(20.05.2015) Vor einiger Zeit bin ich zufällig auf dem Blog „Am Anfang“ von Nina Sahm gelandet. Die Idee, einen Satz öffentlich weiterzuschreiben, fand ich klasse. Ich habe ihr damals einen Satz und viele Fragen geschickt. Leider hat sie meinen Satz bisher noch nicht weitergeschrieben, aber beim Aufräumen bin ich auf ihre Antworten gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Vielen Dank, Nina für den Einblick in die Bloggeschichte.

Wie bist du auf die Idee für deinen Blog gekommen?
Ich mochte Anfangssätze schon immer sehr gerne. Ich finde es spannend, wenn die ersten Worte in einem Roman mich als Leserin so packen, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen kann. Als ich überlegt habe, wie mein eigenes Prosa-Blog aussehen könnte, sind mir diese Anfänge eingefallen. Ich habe mich gefragt, welche Sätze sich andere Menschen beim Lesen anstreichen und welche Zitate ihnen nicht aus dem Kopf gehen. Und ich wollte wissen, ob ich mir zu diesen Anfängen ein neues Ende ausdenken kann.

Warum machst du dir die Arbeit? Oder ist es keine Arbeit?
Das Bloggen ist für mich eher eine kreative Pause als eine anstrengende Arbeit. Ich finde es großartig, Sätze geschickt zu bekommen und dann abzuwarten, was mir dazu einfällt. Nach der Anfangseuphorie beim Bloggen habe ich allerdings auch bemerkt, dass ich nicht in der Lage bin, gleichzeitig Blogbeiträge, Kurzgeschichten und Romankapitel zu schreiben. Im letzten halben Jahr habe ich deshalb beim Bloggen etwas pausiert, um mich voll und ganz auf den Roman zu konzentrieren. Und jetzt wo der Roman so gut wie fertig ist, kann ich mich wieder stärker auf neue Blogtexte konzentrieren.

Wie viele Anfänge hast du inzwischen schon fortgeschrieben?
Insgesamt habe ich seit der Entstehung des Blogs im November 2011 zu 17 Anfangssätzen ein neues Ende geschrieben.

Und wie viele Anfänge werden dir geschickt? Wonach wählst du die aus, an denen du weiterarbeitest?
Das ist ganz unterschiedlich – mal bekomme ich mehrere Sätze pro Woche geschickt, mal geschieht wochenlang nichts. Ich lasse mir die Anfänge eine Weile im Kopf herumgehen, bis ich ungefähr weiß, wie die restliche Geschichte aussehen könnte und dann setze ich mich an den Schreibtisch. Ich versuche, zu den meisten eingeschickten Sätzen auch ein Ende zu schreiben. Allerdings dauert es manchmal etwas, bis ich eine zündende Idee habe und so warten noch einige Anfänge auf ein passendes Ende.

Was machst du, wenn du keine Anfangs-Texte weiterschreibst?
Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaft war ich mehrere Jahre als Schauspieldramaturgin fest an Theatern angestellt. Anfang 2011 habe ich mich dann als Texterin selbstständig gemacht, um mich stärker auf das Schreiben zu konzentrieren. Seitdem arbeite ich als freiberufliche Werbetexterin für Agenturen und Unternehmen und verdiene damit meinen Lebensunterhalt. Die Zeit zwischen den Aufträgen nutze ich, um Prosa zu schreiben.

Seit wann schreibst du? Wolltest du schon immer beruflich schreiben?
Ich habe schon immer wahnsinnig viele Bücher gelesen und war fasziniert von den Welten, die sich Schriftsteller an ihrem Schreibtisch ausdenken können. Es hat allerdings ziemlich lange gedauert, bis ich den Schritt vom Leser zum Autor gewagt habe. Erste Kurzgeschichten entstanden nach dem Abitur, aber erst seit ein paar Jahren habe ich so viele Ideen im Kopf, dass ich auch an einem Roman schreibe. 2012 habe ich als Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung an einer Schreibwerkstatt im Herrenhaus Edenkoben teilgenommen, die von dem Autor Peter Henning und dem Lektor Gunnar Cynybulk geleitet wurden. Dort habe ich ganz wichtige Impulse für mein Schreiben bekommen und seitdem gibt es nur ein Ziel: die erste Romanveröffentlichung.

Welches ist dein größter Wunsch?
Immer genügend neue Ideen zum Schreiben zu haben und genügend Leser, die sich für meine Texte interessieren.

Ist Selbstmarketing für dich ein Thema? Wenn ja, was tust du, um PR für dich selbst zu machen?
Das Bloggen war anfangs vor allem als Abwechslung zu der Arbeit als Werbetexterin und als Ansporn zum regelmäßigen Schreiben gedacht, aber nicht als Selbstmarketing. Nach einer Weile hat mich eine Literaturagentin kontaktiert, die weitere Texte von mir lesen wollte. Es war also doch ganz gute PR, da ich parallel bereits an meinem Debütroman „Das letzte Polaroid“ schrieb. Die Agentur hat mich dann bei der Arbeit am Roman beraten, einen Verlag für mich gesucht – und schließlich auch gefunden. Ansonsten versuche ich, mich gut zu vernetzen, in sozialen Netzwerken vertreten zu sein und meine neue Website ist seit kurzem auch online.

Ninas Blog ist hier zu erreichen www.amanfang.de und mehr über sie erfährt man über ihre Internetseite www.ninasahm.de.