(10.04.2019) Ja, ich bin jetzt das dritte Mal in Gotha angekommen. Dieses Mal bleibe ich etwas länger als beim letzten Mal und die Wohnung ist schon heimisch geworden, sodass ich mich in die Nachbarschaft vortaste. Gestern habe ich mich im Frauenzentrum vorgestellt, das im gleichen Gebäude ist. Jetzt weiß ich auch, wem ich immer auf den Tisch gucke, wenn ich aus dem Fenster sehe.

Das Frauenzentrum Gotha

Das Frauenzentrum ist eine interessante Institution, nicht, weil es ein Zentrum für Frauen ist, sondern weil es von zwei Frauen ehrenamtlich gemanagt wird. Die Stadt stellt die Räume am Brühl 4 zur Verfügung, den Rest organisieren die Frauen in eigener Verantwortung. Es trifft sich in den Räumen eine Selbsthilfegruppe Depression, eine Selbsthilfegruppe Sucht, zu der allerdings Frauen und Männer gehören und es finden allerlei Freizeitangebote statt.

So sah der Brunnen noch im Februar aus.

Eine Frauengruppe spielt Rommee – da werde ich fragen, ob ich einmal mitspielen darf, das habe ich sooo lange nicht gespielt. Eine andere Gruppe strickt, wie ich hörte, hat meine Vorgängerin dort Stricken gelernt 🙂 – das kann ich und habe ich früher exzessiv betrieben. Auch Nähen kann ich, deshalb sind die Nähkurse, die es im Frauenzentrum gibt, auch nichts für mich. Aber es ist gut zu wissen, dass dort Nähmaschinen vorhanden sind, falls ich mal etwas kürzen oder reparieren muss 🙂 Oh, Sportgruppen gibt es auch, ich könnte also auch mehr Sport treiben 🙂 Einmal im Monat gibt es ein besonderes Angebot, in dem Rahmen werde ich ein- oder zweimal lesen – 🙂 die Frauen stellten schon fest, dass meine Stimme laut genug ist, um auch im Garten zu lesen. Gerne doch, ich freue mich schon. Und dank der „Erinnerungsgeschichten“, die ich für den Verlag an der Ruhr geschrieben habe, mangelt es nicht an Lesestoff. Und einen Kurzkrimi aus Gotha soll es auch geben. Jetzt aber werde ich mich auf den Weg zu meinem Tagesspaziergang machen und danach habe ich noch etwas vor. Ich werde berichten.

Bauhaus & Musik im Versicherungsmuseum

Eigentlich wollte ich gestern ja weitere Nachbarn besuchen, den Weissen Ring zum Beispiel, da ist immer dienstags jemand in der Beratungsstelle. Aber dann war ich doch neugierig auf die Ausstellung „Das Bauhaus wirbt“ zur Rolle des Bauhaus für die Geschichte der Typographie in den 1920er und 1930er-Jahren. Kurz: Ich war begeistert von der Ausstellung und habe gestern gleich darüber gebloggt. Für Nachbarschaftsbesuche blieb da keine Zeit mehr, zumal ich abends im Versicherungsmuseum zu einem Konzert gehen wollte. Dort war ich dann auch und schon beim Eintritt in das Museumsgebäude fühlte ich mich ganz klein, so ein tolles Haus, einerseits die wiederhergerichteten alten Räume und diese Reliefs aus weißem Sandstein in der Eingangshalle, andererseits das moderne Glasdach, das an den Reliefs vorbei den Blick in den Himmel freigibt. Und dann das Vocal Ensemble Amacord, fünf Sänger aus Leipzig, die einen schon beim ersten Lied vergessen lassen, dass kein Musikinstrument mit von der Partie ist. Unglaublich, wie sie ihre Stimminstrumente, welche auch immer das sind :-), zum Einsatz bringen und eine sehr interessante Auswahl von Stücken, die ich leider nicht parat habe, weil ich vergaß, einen Programmablauf zu organisieren.

Die vielen kleinen Kleinigkeiten

Ankommen heißt auch, Dinge wieder zu entdecken, aber auch Veränderungen wahrzunehmen. Dieses Mal bin ich an dem Stadtmodell für Sehbehinderte und Blinde vor dem Rathaus stehen geblieben und habe versucht, mich durch die Stadt zu tasten. Das Modell stammt übrigens von einem Westfalen :-), Egbert Broerken, er stammt aus dem Kreis Soest und werkelt dort auch heute noch in einem kleinen Wasserschloss – wo ist der Neid-Smiley 🙂

Neu entdeckt habe ich den Brunnen am Schlossberg, bei meinem letzten Besuch war er noch abgedeckt, aber so geschickt, dass ich dachte, die Konstruktion sei das Kunstwerk 🙂 Schließlich habe ich endlich angefangen, meinen Vorsatz, im Café zu schreiben, umzusetzen. Ich habe mir vorgenommen, jedes Café in Gotha – ok, das ich zu Fuß erreichen kann – einmal auszuprobieren. Eigentlich wollte ich heute ins Café Kanne, aber dann war im Café Loesche gerade der Eckplatz in der Sonne frei. Café Kanne bewahre ich mir für trübes Wetter auf 🙂 Oh, und ich habe schon Kontakt zu einer Gärtnerin im Schlosspark aufgenommen. Mir fiel nämlich auf, dass an verschiedenen Stellen und sehr häufig, eine mir unbekannte Blume zwischen Narzissen, Hornveilchen, Tulpen & Co. standen. Ich sag’s mal so, die Blume passt zu einer Stadt, die sich mit dem Slogan „Gotha adelt“ vorstellt, sie heißt nämlich „Kaiserkrone“. Vielleicht hatte ich die Pflanze schon mal gesehen, aber hier in Gotha steht sie in allen repräsentativen Beeten, das fällt auf. Ich bin gespannt, wie sie blühend wirkt. Und werde natürlich berichten. ©Birgit Ebbert