Eines der Regale voller Ordner mit Schriftwechsel und Kopien von Originaldokumenten zur Bücherverbrennung

(30.06.2013) Der Alltag einer Autorin besteht nicht nur aus Schreiben. Das wäre schön. Den ganzen Tag schreiben, dazwischen eine Runde spazieren gehen und vielleicht noch hier und da ein Pläuschchen mit Fans oder Kollegen halten.
Mein Alltag sieht zumindest nicht so aus, für alle Bücher recherchiere ich, bis ich das Thema verinnerlicht habe, auch wenn am Schluss vielleicht nur noch ein Satz davon im Buch vorkommt.

Für meinen Roman „Brandbücher“ (Gmeiner 2013) musste ich viel recherchieren, spielen doch zwei Handlungsstränge 1933 in Münster bzw. in einer Kleinstadt im Münsterland. Da waren die Hintergründe für die Bücherverbrennung für mich fast „Peanuts“, weil ich mich mit dem Thema seit fast 15 Jahren intensiv beschäftige und über eine stattlichen Bibliothek und ein Regal voller Ordner mit Quellenmaterial verfüge. Dennoch gab es einige Kleinigkeiten zu überprüfen. Knifflig war aber vor allem das Leben der Menschen zu jener Zeit zu beschreiben.
Da haben mir die alten Postkarten, die ich im Internet fand ebenso geholfen wie die Fotos aus meiner Familie, die Geschichten von Verwandten und Bekannten und die zahlreichen Briefwechsel und Biografien von Menschen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Gelegentlich musste ich per E-Mail Details bestätigen lassen. So brauchte ich zum Beispiel ein Auto, das mit einer Kurbel angelassen wurde. Es sollte ein Mercedes sein, weil ich im Rahmen meines Kindheitstraum-Projektes gelesen hatte, dass Carl Benz den Mercedes als zuverlässiges Auto für Landärzte erfunden hat. Also habe ich die Kommunikationsabteilung von Daimler kontaktiert und einen Tipp bekommen.
Wenn ich auf die Entstehung des Buches zurückblicke, waren es vor allem diese kleinen Erlebnisse, die mir Freude bereitet haben. Die Freundlichkeit der Menschen in Archiven, aber auch die Aha-Momente, wenn ich eine scheinbar unwichtige Information durch geschickte Suche im Internet fand.

Auf die Idee zu diesem Blog-Beitrag hat mich Heike Baller gebracht, eine Kollegin aus dem Netzwerk Texttreff, die übrigens Lesungen zur Bücherverbrennung anbietet. Sie beschäftigt sich nicht nur ebenso wie ich mit der Bücherverbrennung 1933, sie sammelt darüber hinaus Interviews zum Thema „Recherche“ und gerade eben hat sie mein Interview in ihrem Blog auf www.profi-wissen.de veröffentlicht.