(18.09.2014) Ab dem 20. September ist für eine gute Woche eine ganz besondere Ausstellung im Atelier der Kooperative K in Haspe zu sehen. Kunst, die eigentlich im öffentlichen Raum zu sehen ist, wagt sich in den Innenraum. In einen Innenraum allerdings, der für die Ausstellung wie geschaffen ist. Eine alte Schlosserwerkstatt mit viel Platz und viel Licht, sodass man beim Betrachten der Kunstwerke fast vergisst, dass man sich in einem Gebäude befindet und nicht auf der Straße.

Ja, auch Werke, die sonst außen an Hauswänden zu sehen sind, können Kunst sein. Sie sind es nicht immer, wie auch nicht jeder irgendwo hingekritzelte Satz Literatur ist. Die Grenze ist fließend und liegt im Auge des Betrachters. Doch wenn wir ehrlich sind, bleibt kaum jemand vor einer gekritzelten Pöbelei stehen, während viele verweilen, wenn sie ein Bild an einer Wand, Brücke o.ä. sehen, das etwas ausstrahlt. Den Künstlern, die diese Art von Kunst schaffen und sich aus ihrem Kämmerlein herauswagen, ist die Ausstellung „Urban Heroes“ gewidmet, die der Kurator Ihsan Alisan zusammengestellt hat.

Begonnen hat alles mit der Frage von Kooperative K-Künstler Dietmar Schneider, ob Ihsan Lust hätte, für das Atelier der Kooperative eine Ausstellung zu entwickeln. Um einen Schwerpunkt für das Projekt zu finden, beschäftigte Ihsan sich mit der Geschichte der Kooperative K und stieß auf den Gründer Rappaport und dessen Wandbild „Wasser ist Leben“ in der Nähe der Elbershallen. Damit war er infiziert, sich näher mit Urban Art zu beschäftigen und mehr über diese Künstler herauszufinden. Das Thema der Ausstellung war gefunden – und auch nicht, denn eigentlich lässt sich Urban Art nicht in eine Ausstellung pressen, sie lebt von der Umgebung des Kunstwerks, von ihrer Größe und davon, dass sie fest an einem Gebäude verankert ist. Häuser abreißen wollte Ihsan Alisan nun nicht. Mauern in den Köpfen einreißen, das schon, und für die Einzigartigkeit von Urban Art sensibilisieren.

Im Austausch mit den Künstlern zeigte sich bald, dass sich durchaus Möglichkeiten finden lassen, Urban Art für eine begrenzte Zeit in einen Raum zu bringen. Oft existieren Entwürfe und Skizzen, Fotos und kleine Exponate, die auch in einer Ausstellung präsentiert werden können. Vor allem aber beschränen sich viele Urban Artists nicht auf Wandmalereien oder Ähnliches, sie arbeiten auch kleinformatig, wobei ihr typischer Stil erhalten bleibt.

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, die Werke der „Urban Heroes“ in das Atelier der Kooperative K zu bringen. Teilweise passen sie sogar organisch in die ehemalige Schlosserwerkstatt wie die Gasflasche oder das Ölfass von Thomas Baumgärtel oder die Motorhaube eines Trabis, die in Kunstwerke verwandelt wurden. Zwei der nicht unumstrittenen Vorhänge von Magdalena Kita haben ebenso Platz gefunden wie ein Stencil von Bansky, vier Bilder aus dem Inside Out Projekt von JR-Artist sind ebenso zu sehen wie Werke von Klaus Klinger, der Ende der 90er Jahre das Projekt „Mural Global“ initiiert hat, für das Rappaport das Kunstwerk erstellt hat, das Ihsan zu dem Thema inspiriert hat.

Andreas Friedhelm Arnold, Dietmar Schneider, Daniela Hartmann von der Kooperative K bei den Vorbereitungen

So schließen sich Kreise, aber auch noch auf andere Weise. Die Kooperative K hat Ihsan auf das Thema Urban Art gebracht und Ihsan hat mit seiner Urban Art Idee, Kooperative K-Mitglied Dietmar Schneider inspiriert, sich nach vielen Jahren wieder mit dem Thema zu beschäftigen. Auch für mich schließen sich übrigens Kreise. In einem Raum werden nämlich Entwürfe und Exponate von Milica Reinhart zu ihrem Kunstprojekt „Sehnsucht nach Ebene 2“ ausgestellt. Vor einiger Zeit hatte ich dazu recherchiert und heute berichtete Ihsan davon, mit welchem hohen persönlichen Einsatz die gebürtige Hagenerin an dem Projekt gearbeitet hat. Und, worüber ich mich ebenfalls sehr gefreut habe, in der Ausstellung ist auch ein Werk des Hagener Street Artist Martin Bender zu sehen, den ich vor einiger Zeit für meinen Blog interviewt habe und dessen Urban Art man an verschiedenen Stellen in Hagen sehen kann.

Kurator Ihsan Alisan erklärt das große Ganze

Wenn ich Glück habe, treffe ich ihn am Samstag. Auf jeden Fall anwesend ist Thomas Baumgärtel, der mit seinen Bananen-Performances und -Bildern Aufsehen erregt hat und noch erregt. Erst vor einer Woche wurde eine Ausstellung von ihm kurzfristig abgesagt. Ein schönes Beispiel für die Redensart „Dem eenen sien Uhl ist dem anderen sien Nachtigall“. Da Bananen-Werke Baumgärtels in Köln abgehängt werden mussten, können sie stattdessen in der Kooperative K gezeigt werden.

Ich habe es ja gesagt. „Urban Heroes“ ist eine besondere, außergewöhnliche Ausstellung, die ihre Besucher begeistern wird, nicht nur, weil auch Werke von Keith Haring zum Beispiel zu sehen, sind, einem der ersten Urban Heroes überhaupt, dessen Namen heute auch die Anhänger der „E-Kunst“ kennen.

Spiegel-Selfie mit Kurator

Nicht zu vergessen, neben all diesen wirklich beeindruckenden Kunstwerken wird auch Urban Art aus dem Hagener Stadtbild zu sehen sein und von manchen Besuchern vielleicht zum ersten Mal wahrgenommen werden. Aber vielleicht regt die Ausstellung an, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen und verborgene Schönheiten zu entdecken. Wenn das gelänge, hätte sich der nicht unbeträchtliche Aufwand des Kurators und auch der Künstler gelohnt. Ich drücke die Daumen. © Birgit Ebbert

Die Eröffnung der Ausstellung findet statt am Samstag, den 20. September, um 15.00 Uhr. Weitere Besuche sind möglich am Wochenende von 14 bis 18 Uhr und von Montag bis Freitag zwischen 17 und 19 Uhr oder nach Vereinbarung via E-Mail: ihsani@gmx.de.

Einige Bilder als „Appetizer“:

Weitere Eindrücke von den Vorbereitungen auf www.moment-aufnahmen.info

Und hier noch zwei Bilder, deren Geheimnis auf der Treppe und an den Wänden zwischen den Bildern gelöst wird: