(03.09.2014) Nach der gelungenen Eröffnung der Toulouse-Lautrec-Ausstellung im Emil Schumacher Museum war ich am Sonntag in einer kleinen feinen Ausstellung, auf die ich wegen der wunderbaren Buchschnittt-Skulpturen neugierig war.

Der Begriff „Buchschnitt-Skulptur“ ist eine Erfindung des Freiburger Buchbinde-Künstlers Nils Gustorff. Was auf den ersten Blick so einfach erscheint, Eselsohren in Bücher zu falten, hat er zur Kunst erhoben. Mit Schere und Falzbein rückt er einem Buch zuleibe und verwandelt es in eine wunderbare Skulptur. Aus den 200, 300 oder 1.000 Buchseiten wird in stundenlanger Schneid- und Faltarbeit eine Eidechse oder eine Rose, ein Violinenschlüssel oder auch ein Slogan wie auf dem Foto links „read and travel“.

Inspiriert wurde der gelernte Handwerks-Buchbinder von ähnlichen Faltarbeiten, das gibt er unumwunden zu. Er hat sie in einer Zeit, als er viel freie Zeit hat, perfektioniert, kann man sagen. Natürlich hat er seine Fähigkeit, die Buchseiten an den richtigen Stellen einzuschneiden und zu falten, verbessert, vor allem aber hat er immer neue Motive ausprobiert. Heute geschieht es, dass er durch die Stadt geht und plötzlich ein Motiv sieht, das er ausprobieren könnte.

Inzwischen kommen die Motive aber auch über seine Kunden zu ihm. Zwar bestellen viele die Skulpturen, die sie im Internet oder bei Ausstellungen wie die im Atelier von Ariane Hartmann sehen. Es kommen aber auch Büchernarren, die passend zu ihrem Buch und am besten noch aus eben jenem eine bestimmte Skulptur haben möchten. Das ist nicht immer möglich, weil das Buch – je nach Motiv – eine bestimmte Seitenzahl haben muss oder auch nicht haben sollte. Es sind auch nicht immer nur Bildmotive, die Nils Gustorff schneidet, er hat auch schon Hochzeitsdaten oder Namen in ein Buch geschnitten.

Am Anfang eines Projektes steht neben dem Wunsch oder der Idee immer eine Zeichnung, die ihm hilft, sich die fertige Buchschnitt-Skulptur vorzustellen. Anhand der Zeichnung plant er, welche Seiten wo und wie eingeschnitten und gefalzt werden müssen. Also nichts, was man mal eben nachmachen kann, auch wenn es mich in den Fingern juckte, das auszuprobieren. Aber auf diesem Ausprobier-Stapel liegt schon so viel, dass ich nicht damit beginnen werde. Da spare ich lieber, damit ich mir irgendwann eine Skulptur aus meinem Roman „Brandbücher“ leisten kann. Wie diese aussehen soll, weiß ich schon.

Eine wunderschöne Idee, deren Ergebnisse man sich noch bis zum 1. Oktober im Atelier der Schmuck-Designerin Ariane Hartmann ansehen kann. Der Besuch von Atelier und Ausstellung lohnt sich gleich mehrfach, neben den Buchschnitt-Skulpturen sind Holzschnitte der Dortmunder Künstlerin Tanja Melina Moszyk zu sehen, zwei „Zeitgenossen“ von Heike Roesner stehen noch herum, Wort-Steine der Bochumerin Simone Rahn liegen da und natürlich sind viele wunderbare Schmuckwerke von Ariane Hartmann zu sehen. Viel Spaß beim Entdecken! © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über die Buchschnitt-Skulpturen: www.buchschnitt-skulptur.de

Anschrift und mehr über Ariane Hartmann Schmuckdesign: www.ariane-hartmann.de