Beim Aufräumen eines Bücherstapels fiel mir gestern wieder die „Altersreise“ in die Hände. Ein Buch, das ich nicht gelesen hätte, wäre ich nicht Albschreiberin geworden und hätte Henning Scherf in Albstadt nicht aus seinem Buch „Altersreise“ gelesen. Vielleicht aber doch, denn das Thema, mit dem Henning Scherf sich in dem Buch beschäftigt, interessiert mich schon lange – seit meiner Studienzeit in Bonn, als ich mit einer Freundin darüber nachdachte, im Alter eine WG in Bonn zu gründen. Manche Einrichtungen, die Henning Scherf auf seiner „Altersreise“ besucht hat, kommen unserer Vision sehr nahe.

In dem Buch werden ganz unterschiedliche Institutionen rund um das Wohnen im Alter vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, denn der Autor hat teilweise selbst mit in den Einrichtungen gewohnt, um zu erleben, wie sich die Bewohner dort fühlen und die Geschichten der Bewohner kennenzulernen. Durch die persönlchen Erlebnisse, die dem Buch den besonderen Pfiff geben, ist eine interessante Mischung aus Information über verschiedene Lebensformen und Einblick in faszinierende Lebensläufe entstanden. Sie zeigt, dass alte Menschen viel erlebt haben, dass sie politische, soziale und kulturelle Geschichte aus eigener Anschauung schildern können und über Wissen verfügen, das weiterhin wertvoll ist.

Genau das möchte Henning Scherf mit seinem Buch erreichen. Schon lange beschäftigt ihn die Frage, wie lebenswertes Leben im Alter aussehen kann und dass es jenseits von „Pflegefabriken“ Modelle geben muss, in denen alte Menschen solange wie irgend möglich in das Leben und den Alltag integriert werden und ihre Fähigkeiten einbringen können. Daneben will er die Leser ermutigen, sich frühzeitig Gedanken über die Zukunft im Alter zu machen und nicht abzuwarten, bis überraschend der Tag vor der Tür steht, an dem man sich nicht mehr selbst helfen kann und fremdbestimmt wird. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran und ist schon vor einigen Jahren in eine Hausgemeinschaft gezogen, die genauso ist, wie ich mir das vor knapp 30 Jahren im Bonner Studentenwohnheim vorgestellt habe. Es lohnt sich, das Buch zu lesen, macht es doch zum Mut zum Alter, was heute nicht mehr selbstverständlich ist.

Ich freue mich, dass Henning Scherf sich nach seiner Lesung in Albstadt Zeit für ein Gespräch mit mir nahm und dabei auch gleich meine drei Fragen zum Buch beantwortete:

Wann haben Sie begonnen, sich mit Wohnformen im Alter zu beschäftigen?
Ach, das war schon vor Jahrzehnten, als meine Frau und ich beschlossen, zusammen mit Freunden eine Wohngemeinschaft zu gründen. Daraus ergab sich die Beschäftigung mit der Frage nach geeigneten Wohnformen im Alter wie von selbst.

Was ist denn eine Altersreise?
Auf meiner „Altersreise“ habe ich Wohneinrichtungen besucht, in denen ältere Menschen wohnen und/oder betreut werden. Ich wollte erfahren, wie es ist, in einer solchen Einrichtung zu leben und habe deshalb teilweise in den Einrichtungen übernachtet oder mehrere Tage gelebt.

Welches war Ihr eindrücklichstes Erlebnis während Ihrer „Altersreise“?
Das war die Begegnung mit der Schauspielerin Beate Lenders, für die ich als junger Mann geschwärmt habe. Ich traf sie zufällig auf meiner Reise und seither verbindet uns eine tiefe Freundschaft verbindet.