es wissen wollte, wie man Cheerleaderin schreibt. Diese Information über Interessen von Drittklässlern war für mich und die Lehrerin ein Nebenergebnis des Projekts, alleine dafür lohnt sich eine Wiederholung. In der dritten Phase haben wir gesammelt, was die Kinder für wichtig halten in Gotha, dazu haben sie einen weiteren Satz gebildet. Manche haben mehr, manche haben weniger geschrieben, fast alle haben Brief und Umschlag abschließend bemalt.

Briefe überbringen und schreiben in Hagen

Wie in Gotha habe ich auch in Hagen die Kinder der Klasse 3a der Kipperschule gefragt, ob sie schon Briefe geschrieben oder bekommen haben. Es waren einzelne Kinder, die sich meldeten. Aber alle Kinder in Hagen waren begeistert, dass sie nun einen an sie adressierten Brief bekamen und fragten nach, ob sie den wirklich behalten dürften. Auch hier haben wir kurz besprochen, wie ein Brief aufgebaut ist, dann schrieben die Kinder ebenfalls einen Satz über sich. Manche schrieben gleich weiter, für andere haben wir auch hier Ideen gesammelt, über was in Hagen sie schreiben könnten. Zum Schluss wurden die Briefe gestaltet und mir mitgegeben. „Wann fährst du nach Gotha?“, war die wichtigste Frage, weil die Kinder am liebsten gleich eine Antwort bekommen hätten. Da warte ich jetzt noch auf die Antwort der Schule, auf jeden Fall soll es weitergehen. Ich gehe noch einmal in die Erich Kästner-Schule und bringe die Antworten an die Kipperschule. Spannend, was sich daraus entwickelt.

Mein Fazit zu dem Briefprojekt

Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, aber für mich steht schon jetzt fest, dass ich das – sollte ich je wieder ein Stipendium irgendwo bekommen – gleich am Anfang initiieren werde. Die Freude der Kinder in Hagen über die Briefe war so beeindruckend, dass ich finde, solche Projekte sollte man ganz oft realisieren. Wann immer sich durch Umzüge, Städtepartnerschaften oder andere Bezüge zwischen Orten ergeben. Nebenbei erfahren die Erwachsenen viel über die Kinder und darüber, was ihnen wichtig ist. Vermutlich zum Leidwesen der Oberbürgermeister von Hagen und Gotha waren die Orte, die den Kindern wichtig waren, keine Sehenswürdigkeiten, sondern Eisdielen, Kinos, Spielplätze. Als Schwerpunkt in Gotha wurde aber doch der Tierpark genannt und nach einigem Zögern kam auch Schloss Friedenstein. In Hagen hingegen wurden aus dem Pool der Dinge, auf die die Stadt stolz ist, nur die schönen Wälder. Mich hat das erstaunt, ja, die Kinder sind in der dritten Klasse, aber ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit, da waren wir in dem Alter im Heimatmuseum und haben uns in Sachkunde mit unserer Stadt beschäftigt, was im Übrigen auch heute noch im Curriculum der Grundschule vorgesehen ist. Aber vielleicht kommt das noch, wir sind ja erst am Anfang des dritten Schuljahres, dafür konnten die meisten Kinder schon richtig gut schreiben und formulieren. Irgendwie muss ich an dem Projekt dran bleiben 🙂 © Birgit Ebbert