Die CD habe ich direkt bei den Ruhrfestspielen gekauft(05.01.2016) 2015 fand ich das Fernsehprogramm zwischen den Jahren eher mäßig, weshalb ich in meinen Regalen nach DVDs gesucht habe, die ich wieder einmal anschauen könnte. Dabei ist mir die DVD „Atlantic Affairs“ von Udo Lindenberg in die Hände gefallen. Noch in Folie verpackt! Dabei hätte ich geschworen, dass ich sie bereits angesehen habe. So kann man sich täuschen. Ich dachte nämlich, auf der DVD befände sich das Rockshow, die ich 2003 im Rahmen der Ruhrfestspiele im Festspielhaus in Recklinghausen gesehen habe. Ein Erlebnis, das ganz vorne in meiner Liste der Top-Musik-Erlebnisse steht.

Atlantic Affairs erinnert an die Musik der Emigranten

Deshalb habe ich die DVD geöffnet und eingelegt und dann über eine Stunde wie gebannt vor dem Fernseher gesessen. Zwar waren in den letzten 30 bis 40 Minuten auch einige der Acts aus der Show zu sehen. Aber vorher wurde eine Geschichte über die Entstehung der Show gezeigt, ergänzt um Einblendungen von Fotos und Filmsequenzen über die Emigration deutscher Künstler in den 30er-Jahren. Ich habe erstmals Friedrich Hollaender live seine Texte sprechen sehen, seine Tochter erzählte von seiner Flucht in die USA, ein Enkel von Marlene Dietrich schilderte die Tragik ihres großen Erfolges und immer werden Songs teils vergessener Komponisten aus den 30er und 40er Jahren eingebaut. Ein unglaublicher Film, den man sich immer wieder anschauen kann, zumal Horst Buchholz darin vermutlich seine letzte Rolle spielt und man noch kurz Otto Sander erleben kann.

Die DVD zur Rockrevue Atlantic AffairsErzählt wird die fiktive Story der Show „Atlantic Affairs“, in der Udo nach New York fliegt, um das Erbe seiner Tante Emely anzutreten, das aus 20 Koffern besteht. Um diese nach Hause zu bringen, reist er mit der Queen Elizabeth II zurück, auf der in den 30er Jahren viele Emigranten sich vor den Nazis gerettet haben. Er trifft dort auf Horst Buchholz als Chefsteward, der bereits in jener Zeit an Bord war und die Zuschauer mitnimmt in seine Erinnerungen. Udo stellt fest, dass in den Koffern nur Noten sind, Noten von Songs, die Tante Emely in den 20er und 30er Jahren als Varieté-Sängerin vorgetragen hat. Das bringt ihn auf die Idee, eine Show mit diesen Songs zu entwickeln – eben jene Show, die ich bei den Ruhrfestspielen gesehen habe.

Atlantic Affairs bei den Ruhrfestspielen

Ich erinnere mich nicht, ob den Chefsteward in unserer Aufführung Ben Becker oder Heinz Hönig gespielt hat und wer sonst noch dabei war. Aber ich höre noch den unglaublichen Sound, der einen umfing, als man den Raum betrat. Eben jenes Stampfen der Schiffsmotoren, auf das Udo auch in dem Film eingeht. Man hatte das Gefühl, im Maschinenraum eines Ozeandampfers zu sein. Und ich erinnere mich deshalb so gut, weil mich beeindruckt hat, wie locker Udo Lindenberg am Ende der Show seine ca. 20 Doppelgänger auf die Bühne gebeten hat. Dieses Live-Erlebnis lässt sich mit der DVD natürlich nicht erzeugen, aber trotzdem gab es beim Betrachten einige Gänsehaut-Momente und für mich das beste Zeichen für einen besonderen Film ist immer, dass ich meinen Laptop zuklappe, ohne Nebenbeschäftigung vor dem Bildschirm sitze und sogar mein Kaffee dabei kalt wird. © Birgit Ebbert

DVD: „Udo Lindenberg – Atlantic Affairs Sterne, die niemals untergehen“ (Universum Film 2003)

Internetseite zur Show mit Infos