(16.01.2014) Eigentlich wollte ich gestern noch einmal in den Sauerlandpark und den restlichen Lichtgarten anschauen. Aber das Wetter lud nicht wirklich zu einer Wanderung mit Stativ bis zum Jülbergturm ein. Da ich aber schon in Hemer war, habe ich die Gelegenheit genutzt, einer Frage nachzugehen, die mich jahrelang beschäftigt hat, als ich von Menden nach Hagen fuhr. Wenn ich im Winter an der Ampel stand, fiel mir ein Gebäude auf der rechten Seite auf, das heimelig angestrahlt war. Ich habe mir immer vorgenommen, einmal abzubiegen und herauszufinden, um welches Gebäude es sich handelt. 2014 scheint nicht nur das Jahr der neuen Wörter, sondern auch das Jahr der erledigten Vorhaben zu sein. Gestern bin ich nämlich abgebogen und weiß nun, dass es sich bei dem Gebäude um „Haus Hemer“ handelt, in dem sich ein Kindergarten, Räume der Kirchengemeinde und das Dekanatsbüro befindet.

Natürlich musste ich mit der Kamera auf dem Gelände herumstreunen, wie könnte es anders sein. Am meisten beeindruckt hat mich neben den alten Türen und Fenstern vor allem der herrschaftliche Innenbereich. Ich konnte mir gut vorstellen, wie hier früher die Kutschen vorfuhren und die weltlichen und kirchlichen Herrschaften aussteigen ließen. Auch wenn der Hof erstmals 1072 als Besitz des Erzbistums Köln erwähnt wurde, werden es doch eher weltliche Herrschaften gewesen sein. Die Spuren des Anwesens verlieren sich nämlich mehrere Jahrhunderte. 1452 tauchte es in Urkunden wieder auf als Rittergut des Herzogtums Kleve-Mark. 1614 bekam das Gut seine heutige Form, als der damalige Besitzer, der Drost von Altena und Iserlohn, es umbauen ließ. 1812 kaufte Carl Heinrich Löbbecke das Anwesen, seinen Namen findet man noch heute über dem Portal des Herrenhauses. bis 1957 war das Gut in dieser Familie, seitdem gehört es der Kirchengemeinde St. Peter und Paul, die es zunächst als Kinderheim und heute als Kindergarten und Gemeindezentrum nutzt.

Versäumt habe ich übrigens die Kirche genauer zu betrachten, dabei ist sie fast so alt wie das Anwesen, aus dem Jahr 1700, und wurde 1982 unter Denkmalschutz gestellt. Fast so alt, nur zwei Jahre jünger, ist die Orgel in der Kirche. Unvorstellbar: über 300 Jahre alt und noch immer in Betrieb. Wenn man sich vorstellt, dass der Bau von dem Orgelbauer Andreas Schweimb begonnen wurde und so lange dauerte, dass er zwischenzeitlich verstarb und sein Geselle die Orgel fertigstellen musste! Ja, davon habe ich nun leider kein Bild. Schon steht ein neues Ziel auf meiner To-Visit-Liste. © Birgit Ebbert

Artikel über die Geschichte von Haus Hemer