Das Foto ist nicht von Willi Lehmacher, sondern von mir – aber das Motiv findet sich in der Ausstellung

(05.10.2013) Am Abend des 1. Oktober 1943 gab es einen Bombenangriff auf Hagen, bei dem 260 Menschen starben und ein Großteil der Innenstadt zerstört wurde. In der Monate zuvor tobenden Ruhrschlacht war Hagen weitgehend verschont geblieben, doch an dem Abend flogen über 200 britische Militärflugzeuge über die Stadt und warfen Tausende Phosphorbomben ab, die Häuser zerstörten und in Brand setzten.

Am Morgen des 2. Oktober machte sich Willi Lehmacher, ein Hagener Selfmade-Fotograf, der 1937 eine Fotoagentur gegründet hatte und u. a. Tageszeitungen mit Bildern belieferte. Das klingt für uns heute selbstverständlich, in den 30er und 40er Jahren war es das keineswegs. Die Zeitungen enthielten vor allem Berichte und begannen erst langsam, auch Bilder einzubinden. Ehe er sich selbstständig machte, war Lehmacher, der das Albrecht-Dürer-Gymnasium besucht hatte, Korrespondent für verschiedene Tageszeitungen. Die Fotografie begleitete ihn sein Leben lang. rund eine halbe Million Fotos, die er gemacht hat, lagern als Abzüge, Negative oder Positive im Stadtarchiv. Einige davon hat Ausstellungsmacher Dr. Ralf Blank für die Ausstellung „Die zerstörte Stadt“, noch bis Anfang Januar 2014 im „Hagener Fenster“ des Osthausmuseums zu sehen ist ausgewählt. Einige der Bilder, die Willi Lehmacher am 2. Oktober fotografiert hat.

Leider, das muss ich anmerken, sind es wenige Bilder. Man hätte sich mehr gewünscht, vor allem auch Blicke auf weitere Ausschnitte Hagens. Ist es doch interessant zu sehen, wie Hagen einmal aussah. Bis zum ersten Weltkrieg war es schließlich eine florierende Metropole. Auch wenn die meisten Häuser auf den Bildern zustört sind, sieht man ihnen doch noch ihre Pracht an. Mich hat besonders beeindruckt, dass die Erkerfenster des Rathausturms, auf die ich – auch jetzt gerade – beim Schreiben täglich schaue, wirklich noch aus der Entstehungszeit Anfang des letzten Jahrhunderts stammen und sowohl den Angriff vom 1. Oktober als auch die späteren überstanden haben.

Unabhängig von den Spuren der Geschichte in unsere Zeit zeigen die Bilder und auch die anderen Exponate, was Krieg bedeutet und welche Folgen er hat. Die Ausstellung darf daher auch als Mahnung verstanden werden, sich für den Frieden zu engagieren und jeder sein Scherflein dazu beizutragen, dass der Krieg von der Erde verschwindet. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zu den Öffnungszeiten www.osthausmuseum.de
Information über die Hintergründe der Ausstellung im Wochenkurier vom 25.09.2013
Bericht im Wochenkurier zur Ausstellungseröffnung vom 03.10.2013