(08.09.2015) Derzeit wimmelt es auf den Hagener Bühnen von Puppen – noch bis zum Wochenende ist das Puppentheater Smolensk zu Gast und noch mindestens die ganze Spielzeit erwarten uns im TheaterHagen Princeton und Kate Monster, Rod, Nickie und viele andere Puppen in der „Avenue Q“. Nachdem ich mich bei dem Werkstattgespräch spontan in die Bewohner der Avenue Q verliebt hatte, war ich – wie es sich für einen Fan gehört – am 5. September natürlich bei der Premiere. Vermutlich war das nicht mein letzter Besuch der Aufführung, an der mich vor allem die schauspielerische Leistung begeistert hat. Wie die jungen Darsteller es geschafft haben, ihre eigene Mimik und Körperhaltung mit der ihrer Puppen in Einklang zu bringen, war meisterhaft. Aus meiner Sicht zumindest. Immerhin haben die Schauspieler dazu dann auch noch gesungen und teilweise getanzt, schließlich ist das Stück kein Puppentheater, sondern ein Musical – einfach zauberhaft.

Ihr merkt schon, ich kann mich auch Tage nach dem Erlebnis noch in meiner Begeisterung verlieren. Die zweieinhalb Stunden sind aber auch wirklich wie im Flug vergangen. Meine Begleitung staunte noch vor Beginn der Vorstellung über die Dauer des Stückes und dann war es auf einmal schon vorbei und die Leute standen und jubelten und applaudierten.

Die Bewohner der „Avenue Q“

„Avenue Q“ ist ein Musical, das die Geschichte einiger Bewohner der gleichnamigen Straße erzählt, die alle an einem Scheideweg in ihrem Leben sind – Princeton hat gerade den Collegeabschluss und wartet auf den ersten Job, Kate Monster wünscht sich nichts sehnlicher als einen Mann, Rod kämpft mit seinem Outing als Homosexueller, Brian ist arbeitslos, Agnetha Fältskog versucht ihre Erlebnisse als Sängerin zu konservieren, indem sie am laufenden Band Zitate aus Abba-Texten in ihre Konversationen einstreut und auch die anderen Figuren sind auf der Suche nach ihrem Weg. Wie ja eigentlich jeder sein Leben lang. Deshalb ist das Stück eben nicht reine Unterhaltung mit ein paar Puppen, sondern Anregung zum Nach- und Weiterdenken in heiterer, teils sogar frivoler Atmosphäre.

Aber das Ganze spielt eben in der Welt der Puppen, in denen einige Rollen von Menschen übernommen werden die bezaubernd-witzige Marilyn Bennett als Agnetha, Tilmann Schnieders zeichnet Brian wunderbar als liebenswerten Tolpatsch und Maria Klier sorgt als Christmas Eve mit einem herrlichen japanischen Akzent und witzigen Karate-Einlagen immer wieder für Lacher auch in ernsten Szenen.

Die Menschen hinter dem Musical

Überhaupt gelingt es Regisseur Sascha Wienhausen ständig die Waage zu halten zwischen Slapstick und Tiefgang, zwischen Spannung und Entspannung, sodass man am Ende amüsiert und nachdenklich, mit einem Lächeln im Gesicht und einem Liedchen auf den Lippen das Theater verlässt. Sehr schön war auch das Bühnenbild von Ulrike Reinhard, die es geschafft hat, in der Kulisse noch die Band unter der Leitung von Steffen Müller-Gabriel zu verstecken. Witzig waren auch die Videos von Lieve Vanderschaeve, die nach Sesamstraßenmanier eingeblendet wurden und für manchen Schmunzler im Publikum sorgten.

Vor allem aber ein großes Lob an die Studierenden der Hochschule für Musik in Osnabrück, die wirklich eine tolle Leistung gezeigt haben, Nicolai Schwab schnoddrig-melancholisch als und mit Princeton, Carolina Walker schüchtern und doch selbstbewusst als Kate Monster, Kim-David Hammann zweifelnd als Rod, Michael Thurner mit der großen Klappe und dem großen Herzen als Nicky und die Darsteller der anderen Rollen. Herzlichen Glückwunsch auch der Choreographin Barbara Tartaglia, die genug Ideen hatte, um die Darsteller mit Puppen anmutig über die Bühne huschen zu lassen.

Ein sehenswertes Musical, dem zu wünschen ist, dass es in Hagen lange Zeit gespielt wird – das Original findet auch 12 Jahre nach der Uraufführung am Broadway noch immer seine Zuschauer. Ich schaue mir das Stücka auf jeden Fall noch einmal an. © Birgit Ebbert

Aus der Theaterwerkstatt geplaudert beim Werkstattgespräch

Die weiteren Aufführungstermine sind: 18.09., 27.09., 11.10., 04.11., 18.11., 09.01.2016, 21.01., 05.02., 29.04. und 06.05.2016

Weitere Informationen: www.theaterhagen.de