(05.01.2014) Kinder und Jugendliche tun sich oft schwer, einen Zugang zum freien Schreiben zu bekommen. Manche können sich kaum von den Bildern, die ihnen aus den Medien im Kopf herumschweben, lösen und eigene Figuren entwickeln. Das „Autobiografische Schreiben“ bietet sich hier als Brücke an. Es bringt zudem den Vorteil mit, dass es zum einen den Einstieg ins Schreiben erleichtert und Schreiberlebnisse schafft, die für weiteres Schreiben motivieren. Zum anderen vermittelt es (nicht nur) Schülerinnen und Schüler, wie bedeutsam Familie, Heimat ud einzelne Ereignisse im Lebenslauf für das Leben sein können. Diese Reflektion geht gerade dort, wo nicht mehr die Zeit ist, in Familien über Aufwachsen früher und heute zu sprechen, verloren.

Lange Rede kurzer Sinn: Mit ihrer Arbeitshilfe „Autobiografisches Schreiben kreativ“ setzt Andrea Behnke genau hier an. Sie gibt Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch interessierten jungen Menschen, Übungen an die Hand, mit denen sie sich dem Schreiben über ihre eigenen Erlebnisse nähern können. Nach einer Einführung in „Grundlagen und Methoden des Schreibens“ geht es direkt an die Arbeit mit einer Reflektion über die Frage „Wer bin ich?“ sowie der Recherche über „Meine Familie und meine Kindheit“ und „Meine Heimat und meine Wurzeln“. In dem Kapitel „Meine Schule und meine Freunde“ wird der Job „Schüler“ schreibend unter die Lupe genommen und schließlich helfen die Übungen und Schreibanregungen in dem Kapitel „Meine Zukunft und meine Berufswünsche“ dabei, sich selbst über Lebensziele, Visionen und Wünsche klar zu werden.

Was in der Aufzählung hier mühselig erscheinen mag, ist keineswegs so. Die Schreibaufgaben stehen für sich und es kann jedes Arbeitsblatt unabhängig von den anderen genutzt werden. Andrea Behnke hat dafür gesorgt, dass die Übungen bis zum Schluss abwechslungsreich und anregend bleiben. Ein wertvolles Unterrichtsmaterial für die Klassen 5 bis 7, auch wenn das Cover leider den Eindruck erweckt, es handele sich um ein Material für Abschlussklassen der Sekundarstufe I. Sicher lassen sich auch dort einige der Kopiervorlagen einsetzen, allerdings richten sich Duktus und Stil der Ansprache eher an die jüngeren Sek I-Schüler.

Ein bisschen beneide ich Andrea Behnke um die Arbeitshilfe, so etwas hätte ich auch gerne geschrieben. Deshalb hat mich besonders interessiert, wie sie auf die Idee kam und woher sie die Ideen für die Übungen hat. Hier meine drei Fragen zum Buch:

1. Wie kamst du auf die Idee für die Arbeitshilfe?
Die Idee hatte ich schon lange in meiner „Ideenkiste“. Ich habe ja über zehn Jahre Schreibwerkstätten geleitet. Und gerade die zum autobiografischen Schreiben fand ich immer sehr schön, denn: Die Menschen schreiben, werden also kreativ – und sie finden, auch wenn sich das vielleicht blöd anhören mag, ein wenig zu sich selbst. Und das Leben ist wirklich eine Fundgrube für Themen, die in literarische Texte fließen können. Zudem habe ich lange autobiografisches Theater gespielt, in einer Playback-Theatergruppe – das Thema (Auto-)Biografie beschäftigt mich in vielerlei Hinsicht beruflich.

2. Wie hast du dir beim Schreiben die Arbeit mit dem Material vorgestellt?
Ich wollte in erster Linie Impulse und Anregungen geben, mit denen frei umgegangen werden kann: in der Schule, aber auch zu Hause. Genau sagen kann ich, wie ich mir die Arbeit mit dem Material nicht vorstelle: Mir würde es nicht gefallen, wenn die Texte, die durch die Übungen entstehen, bewertet werden (im Sinne von Noten). Ich möchte Kreativität wecken und nicht ersticken. Doch die Leserunde, die ich für den Verlag auf Facebook durchgeführt habe, hat mir gezeigt, dass viele Lehrerinnen das Buch genauso einsetzen, wie ich es mir vorstelle: sehr motivierend und so, dass die Lust am Schreiben aufkommt.

3. Woher hast du die unterschiedlichen Ideen für die Schreibanlässe?
Zum einen habe ich einen Fundus an Übungen durch meine Schreibwerkstätten. Auch das biografische Theater hat mir immer wieder Ideen für Schreibübungen gebracht. Zum anderen erfinde ich auch gerne Übungen. Oder wandle solche ab, die ich selbst bei Fortbildungen kennengelernt habe.