(01.04.2015) Die Ausstellung „Technisches Spielzeug“ im Stadtmuseum Hagen hat mich doch neugierig gemacht und ich wollte mehr über die Geschichte des Spielzeugs wissen, das vor gut 100 Jahren in den Kinderzimmern begüterter Familien zu finden war und heute so manchen Erwachsenen fasziniert. Als ältestes Unternehmen, das Blechspielzeug herstellte, gilt Rock & Garner in Biberach, deren Gründung 1813 gewesen sein soll. Zu jener Zeit wurden die Spielzeuge aus Weißblech noch in kleinen Familienunternehmen von Hand hergestellt, einzeln ausgeschnitten, gelötet und bemalt. Wer sich an die Bastelarbeiten seiner Kindheit erinnert, weiß, wie aufwendig das ist, was sich natürlich im Preis niederschlug.

Das änderte sich ein wenig, als die Fertigung Ende des 19. Jahrhunderts stärker automatisiert wurde. Dank der Aufhebung der Gewerbefreiheit und der Zunftvorschriften sowie der Beendigung der Kleinstaaterei war es leichter möglich, das nötige Material zu beschaffen und mehrere Gewerke in einer kleinen Fabrik zu verknüpfen. Da das Interesse an modernen Spielzeugen stieg, wurden einige neue Unternehmen gegründet oder erweitert, wie die 1859 gegründete Firma Märklin, das 1863 gegründete Unternehmen Bing oder Lehmann 1881, Carette 1886.

Mit der Entwicklung des Lithographiedrucks gab es einen neuen Schub für die Industrie, die Bleche mussten nicht mehr von Hand bemalt werden, sondern wurden bedruckt. Bis zum 1. Weltkrieg war Deutschland durch die zahlreichen kleinen Firmen vor allem in der Region Nürnberg, in Brandenburg an der Havel und Württemberg der größte Exporteur für Blechspielzeuge. Gefertigt wurde alles, was man sich vorstellen konnte: Puppenküchen, Eisenbahnen, Schiffe, Dampfanlagen und natürlich Autos und Motorräder, wobei gerade für die Autos anfangs französische Modelle als Vorbild dienten, weil das Besondere eines Modells eben ist, dass es echte Vorbilder gibt und was reale Automobile anging, war man in Frankreich weiter als in Deutschland.

Damit sich die Autos auch bewegten, ersannen die Hersteller verschiedene Verfahren, neben dem Dampfantrieb wurde in teureren Modellen ein Uhrwerksantrieb eingebaut und in billigere Modelle ein Schwungradantrieb. Den Kindern wird es egal gewesen sein, solange sich die Autochen munter bewegten.

Die beiden Weltkriege führten dazu, dass die Blechspielproduktion in Deutschland zurückging. Zwar gab es in den 20-er Jahren einen kurzen Aufschwung, als  die Militarisierung zunahm und ein Blech-Militärfahrzeug im Kinderzimmer ein Muss war. Die Weltwirtschaftskrise und der 2. Weltkrieg ruinierten jedoch viele Unternehmen und brachten die Produktion schon deshalb zum Erliegen, weil Material, Maschinen und Arbeiter für kriegswichtige Herstellungen eingesetzt wurden, so wurden in der Nürnberger Firma Kellermann, bis dahin führend in der Metall-Verzapfung, statt Blechspielzeug nun Gewehrhülsen gefertigt.

Nach dem 2. Weltkrieg kam die Produktion teilweise wieder in Gang, vor allem in der amerikanischen Besatzungszone, wovon das Siegel „Made in US Zone Germany“ zeugt. Allerdings hielt das Hoch nur bis in die 60er Jahre, als die Lohnkosten stiegen, Plastik sich als Konkurrenz zum Blech etablierte und vielleicht auch Teppichböden in den Wohnungen das Spielen mit den Blechfahrzeugen erschwerte. Die Firma Kellermann, die als eines der führenden Unternehmen galt, wurde 1976 geschlossen. Und auch die restlich verbliebenen wenigen Firmen kämpfen trotz eines vermeintlichen Revivals der Blechspielzeuge ständig ums Überleben, nicht zuletzt, weil asiatische Hersteller durch andere Produktionsbedingungen niedrige Preise aufrufen können, mit denen ein deutsches Unternehmen nicht konkurrieren kann. Und wer weiß, vielleicht werden die letzten noch erhaltenen Blechspielzeuge irgendwann aus unserer Region weggekauft, weil man in anderen Ländern bereit ist, einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Also sollte man sich die Zeugen der Geschichte anschauen, so lange es noch geht, zum Beispiel bis zum 4.Oktober im Stadtmuseum Hagen. © Birgit Ebbert

Über die Ausstellung im Stadtmuseum Hagen
Eine kleine Geschichte des Blechspielzeugs
Blechspielzeug bei Kunst & Krempel
Zur vergangenen Ausstellung „Alles Blech“ in Kommern