(22.06.2014) Heute habe ich tatsächlich einen Punkt von meiner „To-Visit-Liste“ abgehakt, ich kann es kaum glauben. Schon lange habe ich mir vorgenommen, das Haus der Geschichten in Müllenbach zu besuchen. Ich erinnere mich gut daran, dass Harry Böseke davon gesprochen hat, als ich noch in der LAG Jugend und Literatur aktiv war und wir uns dort gelegentlich trafen. Als ich nach Hagen zog, stellte ich irgendwann fest, dass Marienheide nur 50 Kilometer entfernt ist. Nun bekam ich zufällig mit, dass heute ein Bücherfest im Bücherdorf Müllenbach stattfand. Müllenbach ist ein Stadtteil von Marienheide und bezeichnet sich als einziges Bücherdorf in Westdeutschland.

Begonnen hat die Entwicklung des Dorfes mit eben jenem Haus der Geschichten, das der Schriftsteller Harry Böseke vor 15 Jahren gekauft und eingerichtet hat. Wenige Jahre kamen Antiquariate und Bücherveranstaltungen hinzu und irgendwann sprach man vom „Bücherdorf Müllenbach“. Neben dem Haus der Geschichten gibt es hier ein paar Antiquariate, den Fuhrmannshof als Veranstaltungraum und das Haus Müllenbach, in dem heute Gemälde ausgestellt waren. Dazwischen standen heute Bücherstände von Antiquariaten und Privatverkäufern, deren Bücherkisten förmlich riefen „Stöbere in mir!“ Ich hatte mir fest vorgenommen, standhaft zu bleiben, schließlich weiß ich so schon nicht, wohin mit meinen Büchern.

Meine Lieblingsecke im Haus der Geschichten

Lange hat der Vorsatz nicht gehalten. Wieso musste der Verkäufer auch ausgerechnet ein 30 Jahre altes Buch über Hagen oben auf den Stapel legen? Das musste natürlich mit und wenn ein Vorsatz erst einmal gebrochen ist – ihr kennt das. Zum Glück bekam ich an dem Stand, an dem ich ein zweibändiges Nachschlagewerk zur NS-Zeit kaufte, das in meiner Sammlung fehlte, eine große Tragetasche. Eine wirklich große Tasche! Die sich auf unerklärliche Weise gefüllt hat, als ich nämlich meine im Auto zwischengelagerte Beute in die Tasche packte, war sie voll. Die Gelegenheit war auch zu verlockend und beim Stöbern fiel mir auch wieder ein, dass ich doch Kinder- und Jugendromane zur NS-Zeit sammeln wollte. Diese Sammlung wurde um zwei Exemplare aufgestockt. Ja, und dann war da noch der Roman eines „verbrannten“ Dichters, den konnte ich nicht liegen lassen.

Rolly Brings & Band

Zwischendurch habe ich mich insHaus der Geschichten geflüchtet, wo allerdings auch Bücher lagen, die mit wollten. Schnell habe ich mich hinter der Kamera verschanzt und die Buchkauf-Sucht mit der Fotografier-Manie bekämpft.

Das Haus der Geschichten ist eineArt Museum, viele Gegenstände und Bilder vergangener Zeiten stehen dort und erzählen, dem der sie hören möchte, Geschichten. Sie rufen Assoziationen und Fantasien hervor, sodass ich Gefahr lief, mich in den Geschichten zu verlieren. Aber ich war ja in Begleitung meiner Kamera und Corvos. Am Ende bin ich zum Fuhrmanshof geflohen. Dort präsentierten Rolly Brings und Band Grimms Märchen auf Kölsch. Sie lasen, sangen und musizierten und gaben klassischen Märchen durch den Kölner Dialekt eine ganz neue Note.

Harry Böseke, wie er kölsche Märchenlieder singt

Am Rande hatte ich Gelegenheit, ein wenig mit Harry Böseke über alte und neue Zeiten zu plaudern. Doch das ist – wie die Geschichte der Heidenstraße, die er erzählt hat, – ein neues Thema für einen weiteren Blogbeitrag. Erst einmal sortiere ich Fotos und Geschichten und freue mich darüber, dass es nicht weit von hier ein Bücherdorf gibt. Wenn ich es recht bedenke, wäre das eine schöne Location für eine Lesung. Ich sammle nämlich ab sofort schöne Lesungsorte – für den nächsten Roman und die Geschichten, die im nächsten Jahr erscheinen werden. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über das Bücherdorf Müllenbach und das Haus der Geschichten und die dortigen Veranstaltungen finden sich unter www.buecherdorf-muellenbach.de.