(04.04.2019) Vor einigen Jahren habe ich schon darüber berichtet, dass ich die Briefe der Schauspielerin Herti Kirchner abgetippt und zum Teil aus Sütterlin übertragen habe. Nun habe ich endlich eine Idee, wie ich ihr Leben und das, was ich aus dem Alltag in der Filmbranche der 30er-Jahre in einem Roman verarbeiten kann. Das bedeutet, dass ich Fakten recherchiere und das ist eine Detektivarbeit, wie das Beispiel ihrer Rolle im „Mustergatten“ gut zeigt.

„Der Mustergatte“

Der „Mustergatte“ war eine der Paraderollen von Heinz Rühmann in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht nur, dass er die Hauptrolle in dem 1937 erschienen Film spielt, er hat die Rolle auch viele Male auf der Bühne verkörpert, in einer Biografie ist von 2.000-mal die Rede. In der Zeit, in der Herti ihn kennenlernte, war er auch Organisator der Tournee, die durch ganz Deutschland führte und teils über die Grenzen hinaus.

Herti und der Mustergatte

In Briefen im September 1934 schreibt Herti davon, dass sie auf einer Tournee ist, die Veranstaltungen immer gut besucht ist und die Stimmung positiv. Sie berichtet, dass es zwei Cliquen im Team gibt und den Star. „Und wie gut ich mit dem bin, besagt die Tatsache, dass ich jetzt im ‚Mustergatten‘ seine Partnerin studiere, um sie in Süddeutschland dann zu spielen.“ Damit ist schon mal klar, sie ist mit dem Mustergatten auf Tournee, Heinz Rühmann hatte sie schon vorher mal erwähnt. Aber ich wollte wissen, welche Rolle sie gespielt hat. Ich bin inzwischen wirklich fit darin, in den entlegendsten Archiven zu wühlen, aber dazu fand ich nichts. Dann las ich den Cast für den Film „Der Mustergatte“ und fand einen Namen, den ich im Brief nur beiläufig gelesen hatte: Porembsky. Alexa von Porembsky, um genau zu sein. Herti beklagt, „dass ihr im Norden wohnt, wo die Porembsky spielt.“ Daraus lässt sich schließen, dass das Personal auf der Tour gewechselt wird, was vorher oder nachher in einem Brief auch erzählt wird. Sprich: Herti spielt im Süden die Rolle, die die Porembsky im Norden spiel. Im Film spielt Alexa von Porembsky die Zofe und da der Film ganz eng am Stück angelehnt ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie auch auf der Bühne die Zofe gegeben hat und Herti folglich auch. Ob das jemals in meinem Buch vorkommt, weiß ich nicht, aber ich wollte es wissen. So wie im Brandbücher-Roman niemals erwähnt wird, dass der Mercedes per Kurbel gestartet wird, aber ich musste es wissen und habe mich damals bei Daimler durchgefragt 🙂

Übrigens hat Herti schon im November 1934 im Albert-Theater in Dresden in der zweiten Hauptrolle als Partnerin von Heinz Rühmann auf der Bühne gestanden 🙂

Ein kleiner Zufall am Rande

Und weil ich es liebe, wenn Recherchen und Leben ineinandergreifen, noch eine kleine Momentaufnahme. Ich habe gerade die Wikipedia-Information über „Der Mustergatte“ komplett gelesen, da tauchte der Name Werner Fuetterer auf, den hatte ich zuvor in den Herti-Briefen gelesen. Aber das ist nicht das, worüber ich geschmunzelt habe. Werner Fuetterer ist nach dem Fim „Der Mustergatte“ in die USA emigriert, wo er unter dem Pseudonym Werner Bateman auftrat und in einem Broadway-Stück mit großem Erfolg am Broadway den deutschen Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha spielte. Schon hatte ich wieder Gotha im Kopf 🙂 Nächste Woche werde ich wieder dort sein sein, bis dahin soll zumindest das Exposé und der Anfang der Herti-Geschichte fertig sein, also bin ich mal weg 🙂 © Birgit Ebbert