(04.09.2017) Meine kurze Faltauszeit in Bauhaus Bundesschule Bernau in der Nähe von Berlin habe ich natürlich auch genutzt, um endlich auf Hertis Spuren zu wandeln und mir einen Eindruck zu verschaffen, wo sie in den 30er Jahren gelebt hat und wie ihr Aktionsradius war.

Schauspielerin Herti Kirchner

Da nun doch einige Zeit vergangen ist, seit ich zum letzten Mal über Herti Kirchner gesprochen und gebloggt habe, eine kleine Auffrischung dazu, wer das ist. Herti Kirchner war eine Schauspielerin und Kinderbuchautorin, die auf einem guten Karriereweg als Schauspielerin war, als sie am 30. April 1939 mit ihrem Auto tödlich verunglückte. Da war sie 25 Jahre alt und hatte schon einiges erlebt, unter anderem – und dadurch taucht sie heute doch in manchen Büchern auf – war sie eine Zeit mit Erich Kästner liiert. Ich habe begonnen, mich mit ihr, ihrem Leben und ihrem Berlin zu beschäftigen, weil ich die Briefe nutzen darf, die sie ihrem Vater und ihren Tanten geschrieben hat. Diese Briefe waren nie zur Veröffentlichung bestimmt und vermitteln daher einen guten Eindruck vom Alltagsleben in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg. Ich finde ihr Leben deshalb interessant, weil es zeigt, dass es in den Jahren zwischen den Kriegen emanzipierte Frauen gab, die ein klares Berufsziel vor Augen hatten und darauf hingearbeitet haben. Wenn man bedenkt, dass Herti mit 25 Jahren 1939 in ihrem eigenen Auto verunglückt ist, zeigt das, dass sie einiges erreicht hat.

Herti Kirchners Anfänge in Berlin

Blick von der Tauentzienstraße 12

Herti Kirchner stammt aus Kiel und hat dort schon als Schülerin am Theater mitgewirkt. Sie ist dann gegen den Willen ihres Vaters, die Mutter war verstorben, als Herti 10 Jahre alt war, nach Salzwedel ans Theater, wo sie 1930 ihr Debüt hatte. Bereits im Sommer 1930 war sie zum ersten Mal einige Wochen in Berlin. Dort hat sie unter anderem einen Freund aus Kiel getroffen, der in einer Buchhandlung arbeitete. Gänzlich nach Berlin siedelte sie im April 1932 um, nachdem das Theater in Braunschweig, bei dem sie mir ihrem Ehemannn arbeitete, geschlossen wurde. In Berlin nahm ihre Karriere bald Fahrt auf, im Sommer 1932 begann sie in Ragusa mit den ersten Filmaufnahmen und auch sonst gab es immer wieder kleine Aufträge. Der Ehe war das wohl nicht zuträglich, Herti trennte sich noch im gleichen Jahr von ihrem Mann. Am 15. Dezember zog sie in ihre erste eigene Wohnung in Berlin, eher ein Zimmer, aber es lag zentral an der Tauentzienstraße 12. Das Haus gibt es nicht mehr, dort wo Herti gewohnt hat, ist nun ein riesiger Komplex mit Geschäften, aber wenn die Straßen und Hausnummern etwa gleich geblieben sind, dann stand das Haus gegenüber der Gedächtniskirche.

Hertis Leben in Berlin

Im März 1933 hat Herti das Zimmer an der Tauentzienstraße verlassen und ist in die Nürnberger Straße 21 (Foto links) gezogen. „bei Friedemann (Berlin 50 Charlottenburg, der „Femina“ ggenüber), geht von der Tauentzien ab“. Dort wohnte sie allerdings nur kurz, weil sie bald darauf in den Niederlanden auf Tournee ging und nach der Rückkehr als Untermieterin der Familie Kosseleff zog. Ob dort die „Kollektive“ lebte, von der sie einige Monate schreibt, konnte ich noch nicht herausfinden. Ich arbeite dran 🙂 Aber Herti wohnte nicht nur in Berlin, sie arbeitete unter anderem am Deutschen Künstlertheater, sie besuchte das Café des Westens und das Café Kranzler und traf sich dort mit Kollegen und Gönnern. Unter anderem trat sie als „Bezauberndes Fräulein“ im Künstler-Theater auf, was ihr die Bekanntschaft mit Erich Kästner einbrachte, mit dem sie sich zum Beispiel in der Bar vom Hotel Eden traf.

Ab Februar 1934 hat Herti schließlich eine eigene Wohnung an der Barbarossastraße 49 (Foto rechts), ob in dem Haus, das heute die Hausnummer trägt, muss ich noch herausfinden. Aber zumindest habe ich bei der Suche nach der Adresse einen Eindruck gewonnen, in welchem Umfeld Herti sich bewegte. Ganz in der Nähe befindet sich noch heute das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, das so aussieht, als hätte Herti es auch 1934 bis 1939 schon sehen können.

Auf Hertis Spuren

Einen ersten Eindruck davon, wo Herti sich aufgehalten hat, habe ich gewinnen können. Am leichtesten nachzuvollziehen ließ sich der Ort, an dem sie den Tod fand, an der Kreuzung Kleiststraße Wittenbergplatz. Die Kleiststraße geht am Wittenbergplatz in die Tauentzienstraße über, wo sich auch zu Hertis Zeiten schon das KaDeWe befand. In den wenigen Stunden, die ich in Berlin verbracht habe – schließlich war ich vor allem zum Falten in die Region gefahren 🙂 – konnte ich nur einige Adresse suchen. Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die anderen Orte und muss auf jeden Fall bald wieder hin. Geblieben ist der Eindruck, dass sie mitten in Berlin lebte, das ist doch eine gute Basis für das Buch über sie, wie immer dieses auch aussehen wird. © Birgit Ebbert