(08.11.2014) Die erste Woche ist geschafft und die NaNo-Statistik sagt mir, wenn ich das bisherige Tagespensum einhalte, werde ich am 26.11. die 50.000er-Marke erreicht haben. Zur Erinnerung: Der NaNo, also der National Novel Writing Month, ist eine Art Schreibmarathon, an dem weltweit Hunderttausende teilnehmen. Ich habe mich unter dem Motto „Dabei sein ist alles“ angemeldet, aber schon nach den ersten Tagen gemerkt, dass ich in einen Sog gerate, wenn ich die Statistiken sehe und mich gerne selbst übertrumpfen und das Ziel, 50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben, auf jeden Fall schaffen möchte.

Doch das nur als Einleitung, berichten wollte ich vom Schreiben an sich, weil es bereits in der ersten Woche Dinge gab, die Einblick in meinen Schreiballtag geben, wie ich auf meine Ideen komme und was zu Verzögerungen führt, wo ich mich manchmal an Nebensächlichkeiten festbeiße.

Natürlich schreibe ich nun nicht, wie meine Protagonistin Juliane es schafft, die Trauer über ihren verstorbenen Sohn und den daraus resultierenden Absturz aus ihrem bisherigen Leben in den Griff zu bekommen, aber eine Begebenheit verrate ich. Unter anderem wird sie in der Geschichte Zeugin eines Verkehrsunfalls, den ich in meinem Ursprungskonzept nicht vorgesehen hatte. Er fügte sich aber so stimmig in die Geschichte ein, als wäre er an dieser Stelle nötig.

Die Idee zu diesem Erlebnis hatte ich, als ich am vierten NaNo-Tag morgens von meinem Lern-Schreibtisch zum NaNo-Schreibtisch ging und einem Rettungswagen in der Fußgängerzone Platz machen musste. Als ich weiterging, sah ich, dass ein PKW – in der Fußgängerzone! – vor einem Baum stand und die Metallbank, die sich dort befand, schief und krumm vor seinem Kühler hing. Rettungssanitäter und Notarzt waren mit der Erstversorgung eines Menschen beschäftigt und ich war geschockt, dass es einem in der Fußgängerzone passieren konnte, so schwer angefahren zu werden. Das musste ich irgendwie verarbeiten. Bei Facebook posten wollte ich es nicht, weil ich die Sensationsgier dort nicht mag. Da passte es gut, dass ich gerade an dem Roman arbeitete und – siehe oben – der Unfall fügte sich nahtlos in die Story ein.

Während ich schrieb, fiel mir plötzlich ein, dass ich doch meine Protagonistin Delfine falten lassen wollte. Da ich nicht ganz sicher war, ob das in der Umgebung, in der sie sich aufhält, überhaupt möglich ist, musste ich das natürlich ausprobieren. Ich sag’s mal so: Meine Ergebnisse waren nicht so, dass ich sie fotografieren wollte, aber ich kann Juliane in dem Roman ein wenig üben lassen, wozu mir gerade die Zeit fehlt, dann wird das schon. Der gefaltete Delfin kommt also in die Geschichte. Und ich suche die fünfte Faltanleitung im Internet und probiere es doch immer wieder, was sich ein wenig auf meine Statistik auswirkt.

Trotz dieser Erfahrungen schwanke ich gerade, ob ich weitermache – in einem Newsletter vom NaNo werde ich aufgefordert „It’s time to double up your commitment“, dabei weiß ich jetzt schon, dass ich es halbieren muss. Schließlich wartet ein Buch über Hagen darauf, vorbereitet und geschrieben zu werden, und dann kam doch noch, womit ich so spät im Jahr nicht gerechnet hatte, ein Auftrag für ein Studienheft, der möglichst bis Mitte Dezember erledigt sein soll. Wie gut, dass ich nur aus Spaß teilnehme und nicht, um den Marathon zu gewinnen. Ich finde, dabei sein ist alles und Scheitern gehört zum Leben. Mal sehen, wie es bei mir ausgeht. © Birgit Ebbert