Bananensprayer(28.09.2016) Kurz habe ich geschwankt, den Beitrag „Alles Banane“ zu betiteln, nachdem Bananensprayer Thomas Baumgärtel beim Pressegespräch gedrocht hat, dem nächsten, der einen Artikel über ihn mit „Alles Banane“ zum Bananenopfer zu machen. Aber dann habe ich mich doch anders entschieden, weil der Titel dem Werk Thomas Baumgärtels, das ab dem 30. September für dreieinhalb Monate zu sehen ist, nicht gerecht wird.

Andererseits begann eben alles mit einer Banane. Auf sehr skurrile Weise. Thomas Baumgärtel hatte es – nach mehreren Anläufen der Kriegsdienstverweigerung – geschafft, Zivildienst in einem Krankenhaus zu absolvieren. Als er eines Tages in ein Krankenzimmer kam fand er den Porzellanjesus vom Kreuz, das obligatorisch in jedem Raum an der Wand hing, in Scherben auf dem Boden. Damit das Kreuz bzw. die beiden Nägel, an denen bis dahin der Leib Christus‘ befestigt war, nicht so bloß da hing, hat er es mit der Schale seiner Frühstücksbanane verschönert.

Vieles wird dann doch Banane

c-birgit-ebbert-img_2856Diese Banane am Kreuz war für Thomas Baumgärtel nicht nur Einstieg in eine inzwischen 30-jährige Beziehung zur Kunst mit der Banane. Sie war ebenso das erstes Werk in einer ganzen Reihe, die Religion, Kirche, Politik und auch Kunst auf den Arm nimmt und dadurch zum Nachdenken anregt. Die so entstandenen Werke sind vielfältig, wo immer seiner Meinung nach eine Banane Aufmerksamkeit erzeugen könnte, versucht er diese zu platzieren. Seine Ideen sind manchmal etwas ausgefallen wie die Banane in den Kölner Dom zu bringen oder auf einen alten Kessel in einer Industriebrache in Dortmund zu sprühen. Man ahnt schon, dass das nicht immer auf Gegenliebe stößt, wundert sich höchstens, dass der Gegenwind manchmal auch aus den eigenen Künstlerreihen kommt.

Als Bananensprayer mit dem System im Clinch

c-birgit-ebbert-img_2847Aber Thomas Baumgärtel schreckt vor Konfrontationen nicht zurück. In den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit, als der „Bananensprayer“ oft noch illegal sprühte, ist er mehrmals verhaftet worden und musste oder durfte sogar das legendäre Münchener Gefängnis Stadelheim von innen erleben. Das hat sich heute geändert, die Ausstellung im Osthausmuseum ist der beste Beweis dafür. Aber auch die riesige Banane, die seit einigen Wochen eine Fassade am Bergischen Ring ziert. Bei der Präsentation posierten die Sponsoren bereitwillig und begeistert vor der Banane, die Ende der 80er-Jahre noch jeder schnell hätte beseitigen lassen. Das zeigt aber auch, dass Kunstwahrnehmung eine Frage der Persönlichkeit und der Zeit ist.

Wie Streetart salonfähig wurde

c-birgit-ebbert-img_2837Einen wesentlichen Anteil daran, dass Thomas Baumgärtel und seine Kunst wie auch die anderer StreetArtists heute als Kunst gewürdigt werden und in Museen Einzug halten, hatte die Ausstellung „Street Art“, die von Mai bis August 2008 in der Tate Modern in London sechs bekannte Straßenkünstler aus Italien, USA; Frankreich, Brasilien und Spanien mit ihren Werken präsentierte. Thomas Baumgärtel war nicht dabei, obwohl er zu jener Zeit bereits in den USA seine Bananen gesprüht hat. Was der Entwicklung seines Bekanntheitsgrades wohl keinen Abbruch getan hat, immerhin ist er heute in 40 Ausstellungen pro Jahr vertreten.

Aber eben nicht alles Banane

c-birgit-ebbert-img_2870Nun habe ich doch nur von der Banane gesprochen, dabei gibt es so tolle andere Werke, die auch irgendwie mit Bananen zu tun haben, aber nicht DIE Banane beinhalten. Zum Beispiel Werkgruppe „Bananenpointillismus“, deren Motive aus vielen gesprühten Bananen bestehen, in der Ausstellung sind Hitler und ein Akt zusehen, zwei Beispiele die die Bandbreite Baumgärtels zeigen. Wie auch die Bananenstiel-Bilder, für die er Tausende von Bananenstielen gemalt hat, die für eine Pixel-Anmutung sorgen. Hier findet sich dann übrigens auch endlich das Obst-Stilleben, das der Professor an der Werkkunstschule in Köln von ihm erwartet hat. Aber mit solchen langweiligen Motiven konnte Thomas Baumgärtel nie etwas anfangen, lieber experimentierte er mit seinem Bananenmotiv und fand darin seinen Weg, die Motive der alten Meister – vom Stilleben über die Landschaft bis zum Akt umzusetzen.

c-birgit-ebbert-img_2841Eine sehr interessante Ausstellung, die ich mir gerne noch einmal in Ruhe anschaue, heute wuselten mir auf der Ebene vor der Douglas-Lounge zu viele Journalisten herum. Was auch wieder gut ist, weil Hagen dadurch wieder mit einer Ausstellung über die Stadt hinaus bekannt wird. Das wäre Hagen, dem Osthausmuseum und Thomas Baumgärtel zu wünschen und vielleicht freunden sich ja auch die Hagener auf diesem Weg mit UrbanArt an und gucken am Wochenende noch im Schlachthof vorbei, wo andere Künstler ihre Kunst im Freien ausüben, so wie Thomas Baumgärtel auch einmal angefangen hat. © Birgit Ebbert

Eröffnung: 29. September 19.00 Uhr
Ausstellung: 30. September 2016 bis 15. Januar 2017

Weitere Informationen über die Ausstellung
Mehr über Thomas Baumgärtel
Über das Urban Heroes Festival mit der Banane mit Thomas Baumgärtel