c-birgit-ebbert-buchhandlung(09.10.2016) Als mir vor einigen Wochen bei Facebook die Veranstaltung „CelebratingBookshopDay“ am 8. Oktober begegnete, war ich gleich begeistert. Ich fand diesen Tag zwar nirgends sonst, aber so etwas ist mir dann auch egal. Ideen finde ich immer gut und in meinem Ordner mit Blogthemen lag schon lange das Thema „Buchhandlungen in Hagen“. Genauer gesagt: Inhabergeführte Buchhandlungen, nicht, weil ich Thalia nicht mag, da stöbere ich auch gerne, sondern weil ich mich interessiert, wie es „echte“ Einzelhändler in der Buchbranche heute schaffen, sich zu behaupten. Das war wirklich spannend und ich bedanke mich bei allen Buchhandlungen für die freundliche Aufnahme und die offenen Gespräche. Und um das auch klar zu stellen, die folgende Reihenfolge stellt keine Wertung dar, sondern hat ist Ergebnis einer ausgeklügelten Tourplanung, die sich wiederum aus den Öffnungszeiten ergab.

Da der Beitrag doch sehr lang geworden ist, ein Hinweis vorab: Alle Buchhandlungen bieten an, Bücher online über Internet oder auch via E-Mail oder telefonisch zu bestellen und die Bücher je nach Bestellzeit am nächsten oder übernächsten Tag abzuholen. Ich kaufe auch bei Online-Buchhändlern, aber ich finde es wichtig, den lokalen Buchhandel zu unterstützen, zum einen natürlich, weil dahinter Menschen mit ihren Existenzen stecken und kein Börsenwert und zum anderen, weil sie eine Stadt und einen Stadtteil mit ihrem vielfältigen Angebote bereichern. Und das sind die Buchhandlungen, die ich besucht habe:

Buchhandlung Kersting auf Emst

Quadrux in Wehringhausen

Buchhandlung am Rathaus – heute eher am Museum 🙂

Lesen & Hören

Hohenlimburger Buchhandlung

Buchhandlung Kersting auf Emst

BuchhandlungenWie gesagt, die Tourplanung richtete sich nach den Öffnungszeiten, aber auch dem Knigge nach hätte die Buchhandlung Kersting die erste Anlaufstelle sein müssen – sie ist nämlich die älteste Buchhandlung in Hagen. Mit Abstand, 1887 hat der Urgroßvater von Martin Kersting die erste Buchhandlung der Familie eröffnet. Sein Großvater und Vater haben es sogar geschafft, sie nach der völligen Zerstörung im zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen. Ich war wirklich beeindruckt von dem Fotoalbum, das die Geschichte der Buchhandlung dokumentiert – die ersten Anzeigen, die Leuchtreklame, der Bunker an der Dödter Straße, in dem nach der Ausbombung die Überreste eingelagert wurden, die fast kioskartige Buchhandlung an der Fachhochschule, in der Studenten Bücher und Schreibmaterialien kaufen konnten. Alleine für diese Geschichte lohnt sich ein ganzer Blogbeitrag.

c-birgit-ebbert-img_3187Heute befindet sich die Buchhandlung auf Emst an der Cunostraße, wo fast jeder Emster einmal am Tag durchfährt. Einen Eindruck davon, welches Sortiment angeboten wird, bekomme ich während meines Besuchs: Unter anderem kommen zwei siebenjährige Mädchen, von denen eines einen Euro in Bücher umsetzen möchte und gleich Beratung bekommt. Wie auch der ältere Herr, der ein Buchgeschenk sucht, eigentlich etwas mit wenig Text möchte, aber dann doch mit zwei Taschenbüchern – unter anderem meinem „Tod im Tee“ 🙂 den Laden verlässt. Gut erzählte Romane, leichte Taschenbücher, Krimis und Kinderbücher machen denn auch den Hauptteil des Sortiments aus, wobei Martin Kersting viele Bücher erst liest, um zu sehen, ob sich seine Zielgruppe dafür interessiert. Was es so gut wie gar nicht mehr gibt, sind Ratgeber, Medizinische Bücher und Bastelbücher, weil die meisten Menschen heute doch eher im Internet nachschauen, als in der Buchhandlung.

c-birgit-ebbert-img_3190Dass Bücher eine Leidenschaft von Buchhändler Martin Kersting ist keine Überraschung. Er ist mit ihnen aufgewachsen und hat in der Familienbuchhandlung seine Ausbildung gemacht. Vor Jahren hatte er allerdings die Idee, seine zweite Leidenschaft, die Musik, mit den Büchern zu verbinden. So entstand die Veranstaltung „Book’n Roll“, die ich leider leider verpasst habe. Aber – soviel kann ich schon verraten – im Februar, rund um den Valentinstag wird es eine Nachfolgeveranstaltung geben. Daneben gibt es im Frühjahr und Herbst Buchvorstellungen, bei denen die Besucher Tipps bekommen, was den Buchhändlern persönlich am besten gefallen hat. Die nächsten Termine und weitere Informationen finden sich auf der Website www.buchhandlung-kersting.de und auf der Facebookseite der Buchhandlung.

Quadrux in Wehringhausen

c-birgit-ebbert-img_3182Von Kersting bin ich nach Wehringhausen gefahren zu Quadrux, dessen Fassade ich schon oft fotografiert habe. Aber meist war ich sonntags mit der Kamera unterwegs. Nun endlich habe ich der Buchhandlung einen Besuch abgestattet und als erstes erfahren, dass Quadrux zwar eine Buchhandlung ist, aber doch auch wieder nicht. Entstanden ist Quadrux aus einem Büchertisch, der 1978 gegründet wurde. Ein halbes Jahr später mieteten die sechs Initiatoren, von denen drei heute noch immer die Geschicke der Initiative lenken, ein Ladenlokal und seither bestimmen Buchhandlung und Menschen die Geschicke von Wehringhausen mit. Engagement wird bei allen, die mit Quadrux zu tun haben, groß geschrieben, der Ladendienst und auch die anderen Aktivitäten sind ehrenamtlich, die Einnahmen dienen dazu, die Miete und anderen Kosten für die Buchhandlung zu decken. Dazu gehört auch, andere Bücher vorrätig zu haben, als Mainstream-Buchhandlungen. Manche Bücher brauchen ein paar Jahre, bis sie ihren Empfänger finden, der kann dann aber auch mal in Berlin wohnen, so wie es kürzlich der Fall war. Eine Berlinerin suchte ein bestimmtes Buch, fragte beim Verlag nach und der Verlag verwies sie nach Hagen, wo das Buch tatsächlich noch im Regal stand.

c-birgit-ebbert-img_3198Für mich war der Besuch auch eine kleine Zeitreise in meine Studienzeit. Ich habe hier viele Themen entdeckt, die damals in Münster und Bonn in Buchhandlungen selbstverständlich waren: Frauen, Ökologie, Theologie, Politik, Globalsierung, das damals noch anders genannt wurde – ich glaube. Allerdings gibt es hier ebenso aktuelle Romane und Sachbücher, Krimis und viele Kinderbücher, die von den Mitgliedern der Initiative sorgfältig ausgesucht werden. Aber nicht nur Bücher gibt es hier, sondern eine riesige Auswahl an Postkarten – vielleicht sogar die größte in NRW, jedenfalls vermutete das der WDR und hat schon darüber berichtet. Viele sind es auf jeden Fall und eine Gefahr für jeden Postkartenliebhaber. Mhm, das wäre eigentlich auch noch mal ein spezielles Blogthema.

c-birgit-ebbert-img_3199Kerstin Sack, die zusammen mit Jürgen Breuer und Helga Jochheim schon die Anfänge der Buchhandlung mitbestimmt hat, erinnert sich noch gut daran, wie der Name Quadrux entstand – abends in der Kneipe, nach einer Veranstaltung. Sie hatte gerade in der Zeitschrift Courage die Geschichte eines fabelhaften Kindes „Projekt Baby X“ (PDF-Version der Geschichte) gelesen hatte, in dem ein Baby den Namen „X“ bekommt, um nicht in Geschlechterstereotypen zu rutschen. Bei der Suche nach einem Namen für die Buchhandlung, die ja auch jenseits von Stereotypen sein sollte, warf jemand ein, man könnte sie „X“ nennen oder „Quadrat“ und schon war der Name „Quadrux“ entstanden. Nach fast 40 Jahren hat „Quadrux“ seine Identität behauptet, die Menschen mischen sich noch immer ein in ihrem Stadtteil und sie sind weiterhin Treffpunkt und Anlaufstelle, da kann es auch schon vorkommen, dass jemand von der Tankstelle aus anruft und um Hilfe bittet, weil er nicht weiß, ob er Benzin oder Diesel tanken soll. In der Tat gibt es hier „Bücher und mehr“ – auch Wein, Kaffee und Tee aus nachhaltigem Anbau. Die Öffnungszeiten und Kontaktdaten für Buchbestellungen findet ihr auf www.quadrux.de – vielleicht sollte ich anbieten, mal fix eine WordPressseite zu erstellen, damit die spannenden Informationen über die Initiative den Weg ins weltweite Web finden.

Buchhandlung am Rathaus – heute eher am Museum 🙂

c-birgit-ebbert-img_3239Die Buchhandlung am Rathaus war die erste Buchhandlung, die ich in Hagen kennengelernt habe – weil ich fast darauf gucken konnte. Allerdings war die Adresse dort nicht die erste der Buchhandlung. Sie befand sich ursprünglich am Bahnhof und hieß damals „das Neueste – die kleine Buchhandlung am Bahnhof“. (Hier geht es zum Foto des damaligen Standorts.) Der Namensteil „das Neueste“ hatte sicher auch damit zu tun, dass Albrecht Zülch die Buchhandlung damals als Angestellter der Zeitung leitete und auch noch in dieser Funktion an die Rathausstraße zog. Dort hieß die Buchhandlung dann nur noch „Die kleine Buchhandlung“ und wechselte immer mal wieder die Besitzer.

c-birgit-ebbert-img_3218Seit 1999 ist sie in den Händen von Dorothee Krug und Oliver Kraus, die schon vorher in der Buchhandlung am Rathaus angestellt waren und sie vom Vorinhaber übernommen haben. Die „kleine Buchhandlung“ ist inzwischen etwas größer geworden. Durch den Abriss des Gebäudes, in dem sich die Räume früher befanden, wurde ein Umzug nötig, der die positive Wirkung hatte, dass die beiden Inhaber die Räume auch komplett neu und nach ihren Wünschen einrichten konnten. Mein Favorit ist übrigens die Lampe über dem Tisch, die sehr gut zu meinem neuen Projekt passen würde 🙂 Aber darüber habe ich mit Oliver Kraus nicht gesprochen, sondern über das Sortiment, das im Schwerpunkt aus Romanen, Kinderbüchern und aktuellen Sachbüchern besteht. Aber es gibt auch ein Regal der Büchergilde mit ihren besonders schön gestalteten Büchern, von denen ich gleich zwei gekauft habe :-).

c-birgit-ebbert-img_3212Um den besonderen Charakter einer Buchhandlung mit „anfassbaren Büchern“ zu dokumentieren bietet auch die Buchhandlung am Rathaus besondere Aktionen, die es im Internet nicht gibt. Monatliche literarische Treffs unter dem Titel „Les- und Denk-B.A.R“, Buchvorstellungen in Kooperation mit dem Theater an der Volme (als nächstes am 6.11. im Theater an der Volme und am 11.12. in der Buchhandlung) und die Möglichkeit, sich einen Abend bei Prosecco und Knabbereien im Ladenlokal einschließen zu lassen und in Büchern zu schwelgen. Wie das ist, werde ich demnächst berichten 🙂 Aber erst mal könnt ihr weitere Informationen auf www.rathaus-buchhandlung.com und der Facebookseite abrufen.

Lesen & Hören

c-birgit-ebbert-img_3230Von der Buchhandlung am Rathaus bin ich zur Buchhandlung „Lesen & Hören“ spaziert. Hier muss ich gestehen, dass ich lange dachte, das wäre eher eine Buchhandlung für Hörbücher, dann hat sich bei mir festgesetzt, dass es eine christliche Buchhandlung ist. Aber nun weiß ich, dass es dort in der Tat einen Schwerpunkt im Bereich Religion und Religionsausübung gibt, man dort vermutlich als einzigem Laden in Hagen Taufkerzen, Gesangsbücher und anderes Zubehör für christliche Feste kaufen kann. Allerdings gibt es auch andere Romane, Kinderbücher; Krimis und Sachbücher. Und was nicht vorrätig ist kann – wie in allen Buchhandlungen – bestellt werden und ist in kurzer Zeit da. Die Buchhandlung existiert seit elf Jahren, leider konnte Judith Hennigs-Dahms, die Inhaberin, gestern nicht da sein, sodass ich nichts über ihre Geschichte in Erfahrung bringen konnte.

c-birgit-ebbert-img_3235Aber ich habe auch hier hautnah erlebt, was den lokalen Buchhandel von den Online-Händlern unterscheidet. Eine Kundin kam mit einer vagen Erinnerung an einen Buchtitel. Und sie war schon einmal mit der gleichen Erinnerung dort gewesen, allerdings war ihr damals „naturnah“ eingefallen und nun zeigte sich, dass es doch „hautnah“ war. Schaut mal aus Spaß bei einem Online-Buchhändler – da kommt vom Erotikroman über einen Reisebericht bis zum Bericht über eine Motorradreise einiges und die Aufgabe der Buchhändlerin war nun, aus über 100 Ergebnissen das passende herauszufinden. Ich verrate die Auflösung, weil ich mich eingebracht habe mit meinem neuen Smartphone 🙂 Es ging um das Buch „Haut nah“ von Yael Adler. Aber diese Eingrenzung hat einige Zeit gedauert und die Buchhändlerin ist geduldig geblieben und hat sich auch noch die Haut-Geschichte der Kundin angehört, die wäre sie bei Amazon garantiert nicht losgeworden 🙂 Die Kundin hätte übrigens auch per E-Mail, Telefon oder Internet bestellen können unter www.lesenundhoeren-hagen.de.

Hohenlimburger Buchhandlung

c-birgit-ebbert-img_3270Am Nachmittag war ich dann in der Hohenlimburger Buchhandlung, die seit einem Jahr Ursula Heering gehört, die jedoch schon 25 Jahre vorher dort gearbeitet hat. Sie hatte mich gebeten, doch lieber am Nachmittag zu kommen, weil da vier junge Autorinnen und Autoren zu Gast waren und die Ergebnisse eines Schreibworkhops lesen würden. Ich bin froh, dass ich über diesen Zufall von der Lesung erfahren haben.

c-birgit-ebbert-img_3248Jeremy Chahine, Annalena Schneider, Dorian Thrumann und  Jasmine Günther (v. l. n. r. auf dem Foto) haben eigene „Mutmachgeschichten“ gelesen, die sie zusammen mit Gandhi Chahine und Matthias Hoff im Sommer 2014 im Rahmen eines Schreibworkshops der Jugendbildungsstätte Berchum entwickelt hatten. Im Februar sind die Geschichten als Buch unter dem Titel „Aus Angst wächst Mut“ erschienen und die Lesung war so etwas wie eine Buchpremiere. Eine sehr gelungene. Die Jugendlichen haben einfühlsam und packend gelesen und ihre Geschichten sind sehr beeindruckend. Ausgehend von eigenen Angst-Erfahrungen haben sie Storys mit einer optimistischen Auflösung entwickelt. „Ich bin erstaunt und beeindruckt, wie viele Gedanken junge Menschen sich machen“, fasste eine Besucherin zusammen, was wohl alle Teilnehmer dachten. Dem kann ich mich für diesen Beitrag nur anschließen, denn es soll ja um die Buchhandlungen gehen. Aber ich habe mir das Buch gekauft und signieren lassen und sobald ich Zeit hatte, es zu lesen, folgt ein längerer Bericht.

c-birgit-ebbert-img_3243Nun erst einmal zurück zur Buchhandlung, die das allgemeine Sortiment von Belletristik über Krimis, Kinderbuch und Sachbuch anbietet und darüber hinaus Zeitschriften führt, von denen mich die Kreativausgaben fast verführt hätten, wieder mit dem Stricken anzufangen. Das heißt aber, dass die Buchhandlung für jeden Geschmack und jedes Interesse etwas bereit hält, das gelingt ihr auch deshalb, weil sie stark vernetzt ist im Stadtteil. Mit Buchvorstellungen und Veranstaltungen wie der Lesung der Jugendlichen setzt sie in Hohenlimburg zusätzliche kulturelle Akzente und natürlich kann auch bei ihr jedes Buch bestellt werden unter www.hohenlimburger-buchhandlung.de , dort und auf der Facebookseite finden sich auch immer die aktuellen Informationen zu Lesungen und Aktionen. © Birgit Ebbert