Jahrmarkt(27.02.2017) Am Samstag war ich endlich auf dem Historischen Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle in Bochum. Es war wie immer toll, die alten Fahrgeschäfte in der Halle zu sehen. Der Besuch diess Mal besonders interessant, weil ich am Rande des Pressegesprächs vor drei Wochen beim Aufbau zuschauen durfte und jetzt sehen konnte, wie sich alles verändert hat. Natürlich habe ich Albert Ritter getroffen, bei Ludwig Deinert im Häuschen gesesssen und seinem Kettenflieger zugeguckt im Flohzirkus von Robert Birk vorbeigeschaut, überprüft, ob die Karussells der Familien Schleifer und Fredebeul stehen und bin erstmals mit dem Selbstfahrer von Richard Müller gefahren – mit einer sehr versierten jungen Fahrerin, die aber auch nicht jeden Zusammenstoß verhindern konnte. Und dann habe ich mich dieses Mal lange an Broels süßem Jahrmarkt aufgehalten, weil ich fand, es sei an der Zeit, mal etwas über historische Süßigkeiten zu schreiben.

Naschereien mit Geschichte

Auf die Idee, etwas über Broels süßen Jahrmarkt zu schreiben, kam ich wegen des hübschen Messingtopfes, der an einer Ecke des Standes platziert war. Er sah ziemlich alt aus und da ist mir zum ersten Mal klar geworden, dass Pommes und Currywurst vielleicht nicht historisch sind, auf jeden Fall aber gebrannte Mandeln und Popcorn. Also habe ich Vanessa Broel mit meinen Fragen gelöchert und sie hat mir nicht nur die Fragen geduldig beantwortet, sondern auch so lange Zuckerwatte gedreht, bis ich mit meinem Foto zufrieden war – letzteres sehr zum Vergnügen der Tochter von Robert Birk, die die riesige Zuckerwatte wegschlecken durfte J Zuckerwatte ist nur eine der historischen Leckereien, die an dem kleinen, feinen Stand der Familie Broel feilgeboten werden. Da ist türkischer Honig, den ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen und probiert habe – nicht gerade zahnfreundlich, und sehr süß, aber lecker. Popcorn stellen die Broels her und vor allem gebrannte Mandeln, Nüsse und andere Kerne.

Mandelbrennerei in der 7. Generation

Bei der Herstellung ihrer klassischen Naschereien orientieren sich die Broels an Familienrezepten, die inzwischen in die 7. Generation überliefert wurden. Wann genau die Familie mit der Mandelbrennerei begonnen hat, ist nicht bekannt, sicher ist, dass der Großvater von Daniel Broel schon vor dem Krieg mit der Mandelbrennerei unterwegs war. Die ersten gebrannten Mandeln wurden 1650 das erste Mal erwähnt, wenn man genau sein will, ist also der Mandelstand der Broels die historisch älteste Attraktion des Jahrmarkts J Aber so alt sind weder Stand noch Maschinen und Zutaten J, obwohl der alte Herd, auf dem früher die Mandeln gebrannt wurden, noch funktionsfähig wäre. Bis vor vier oder fünf Jahren wurde auf dem Historischen Jahrmarkt sogar noch damit gebrannt, die neuen Brandschutzverordnungen erlauben das leider nicht mehr. Damals wurden die Mandeln mit den Zutaten in eben jenen Messingtopf gegeben, der mich neugierig gemacht hat. Über dem Feuer wurde der Topf ständig gedreht und die Mandeln und Zutaten verrührt. Das offene Feuer wurde abgelöst von einer elektrisch betriebenen Maschine, von denen die Broels eine der ersten besitzen und am Stand ausstellen.

Auch gebrannte Mandeln gehen mit der Zeit

Der Klassiker auf den Jahrmärkten ist bei den Broels noch immer die gebrannte Mandel nach überliefertem Rezept. Allerdings gibt es heute Variationen, die dem Geschmack der Zeit angepasst sind – Mandeln mit Nutella-oder Kinderschokolade-Überzug oder mit Champagner-Trüffel (ich glaube, das sind meine Favoriten 🙂 ), selbst Mandeln mit Marshmallow-Mantel oder Chili-Note werden gebrannt. Insgesamt zwischen 20 und 25 Sorten halten Vanessa und Daniel Broel am Stand bereit, wenn sie mit ihrem „Walk-of-Sweets“-Wagen auf einer Kirmes oder einem Markt stehen. Vor allem im Ruhrgebiet bauen sie ihren Stand auf, das ist ja von Wuppertal, wo sie ihren Wohnsitz haben, auch gut zu erreichen und da gibt es viele Jahrmärkte, wie ich jetzt wieder feststellte. Die Chance, die leckeren Mandeln, Nüsse oder Kerne der Broels zu finden, stehen im Ruhrgebiet also nicht schlecht.

Und wer keine Mandeln mag oder essen darf, der sollte sich eine Tüte gebrannter Sonnenblumenkerne (lecker!) mitnehmen oder die „Königin der Nüsse“, gebrannte Macadamias spendieren. Ob Popcorn, Nüsse oder Zuckerwatte – immer gratis dazu gibt es ein Lächeln der Königin der Süßigkeiten Vanessa Broel, der man anmerkt, dass sie das fühlt, was sie sagt: „Für uns ist die Mandelbrennerei nicht nur ein Job, sondern Leidenschaft.“ Deshalb legen sie und ihr Mann großen Wert auf qualitativ hochwertige Zutaten, die sie seit Jahren von Stammlieferanten beziehen, und geraten ins Schwärmen, wenn sie von ihrem Herzensthema, dem Jahrmarktstand mit Naschereien erzählen. © Birgit Ebbert

Der Besuch auf dem Historischen Jahrmarkt samt Naschen bei Daniel und Vanessa Broel sind noch am 4. und 5. März möglich. Weitere Informationen www.jahrhunderthalle-bochum.de

Weitere Fotos vom Historischen Jahrmarkt 2017

Auf der Facebook-Seite der Familie Broel gibt es weitere Informationen

Eine kleine Mandelkunde, die ich bei der Recherche entdeckt habe

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Fotostrecke vom Historischen Jahrmarkt 2014

Historischer Jahrmarkt 2014