Bernhard Paura „Dresden 1945“

(19.08.2013) Das Interessante an der Ausstellung der Hagener Künstlerinnen und Künstler ist die Vielfalt der Themen, Stile und Assoziationen. Das Triptychon „Dresden 1945“ hatte ich beim ersten Rundgang wegen des Besucherandrangs bei der Eröffnung nur am Rande wahrgenommen. Aber irgendwie hat es mich die ganze Zeit beschäftigt, weil es mich an etwas erinnert hat.
Ja, mögen besonders Kluge jetzt sagen, an verrostetes Blech, denn Bernhard Paura arbeitet seit 30 Jahren ausschließlich mit rostigen Blechen. Alles begann vor 30 Jahren, als er andere Künstler traf und sie darüber nachdachten, ob und was es in der Kunst noch Neues geben könnte. Jeder wollte etwas Eigenständiges schaffen, ein Material finden, mit dem er etwas ganz Neues schaffen konnte, das  nicht ständig mit vorhandenen Werken verglichen wurde. Bernhard Paura ist beim rostigen Blech gelandet, seither sammelt und hortet er rostiges Blech und mich interessiert sehr, wie es in seinem Atelier aussieht. Ich stelle mir deckenhoche Blechhügel vor. Zwar hilft er gelegentlich ein bisschen nach und legt Blech in den Garten, damit es rostet. Doch das ist eher die Ausnahme, meist nutzt er das vorhandene Material und weiß in der Regel auch genau, was er damit machen wird, wenn es ihm begegnet. Das ist übrigens heute gar nicht mehr so leicht, weil Wertstoffe so sorgfältig getrennt werden und auf Schrottplätzen auch schon mal abhanden kommen, weil sie Geld bringen. Aber wenn ich Bernhard Paura richtig verstanden hat, gibt es noch Vorräte und wir dürfen gespannt sein auf die nächsten Kunstwerke.

Damit bin ich wieder bei „Dresden 1945“ und dem Gedankenpin, den das Bild in meinem Kopf hinterlassen hat. Als ich den Titel hörte, wusste ich es sofort. Erich Kästners Beschreibung vom zerstörten Dresden. (Ich habe über Erich Kästner promoviert und alles von ihm gelesen, muss ich zur Erklärung anfügen.) In seinen Kindheitsmemoiren „Als ich ein kleiner Junge war“ schreibt er, dass Dresden in wenigen Stunden zerstört wurde. „Das geschah am 13. Februar 1945. Achthundert Flugzeuge warfen Spreng- und Brandbomben. Und was übrigblieb, war eine Wüste. Mit ein paar riesigen Trümmern, die aussahen wie gekenterte Ozeandampfer.“ Ich kann nur sagen, schaut euch Bernhard Pauras Kunstwerk an. Da sieht man wirklich die Ozeandampfer. Unglaublich. Und natürlich auch die große Wüste, durch die rostigen Bleche kann man sich sogar noch den Himmel vorstellen, der das Feuer der unzähligen Bomben widerspiegelt.

Einige der 800 Flugzeuge hat Bernhard Paura als Kind gesehen. Nachdem er von Ostpreußen ins Sächsische geflohen war, erlebte er eines Tages – es wird der 13. Februar gewesen sein, wie Kästner schreibt -, wie viele Militärflugzeuge am Himmel entlangzogen. Noch wusste er in dem Moment nicht, dass sie nicht ihn und seinen Fluchtort im Visier hatten, sondern Dresden und dort unvorstellbares Unheil anrichten würden. „Man sagt, die Phosphorbomben hätten ein Feuer mit einer Temperatur von 1.000 Grad erzeugt“, erklärt mir Bernhard Paura am Rande der Ausstellung.

Nicht alle Inspirationen für seine Bilder findet der Künstler in seinen Erinnerungen, die begegnen ihm wenn er Bleche wie das für „Dresden 1945“ findet. Er lässt sich ebenso von der Natur und der Ruhrgebietslandschaft anregen und fertigt auch Serien an – je nach Thema, das ihn beschäftigt. Dabei achtet er auf Kleinigkeiten, zum Beispiel arbeitet er nur mit rostigen Nägeln. Wenn schon, denn schon.

Bernhard Paura lebt seit 1956 in Hagen, ist seit 1960 künstlerisch tätig und ein Schüler von Professor Walter Erben und der Bildhauerin Eva Niestrath-Berger. 1970 hat er die Künstlergruppe „Kunst&Aktion“ mitgegründet und seit 1974 ist er Mitglied im Künstlerbund Hagenring e. V. Dass er bereits zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland hatte, muss ich da nicht extra betonen. Er war auch 2011 bereits mit einem Kunstwerk in der Ausstellung der Hagener Künstler vertreten. © Birgit Ebbert

Außer den öffentlichen Führungen mit Ausstellungskoordinatorin Dr. Christine Kracht am 01.09., 15.09. und 29.09. um 11.15 Uhr, gibt es jeweils donnerstags um 18.00 Uhr eine Führung mit Künstlern, die in der Ausstellung vertreten sind.
22.08. Zsolt S. Deák, Sandra Letzing, Sabine Kedzierski, Uwe Will
29.08. Jutta Tewes, Nuri Irak, Uwe Will
05.09. Arnold Bettges, Sandra Letzing, Nuri Irak, Uwe Will
12.09. Dietmar Schneider, Jutta Tewes, Zsolt S. Deák, Sabine Kedzierski, Uwe Will
19.09. Dietmar Schneider, Uwe Will
26.09. Dietmar Schneider, Jutta Tewes, Nuri Irak, Uwe Will

Am 3.10 findet um 11.15 Uhr eine Lesung mit Musik in der Ausstellung statt.

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