(30.05.2015) Ja, ich war gestern Abend schon wieder im Theater an der Volme, da ist es einfach gemütlich und Dario Weberg und Indra Janorschke haben tolle Ideen für entspannende Abende. Obwohl – gestern sah es anfangs nicht nach Entspannung aus, weil sich bei Boeing-Boeing schon bald zeigte, dass es spannend werden würde, wie Innenarchitekt Bernard es schaffen würde, seine drei Freundinnen unter einen Hut zu bringen. In seiner Wohnung und ohne Handy, E-Mail und andere nützliche Kommunikationsmittel. Wir befanden uns in Frankfurt Ende der 50er Jahre, als man sich noch verlobte und Hausmädchen in Junggesellenhaushalten keine Seltenheit waren.

Lars Lienen & Carola Schmidt

Bernard, eben jener Junggeselle, von Lars Lienen überzeugend gemimt, führt ein „polygames Leben“, wie er seinem Freund Robert aus Breckerfeld, den Simon Jakobi wieder einmal herrlich skurril darstellt, erklärt. Gleich drei Freundinnen managt Bernard oder „drei Schiffe in einem Hafen“, seine Wohnung nämlich, legt er dem erstaunten Robert dar, der sich doch eher nach einem Hafen der Liebe sehnt. Das Geheimnis des Erfolgs ist ein ausgeklügelter Stundenplan auf der Grundlage der Flugpläne seiner Liebsten, die allesamt Stewardessen sind – bei verschiedenen Fluglinien natürlich, was ihm mehr Spielraum bei der Planung gibt.

Lars Lienen, Sarah Pennisi & Simon Jakobi

Ob das auf Dauer gut geht, fragen sich Robert und das Publikum. Natürlich nicht, wozu sollte man die Geschichte Boeing-Boeing sonst auf die Bühne bringen. Ein amüsantes Wechselspiel zwischen den Damen beginnt, das Bernard an den Rand des Wahnsinns treibt und ganz neue Seiten des stillen Robert aus Breckerfeld zum Vorschein bringt. Selbst das ach so anständige Hausmädchen Bertha, überaus witzig präsentiert von Anne Fülling, zeigt, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat.

Die drei sorgen dafür, dass die drei Freundinnen sich nicht in die Quere kommen. Da ist amerikanische Stewardess Janet, von Carola Schmidt so gut gespielt, dass man sich die Ohren reibt, wenn man weiß, dass sie gar nicht aus Amerika, sondern von nebenan aus Hagen stammt. Die Französin Jaqueline wird von Sarah Pennisi herrlich französisch dargestellt, man kann sich vorstellen, wie sie in Paris im Café sitzt und davon träumt, wie Bernard sich vor Sehnsucht nach ihr verzehrt. Ähnliche Träume hat auch Judith von der Schweizer Airline, der Alexandra Böhm mit ihrer Darbietung ein unverwechselbares Gesicht gibt.

Alexandra Böhm & Anne Fülling

Das Ende von Boeing-Boeing verrate ich natürlich nicht, weil es einen besonderen Charme hat, Marc Camelotti, der Schweizer Autor, der zum Theater kam, nachdem er in der Kunst gescheitert war, hat sich da etwas Besonderes ausgedacht. Entscheidend für den wunderbaren Abend war natürlich auch die gelungene Inszenierung von Dario Weberg, der das Stück mit seiner Handschrift versehen hat. Und dank Alissa Schwichtenberg in der Technik hatte ich dieses Mal sogar wunderbares Licht zum Gucken und Fotografieren. Das Stück und alle Beteiligten hätten ein ausverkauftes Haus verdient und ich kann nur allen, die nicht dort waren, sagen: Ich habt etwas verpasst. Wir haben uns köstlich amüsiert und alle, die ich nachher bei der Premierenfeier gefragt habe, waren begeistert. © Birgit Ebbert

Die nächsten Termine sind von Boeing-Boeing: 19.06., 05.07., 25.07., 13.08.

Weitere Informationen unter www.theaterandervolme.de

Einige Momente von TV58 im Film festgehalten.