(07.03.2019) Noch bis zum 14. März ist die Wanderausstellung „Nichts war vergeblich“ über Frauen im Widerstand im Hagener Kultopia zu sehen. Diese Gelegenheit solltet ihr nutzen, wenn ihr die gestrige Ausstellungseröffnung verpasst habt. Infotafeln und Exponate bringen einem Frauen nahe, die während der Zeit des Nationalsozialismus Widerstand gegen das Regime geleistet haben.

Widerstand ist Widerstehen

Es gibt immer wieder Menschen, die finden, man solle die NS-Zeit endlich abhaken und nach vorne blicken. Natürlich sollte man nach vorne blicken, aber die Geschichte einer Nation ist wie die Herkunft eines Menschen, sie prägt einen, ob man will oder nicht, und je mehr man darüber weiß, umso besser kann man sich einordnen. Bei dieser Erinnerung an die NS-Herrschaft hilft diese Ausstellung, eben weil sie keine Täter in den Mittelpunkt stellt, die Menschen verfolgt und ermordet haben, sondern Frauen, die sich gewehrt haben – wohl wissend, dass sie das ihre Freiheit oder ihr Leben kosten kann. Widerstand ist hier weit gefasst, auch kleine Widersetzungen, die uns heute so harmlos erscheinen, werden thematisiert. In der Einführung berichtete Grudrun Schmidt vom Studienkreis Deutscher Widerstand von der 19-jährigen Hausangestellten Ilse Mitze in Hagen, die als „Volksschädling“ verurteilt und enthauptet wurde, weil sie nach einem Bombenangriff aus den Trümmern Wäschestücke herausgeholt hatte! Wenn schon für solche „Vergehen“ die Todesstrafe verhängt wurde, kann man sich vorstellen, was die Frauen erwartete, die Flugblätter druckten und verteilten, Widerstandsgruppen organisierten oder Juden versteckten bzw. über die Grenze in Sicherheit brachten. Aber auch die Treue zu einem jüdischen oder anderen nicht-arischen Ehemann war eine Form von Widerstand, war dies doch verboten und wurde mit Fortschreiten der NS-Herrschaft immer härter bestraft.

Frauen im Widerstand

In der Ausstellung und im dazugehörigen Katalog werden beispielhaft 18 Frauen vorgestellt, die auf unterschiedliche Weise Widerstand geleistet haben. Zwölf von ihnen haben überlebt, wenn auch teilweise in langer Haft im Lager, sechs sind in einem Konzentrationslager oder an den Folgen der Haft verstorben. Welchen Widerstandwillen diese Frauen teilweise hatten, zeigen die Exponate, die zusätzlich zu den Infotafeln zu sehen sind. Da sind winzige Spielzeuge, die Frauen aus Kunststoff heimlich angefertigt haben, eine Handtasche, die in einem Lager gefertigt wurde, Bilder, Gedichte und andere Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, den Frauen in den Lagern aber verboten waren.
Für diejenigen, die es nicht schaffen, in die Ausstellung zu gehen, diese Frauen werden dort vorgestellt, an ihren Aktionen zeigt sich, wie vielfältig die Frauen sich der NS-Ideologie widersetzt haben.

  • Cato Bontjes van Beek, geboren 1920, hingerichtet 1943, die die Widerstandsgruppe „Die Rote Kapelle“ unterstützte
  • Erna Brehm, die 1951 an mit 27 Jahren an den Folgen der Haft starb, die verhängt wurde, weil sie einen Polen liebte
  • Lisa Fittko, 1909 geboren, die vielen Menschen half, über die Berge nach Spanien zu fliehen
  • Lina Haag, die es wagte, gegen die Verhaftung ihres Mannes, einem Landtagsabgeordneten der Kommunistischen Partei, zu kämpfen
  • Ilse Heinrich, die es nicht akzeptieren will, dass sie bei einem Bauern arbeiten soll statt eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester zu machen, deshalb von zu Hause wegläuft und als „Asoziale“ ins Konzentrationslager Ravensbrück kommt
  • Charlotte Israel war eine von 200 Frauen, die vor dem Gefängnis in der Rosenstraße in Berlin gegen die Verhaftung ihrer jüdischen Männer protestierten
  • Hildegard Jadamowitz, 1916 geboren und 1942 hingerichtet, half politisch Verfolgten mit gefälschen Attesten und Rezepten und war Mitglied der sogenannten Baum-Widerstandsgruppe
  • Amalie Jordt, 1914 geboren und 1942 in der Anstalt Bernburg ermordet, verteilte Flugblätter der Zeugen Jehovas, in der zum Widerstand gegen das NS-Regime aufgefordert wurde
  • Carola Karg schmuggelte Flugblätter durch das Ruhrgebiet, unter anderem nach Hagen, und organisierte in Düsseldorf Widerstandsaktionen
  • Luise Katholy gehört zu einer Gruppe, die mit Flugblättern, Handzetteln und Wandparolen auf das Unrecht des NS-Regimes hingewiesen haben
  • Lotte Laserstein widersetzte sich mit ihrem emanzipierten Leben den Gedanken der NS-Ideologie, ihr gelingt die Emigration nach Schweden, von wo aus sie das Hilfskomitee der jüdischen Gemeinde zur Rettung jüdischer Kinder unterstützt
  • Erika Mann emigrierte, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, weil klar war, dass ihr Kabarett „Die Pfeffermühle“ in Deutschland keinen Platz hat, sie kämpft mit dem Kabarett aus der Schweiz gegen das Unrecht in Deutschland und wird ausgebürgert
  • Gretel Maraldo war 22 Jahre alt, als sie von den Nationalsozialisten kurz vor der Befreiung des Lagers erschossen wurde, und das, weil sie sich dem NS-Drill mit ihrer Gruppe „Schlangenbande“ widersetzte
  • Änne Meier war Gruppenleiterin in der katholischen Jugendarbeit, dort verbreitete sie unter anderem die Briefe und Predigten des Münsteraner Bischofs Graf van Galen gegen die Nationalsozialisten sowie Berichte über die wahren Vorkommnisse an der Ostfront
  • Anna Mettbach kam ins Konzentrationslager Auschwitz, weil sie ihren Wohnort verließ, um einen kranken Onkel zu besuchen, aber Sinti und Roma war es nach der „Erfassung der Zigeuner“ verboten, ihren Wohnort zu verlassen
  • Dr. Elisabeth Schmitz verfasste 1935 eine Denkschrift zur Lage der deutschen Nichtarier und half später untergetauchten Juden und Jüdinnen
  • Gerda Taro wurde von den Nationalsozialisten verhaftet, weil sie Plakate gegen Hitler klebte, es entging einer Haft und floh aus Deutschland, sie wird Fotoreporterin und stirbt 1937 im Spanischen Bürgerkrieg an den Folgen einer Verwundung an der Front
  • Lore Wolf wurde wegen „Vorbereitungs zum Hochverrat“ verurteilt, weil sie Flugblätter tippte und verbreitete

Die Ausstellung im Kultopia geöffnet am 7. und 8. März sowie 11.-13. März 10:00-20:00 Uhr und 14. März 10:00-14:00 Uhr.

Weitere Informationen über die Ausstellung in Hagen unter www.kultopia.de und die Ausstellung allgemein auf www.widerstand-1933-1945.de