(06.02.2014) Ab heute Abend zeigt das Osthausmuseum wieder einmal, dass Emil Nolde Recht hatte, als Osthaus und Hagen als „Himmelszeichen im Westen Deutschlands“ für die Kunst bezeichnete und hier in der Stadt und der Region viele talentierte Künstler gibt. Die Mitglieder der Künstlervereinigung „Hagenring“ zeigen eine beeindruckende Auswahl ihrer Werke – anlässlich des 90-jährigen Bestehens ihres Vereins findet die Werkschau nicht in der Hagenring-Galerie statt, sondern im Osthausmuseum.

Wann genau der Hagenring 1924 gegründet wurde, ist nicht bekannt. Noch nicht. Wer weiß, ob in den Briefen der Gründer nicht irgendwann Hinweise auftauchen. August Müller-Lamberti, ein Gründungsmitglied, das einige der heutigen Mitglieder noch persönlich gekannt haben, hat sich zwar gerne daran erinnert, dass die Gründung feuchtfröhlich und mit einem Streifzug durch die Stadt endete. An welchem Tag das jedoch war, konnte er nicht mehr sagen. Als erste Dokumente der Gruppe, die in der Ausstellung zu sehen sind, gelten ein Katalog von einer Ausstellung aus dem Jahr 1925 und eine Petition des Vereins an Oberbürgermeister Cuno aus dem Jahr 1926, in der die Künstler einen Neubau des Museums forderten. Wie es zu der Gründung des Hagenrings kam, ist eine Geschichte für sich, die eng verknüpft ist mit dem Wirken und dem Tod von Karl Ernst Osthaus. Diese hier zu erzählen, würde weder dem Geist von Osthaus noch der Ausstellung gerecht. Wie auch die Geschichte der rund 200 bisherigen Mitglieder des Hagenrings, von denen der eine oder die andere auch heute noch bekannt ist.

Die Ausstellung zeigt die breite Werkpalette der Hagenring-Mitglieder – von Skulpturen aus verschiedenen Materialien bis zur Fotografie, vom großen Gemälde bis zu Collagen ist alles vertreten und noch viel mehr. Die Werke wurden von den Künstlern selbst ausgewählt, Ausstellungsleiter Uwe Will hat erst beim Aufbau erfahren, was er unterbringen und zu einer schlüssigen Präsentation verknüpfen muss. Keine leichte Aufgabe, vor die ihn seine 30 Kolleginnen und Kollegen gestellt haben.

Er hat sie gemeistert, das fällt schon auf, wenn man den ersten Raum in Schwarz und Weiß betritt, empfangen von den Schwarz-weiß-Bildern auf der schwarzen Wand von Marlies Blauth, den Exponaten von Verena Baltes und den hellen Collagen von Christine Laprell. Nach dieser Einstimmung geht es weiter in den großen Raum mit Bildern, die einem förmlich zurufen: „Schau mich an.“

Skulpturen von Gabriele Nimmermann

Einige der Bilder dort stammen von Bernhard van der Minde, der auf die längste Mitgliedschaft zurückblicken kann. Seit 1958 gehört er der Vereinigung an, damit hat er die Geschicke des Vereins über die Hälfte der 90 Jahre begleitet. Die Kunstwerke an den Wänden, neben denen von Bernhard van der Minde zum Beispiel die „Rostbilder“ von Bernhard Paura, bilden eine harmonische Einheit mit den Skulpturen im Raum wie denen von Johannes Dröge. Wer sich von dem Raum trennen kann, wird sogleich von Skulpturen ganz anderer Art gefangen genommen, die Gabriele Nimmermann aus Schrott entwickelt. Spätestens an der Stelle wusste ich nicht mehr, was nun mein Lieblingskunstwerke waren. Dabei hatte ich noch immer nicht alles gesehen. Schließlich warteten noch die Fotografien von Peter Klein und Siegfried Rubbert, die Fliegerbilder von Karl-Georg Krafft, die Bilder und Skulpturen von Karl-Friedrich Fritzsche und und und …

Ich weiß, ich habe nicht alle Künstler erwähnt, weil mein Schreibtisch wartete und ich nicht alle Kunstwerke anschauen konnte. Das werde ich heute bei der Eröffnung nachholen und sicher in den nächsten Monaten. Die Ausstellung ist bis zum 4. Mai zu sehen. Bis dahin muss mein Manuskript abgegeben sein und ich kann mich entspannt den Werken und Künstlern widmen. Der wunderbare Katalog ist dafür eine gute Vorbereitung und Hilfe, jeder Künstler wird mit seiner Vita und einem Zitat zum Kern des Werkes vorgestellt. Vor allem aber finden sich dort die Kontaktdaten samt Internetseite, sodass man auf der Couch gemütlich recherchieren kann, um den Ausstellungsbesuch vor- oder nachzubereiten. Wer lieber Menschen frag statt Suchmaschinen, sollte an einer der Künstlerführungen teilnehmen:

16. Februar 11.15 Uhr mit Verena Baltes, Christine Laprell, Traute Kessler und Uwe Will

16. März 11.15 Uhr mit Verena Baltes, Marlies Blauth, Christine Laprell und Traute Kessler

13. April 11.15 Uhr mit Ute Hölscher, Traute Kessler und Bernhard Paura

Aber auch an den anderen Tagen lohnt sich ein Besuch der Ausstellung, gerade wegen der Vielfalt der Kunstwerke, die für jeden Geschmack und jedes Interesse etwas bietet.

Ausstellungseröffnung: 6. Februar 19.00 Uhr Osthausmuseum

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de