(14.04.2015) Gestern hatte ich ja nun Besuch von einer 14-jährigen Schülerin, die sich schlau machen wollte, wie der Autorenberuf aussieht. Einen Tag lang hat sie mir nun nicht gerade über die Schulter geguckt, sondern mit mir gesprochen und kleine Arbeitsaufträge erledigt, die zu meinem Arbeitsalltag gehören.
Nach einem Einstiegsinterview, das unten zu lesen ist – auch Interviews gehören ja zum Autorendasein – hat sie zunächstein Exposé für eine Geschichte geschrieben, die sie demnächst schreiben wollte. Dazu musste sie sich überlegen, aus welchem Genre die Geschichte stammt, worum es geht und wie die Story aufgebaut ist, sie musste eine Inhaltsangabe samt Auflösung der Handlungsfäden schreiben und die Hauptfiguren kurz charakterisieren. Das hat sich wirklich gut gemeistert und im zweiten Schritt auch einige passende Verlage für ihren Fantasy-Jugendroman im Internet recherchiert.

Passend zum Berufsfeld waren wir mittags im Thalia-Café etwas essen, um uns für das Nachmittagsprogramm zu stärken, da wurde es nämlich ernst. Zuerst habe ich einige Seiten einer ihrer Geschichten lektoriert und mich sehr amüsiert, weil sie an manchen Stellen ähnlich auf ihrer Formulierung beharrt hat wie ich es manchmal tue. Das wahre Leben eben. Wie auch die beiden Aufträge, die sie danach bekam für die Zeit, als ich im Unterricht war. Ich wollte für einen Schreibworkshop in der Stadtbücherei Hagen, der in den Sommerferien stattfinden wird, wissen, welche Mangas es für Kinder und Jugendliche gibt. Da habe ich nun eine stattliche Liste, die ich mir anschauen muss. Und mich hat für ein Kinderbuchprojekt interessiert, welche Musik 10-/11-Jährige hören. Auch diese Aufgabe hat sie sehr gut gemeistert, das weiß ich, weil ich parallel meinen 10-jährigen Schüler gefragt habe, welche Musik er gerne hört. Diesbezüglich bin ich also vorbereitet.

Und hier ist das Interview, das sie mit mir gemacht hat:

  1. Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Bücher?
    Das ist ganz unterschiedlich, weil es abhängig ist, ob es ein Auftrag ist oder eine eigene Idee.
    Ideen kommen manchmal ganz plötzlich, überall, gedachte Dinge kommen mit Realität zusammen. Bei einem Auftrag, der meistens von einem Verlag erteilt wird, recherchiert sie erst, erstellt eine Mindmap und macht sich Notizen.
  2. Wer macht die Cover für die Bücher?
    Der Verlag, je nach Verlag hat ein Autor mehr oder weniger Mitspracherecht. Man kann keine eigenen Entwürfe einreichen, nur Vorstellungen. Das gilt auch für Titel, der Verlag verändert sie oder denkt sie aus.
  3. Wie lange werden die Bücher ungefähr?
    Bei Aufträgen oder Reihen ist das meistens vorgegeben. Bei eigenen Geschichten kann man das vorher nicht sagen.
  4. Sind Ihre Figuren realen Personen nachempfunden oder ausgedacht?
    Sie sind immer ausgedacht, aber beim Schreiben stellt sie sich bestimmte Personen vor. Besonders die Kleidung ist schwierig.
  5. Was passiert nach der Idee?
    Sie sammelt Material im Internet, in Büchern, führt Interviews. Dann schreibt sie drauf los oder erstellt eine Zeitleiste mit Daten und notiert dazu, was passiert. Sie plottet nicht (plotten: ganz genau überlegen, was wann genau passiert), kann sie nicht.
  6. Beweggründe fürs Schreiben
    Kann man nicht sagen. Hat schon immer viel gelesen und dann irgendwann angefangen zu schreiben
  7. Kann man von dem Beruf Autorin leben?
    Ja, aber man braucht Aufträge.
  8. Wie geht man mit Problemen beim Schreiben (Schreibblockaden) um?
    Den Anfang des vorher Geschriebenen in drei Sätzen zusammenfassen und notfalls einfach losschreiben.
  9. Wo recherchiert man am besten?
    Das hängt vom Thema ab, entweder surft sie im Internet oder manchmal macht sie auch Ausflüge an Orte der Handlung.
  10. Wo kann man richtig Schreiben lernen?
    In der Schule natürlich, vor allem, wenn man Lehrer hat, die nicht nur an ihren Unterrichtsstoff denken, sondern einem auch Tipps zum Schreiben geben. In Schreibworkshops oder Online-Schreiblehrgängen.

Und diesen Artikel habe ich ihr noch mitgegeben, den ich vor einiger Zeit zum Thema „Jugendliche Schreibtalente“ geschrieben habe. © Birgit Ebbert