(09.06.2019) Gestern habe ich nun endlich meinen ersten Ausflug in die Region um Gotha unternommen. Ich wollte mir in Erfurt die Ausstellung „Bauhaus-Frauen“ ansehen und auch gleich gucken, ob ich noch Spuren von der Sightseeing-Tour finde, die ein Taxifahrer vor knapp 30 Jahren mit mir unternommen hat. Und nachdem mein Karsamstagsbesuch aus Erfurt mit der Bahn angereist ist, entschied ich mich, auch auf die Bahn zu setzen.

Mancher Anfang ist abenteuerlich 🙂

Kunsthalle Erfurt

Ich weiß, für euch alle ist Bahnfahren im Nahverkehr wahrscheinlich selbstverständlich. Aber ich fahre sonst längere Strecken mit der Bahn und habe dann ein Ticket vorab gelöst. Nun stand ich also in Gotha auf dem Bahnhof. Zum Glück funktionierte der Ticket-Automat, wenn man davon absieht, dass er meinen 10-Euro-Schein erst mal wieder ausspuckte. Und auf dem Display war idiotensicher „Gotha“ als Abfahrtort eingestellt. Das ist vermutlich überall so, aber ich habe das noch nicht erlebt, mein letzter Versuch, eine Karte am Automaten zu kaufen, scheiterte in Köln nach einer Didacta-Messe. Ich spazierte also stolz mit meinem Fahrschein auf den Bahnsteig und erinnerte mich finster, dass ich das Teil noch entwerten sollte. Von einem entsprechenden Gerät war allerdings nichts zu sehen – weil eine Gruppe Teenager ihn umringte und verdeckte. Aber sie räumten rechtzeitig vor Einfahrt des Zuges den Platz, sodass ich mit gültiger Fahrkarte in den zwei Minuten verspäteten Zug einsteigen konnte. Die Ansage und Anzeige der Haltestellen war optimal, sodass ich entspannt in Erfurt ausstieg und mich ins Getümmel stürzte. Doch, da war wirklich mehr los als in Gotha, mir war das fast schon zu voll. Sehr hilfreich waren die Schilder zu den Sehenswürdigkeiten und noch hilfreicher war, dass die Straßenbahnschienen vom Bahnhof zum Domplatz führten. Für den Rückweg musste ich also nur die Straßenbahnschienen finden und ihnen nachgehen 🙂

Eine Zeitreise

Als erstes habe ich mich von den Straßenbahnschienen zum Dom leiten lassen. Dort war Markt und der Domplatz stand voller Stände. Ich hatte ihn völlig anders in Erinnerung, vor allem nicht so, dass der Dom ca. 30 Treppenstufen über der Stadt thronte. Ich habe gerade nachgesehen, ich war am 8. September 1993 in Erfurt, kurz nachdem ich Geschäftsführerin der Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg geworden war. Ich erinnere mich nicht, wo wir damals tagten, aber der Name „Anger“ kam mir bekannt vor, möglicherweise habe ich dort in der Nähe übernachtet oder wir haben in der Nähe getagt. Ich weiß noch, dass uns der Geschäftsführer der thüringischen Aktion Jugendschutz durch die Stadt führte. Was wir gesehen haben, weiß ich nicht mehr, aber ich höre noch den Taxifahrer, der mich bis vor den Dom fuhr, um mir zu zeigen, wo die Friedensgebete stattgefunden haben und der mich auf dem Weg dorthin auf das Stasi-Gebäude hinwies. Dass beide so dicht beieinander standen, hätte ich nicht gedacht. Als ich am Domplatz mehrfach die Straße an einer Ampel überquerte, fielen mir die verschiedenen Ampelmännchen auf. Ich gebe zu, ich mag das „Ost-Ampelmännchen“ lieber, wenn ich in Gotha an einer Ampel stehe, freue ich mich jedes Mal darüber.

Bauhaus-Frauen in der Kunsthalle Erfurt

„Volksboutique Home Office Production Trunk“ von Christine Hill
Papierschnittobjekte von Christiane Haase

Aber eigentlich war ich ja nach Erfurt gefahren, um die Ausstellung „Bauhaus-Frauen“ in der Kunsthalle anzusehen, die noch bis zum 14. Juli läuft. Die Werke in der Ausstellung waren interessant und vielfältig, das ist keine Frage. Besonders gefallen haben mir – man ahnt es schon – die Papierarbeiten von Christiane Haase und Ricarda Löser, aber auch der Koffer namens „Volksboutique Home Office Production Trunk“ von Christine Hill hat mich länger beschäftigt. Vielleicht auch deshalb, weil ich mir kürzlich gewünscht habe, just einen solchen Koffer zu besitzen 🙂 Die Ausstellung zeigt Werke heutiger Lehrerinnen und Absolventinnen der Bauhaus-Universität Weimar. Und das ist es, was mich enttäuscht hat. Nach Titel und Untertitel der Ausstellung „Bauhaus Frauen. Lehrerinnen und Absolventinnen der Bauhaus-Universität Weimar“ hatte ich erwartet, hier eine Ausstellung vorzufinden, die die Frauen vom historischen Bauhaus würdigt. Das hat mich zum einen interessiert, weil ich eine Dokumentation und den Film zu dem Thema gesehen habe, aber auch, weil ich hoffte, die eine oder andere Frau zu entdecken, die ich in meinen Roman über die Schauspielerin Herti Kirchner und das kulturelle Leben in den 30er Jahren schmuggeln kann. Deshalb bin ich doch ein wenig enttäuscht aus der Ausstellung gegangen.

Ausschnitt aus „Yellow & Blue & Red“ von Naomi Tereza Salmon

Im Zusammenhang mit Bauhaus fand ich die Auswahl der Kunstwerke etwas willkürlich, manche griffen Elemente vom historischen Bauhaus auf, da hat mir die Bilderserie „Yellow & Blue & Red“ von Naomi Tereza Salmon am Anfang der Ausstellung sehr gut gefallen. Bei vielen Werken entdeckte ich keinen Bezug zum Bauhaus, außer dass die Künstlerin dort arbeitete und/oder studierte und das war mir zu wenig. Aber vielleicht geht es ja auch vielen so, gerade hier in der Region, wo das Bauhaus täglich präsent ist, wie Naomi Tereza Salmon mit ihrem Bild „Ich kann kein Bauhaus mehr sehen“ anmerkt, dass genug vom historischen Bauhaus haben, die finden hier eine interessante Mischung unterschiedliche Stile, Techniken und Ideen. Ich bin trotzdem für meinen Roman fündig geworden, in einer Buchhandlung, in der ich ein Buch über das Bauhaus fand, in dem endlich auch ein Kapitel dem Bauhaus in Berlin gewidmet war. Mal sehen, was meine Protagonisten daraus machen werden 🙂 Da passt es gut, dass es in meinem Roman mit dem Jahr 1933 weitergeht. 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Ausstellung: www.kunstmuseen.erfurt.de

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