(02.03.2015) Zugegeben, es ist schon eine ganze Zeit vergangen, seit ich an einer Führung in der Andachtshalle des Krematoriums in Delstern teilgenommen habe. Irgendwie ist der Beitrag angesichts all der Projekte im letzten Jahr untergegangen. Die Fotos von Ulrich Wens haben mich erinnert, den Beitrag im Entwufsordner zu suchen. Ich habe ihn gefunden und gesehen, dass am kommenden Donnerstag die nächste Führung ist. Die Chance sollte man sich nicht entgehen lassen.

Die Geschichte des Krematoriums in Delstern beginnt 1892, als ein Verein zur Feuerbestattung gegründet wurde. In vielen Landesteileng gab es zu jener Zeit Bestrebungen, Krematorien einzurichten – aus hygienischen Gründen und um Epidemien zu verhindern. Der Antrag aus Hagen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gestellt und brauchte einige Zeit, bis er bearbeitet wurde, weil es zu jener Zeit schlichtweg noch keine rechtlichen Grundlagen zum Betrieb von Krematorien in Preußen gab. Da Hagen die Nase vorn hatte, bekam es den Zuschlag, sodass sich heute in der Stadt das erste Krematorium in Preußen befindet, was vielen nicht bekannt ist. Und nicht nur das, es ist vermutlich das einzige Krematorium aus derZeit des Jugendstil, das noch vollständig erhalten ist, was vor allem in der wunderbar gestalteten Andachtshalle zu sehen ist.

Daran, dass wir uns heute über dieses Kleinod der Architekturgeschichte freuen können, hatte Karl Ernst Osthaus einen beträchtlichen Anteil. Zunächst hatte der Verein zur Feuerbestattung nämlich Baumeister Sander beauftragt, Entwürfe für ein Krematorium vorzulegen. Mit diesen Entwürfen, die sich am Reichstag in Berlin orientierten, konnte Karl Ernst Osthaus sich überhaupt nicht anfreunden. Er beauftragte Peter Behrens, mit dem er wegen anderer Bauwerke in Verbindung stand, einen Alternativplan vorzulegen.

Für uns und für Karl Ernst Osthaus zum Glück überzeugten die Entwürfe von Peter Behrens, der damals bereits einen großen Namen als Architekt hatte. Das Krematorium wurde gebaut und war 1907 fertig und betriebsbereit. Das Projekt hatte nur einen Haken, es hatte keine Betriebserlaubnis. Bis zur ersten Einäscherung sollten noch vier Jahre vergehen, 1911 konnte es schließlich in Betrieb genommen werden. Bis es soweit war, konnten Neugierige das Krematorium für 50 Pfennig Eintritt besichtigen, was auf so großes Interesse stieß, dass der Verein für Feuerbestattung Postkarten drucken ließ. Karl Ernst Osthaus war so begeistert von dem Gebäude, dass er für Matisse eine Trauerfeier simulieren ließ, als dieser in Hagen zu Besuch war.

Das Gebäude, das Peter Behrens entwickelt hat, wirkt auf den ersten Blick bescheiden und nicht prunkvoll und überheblich wie das, was dem ursprünglich beauftragten Baumeister vorschwebte. Statt am Reichstag orientierte Behrens sich eher an italienischen Kirchen, wie er ohnehin die eine oder andere Idee der italienischen Kultur nach Hagen brachte. Zeichen dafür, dass er sich an das Vorbild frühchristlicher Kirchen hielt, ist, dass es zwar eine Galerie, aber keine monumentalen Pfeiler gibt. Überall wird mit geometrischen Formen gearbeitet, in den Fenstern, auf dem Boden, sogar der Katafalk passt sich so harmonisch in die Umgebung ein, dass man fast vergisst, welchem Zweck diese Halle dient.

Über dem Eingang prangt ein großer Kreis, der wie das Auge Gottes wirkt. Dabei verboten die christlichen Kirchen lange Zeit die Einäscherung, erst ab 1920 lockerte die evangelische Kirche ihre Restriktionen, die katholische Kirche brauchte bis in die 60er Jahre hinein, bis sie diese Form der Bestattung akzeptierte. Lediglich Mitgliedern eines entsprechenden Bestattungsvereins war diese Form des letzten Weges gestattet. Ein interessantes Bauwerk der Architekturgeschichte, das auch nach 100 Jahren nichts von seiner beruhigenden Wirkung verloren hat. © Birgit Ebbert

Die nächste Führung findet wie schon erwähnt am 5. März um 16.00 Uhr statt.

Weitere Fotos von den Innenräumen der Andachtshalle.