Bücherschrank an der Johanniskirche in Hagen

(08.02.2014) Wer in Hagen von der Mittelstraße den Platz vor der Johanniskirche betritt, kommt nicht umhin, den Schrank wahrzunehmen, der zwischen dem Eingangsportal und den Gedächtnisplatten an der Kirchmauer platziert ist. Bei näherem Betrachten wird klar, dass es sich um einen Schrank mit Büchern handelt, einen Bücherschrank. Einen von zig Bücherschränken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Ungarn. Ich habe es mir erspart, die Orte in der Wikipedia-Liste der Bücherschränke zu zählen. Es sind viele, das wird schnell klar. Einer davon steht seit zwei Jahren in Hagen, ganz in der Nähe der Bushaltestelle an der Frankfurter Straße, am Rand des Fußwegs von der Innenstadt zum Medienzentrum und zu den Elbershallen.

Die Idee der Bücherschränke stammt aus den 90er Jahren. Das Ziel ist, allen Menschen niedrigschwellig den Zugang zu Büchern und Literatur zu ermöglichen. Natürlich gibt es öffentliche und kirchliche Büchereien. Aber nicht jeder findet sich in einem solchen System zurecht und nicht jeder mag es, sich anzumelden und auf die Öffnungszeiten zu warten . Manch einer genießt es, zu stöbern und sich von dem Angebot inspirieren zu lassen. In dem Bücherschrank an der Johanniskirche finden sich ganz unterschiedliche Bücher – Schmöker aus den 60ern ebenso wie aktuelle Literatur, Sachbücher stehen neben Kinder- und Jugendbüchern.

Dabei ist das Angebot immer nur eine Momentaufnahme. Schon am nächsten Tag oder in der nächsten Stunde kann es sich ändern. Das ist das Prinzip des Bücherschranks im Vergleich zur Bücherei. In der Bücherei gibt es ein festes Buchangebot, das in einer Datenbank dokumentiert ist und lediglich die momentane Verfügbarkeit ändert sich. Wer will, kann ein Buch sogar vorbestellen. Das geht in einem Bücherschrank nicht. Wer ein Buch entnimmt, muss es nicht zurückbringen, er kann es gegen ein eigenes Buch tauschen oder es auch einfach so behalten. Ein anderer stellt an seiner Stelle vielleicht zwei oder mehr Bücher in die Vitrine.

In Hagen zumindest gleicht der Bücherschrank einer Vitrine. Gespendet wurde sie von der Mercator Stiftung, die im Ruhrgebiet mit zehn solcher Glasschränke einen Beitrag zur Leseförderung und niedrigschwelligen Bildung leistet. In Hagen wurde der fünfte Mercator-Bücherschrank aufgestellt. Am 24. Januar 2012. Seither finden Hagenerinnen und Hagener hier Lesestoff. Die Patenschaft über den Bücherschrank hat die evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde übernommen. Sie sorgt dafür, dass der Schrank und vor allem ihr Inhalt nicht zerstört oder beschädigt wird, Gegenstände, die nicht hineingehören, beseitigt und die Bücher zwischendurch sortiert werden, damit der Schrank einladend wirkt und potenzielle Leser ermuntert, sich mit Lektürefutter einzudecken.

Hagen folgte mit dem Bücherschrank einem Trend, der in den 90er Jahren entstand. Es heißt, die ersten Bücherschränke wurden in Darmstadt und Hannover Ende der 90er Jahre als Freiluft-Bibliotheken aufgestellt. Aber auch Kunstinstallationen sollen den Weg bereitet haben. Von wem immer die Idee stammt, sie hat viele Nachahmer gefunden. Mir gefällt besonders die Idee, öffentliche Telefonzellen – britisch oder nicht – zum Bücherschrank umzufunktionieren wie in Bad Oldesloe, Bonn, Brühl oder Denzlingen. In Freiburg hat man alte Kühlschränke genutzt, auch pfiffig.

Upps, bei der Durchsicht der Wikipedia-Liste sehe ich, dass der Hagener Bücherschrank nicht auftaucht. Wie gut, dass ich noch einen Account für Wikipedia habe und ihn gleich nachtragen kann. Leider weiß ich gerade nicht mehr, wie man bei Wikipedia Bilder hochlädt. Kommt Zeit, kommt Bild. Bis dahin packe ich einige Rezensionsexemplare der Bücher, die ich besprochen habe, zusammen, warte auf trockenes Wetter und stocke den Inhalt des Bücherschranks an der Johanniskirche um ein paar neue Bücher auf. © Birgit Ebbert