Bei der Einführung in die Ausstellung der Werke von Susan Hefuna habe ich gleich am Anfang ein neues Wort gelernt: „Mashrabiya“. Ich bin noch nicht sicher, wie groß die Bildungslücke ist, aber jetzt kenne ich den Begriff und was noch viel interessanter ist, die Geschichte hinter den „Mashrabiyas“.

Eine Mashrabiya (bei Wikipedia: Maschrabiyya) ist ein Fenstergitter, das so konstruiert ist, dass man zwar von innen nach außen, aber nicht von außen nach innen schauen kann. Es wurde ursprünglich entwickelt, um Getränke zu kühlen und dann eingesetzt, um sich und vor allem die Frauen im Islam vor Blicken von außen zu schützen. Faszinierend ist, dass Gitter nicht gleich Gitter ist, betrachtet man die Bilder bei Google, wird einem sofort klar, dass Mashrabiyas auch als Schmuck dienen und vielleicht sogar dazu, Stand und/oder Reichtum zu zeigen, darüber habe ich keine Informationen gefunden. Vielleicht kann ich sie Dr. Tayfun Belgin, dem Kurator der Ausstellung, oder der Künstlerin, die Anfang September in Hagen sein wird, noch entlocken.

Die Mashrabiya ist nicht die einzige Inspirationsquelle der Künstlerin, aber wohl eine wesentliche und vor allem ranken sich die Werke in der Ausstellung im Osthausmuseum um das Thema. Da ist zunächst die allererste Zeichnung Susan Hefunas aus dem Jahr 1998 zu sehen, in der sie kreativ mit der Struktur der Mashrabiya umgeht. Es folgen viele weitere Zeichnungen, in denen sie zum Teil auf unterschiedlichen Ebenen ihr Thema abwandelt. Dabei wird die ursprüngliche Form teilweise aufgehoben und es entstehen immer neue Strukturen.

„Bildgedichte“, hat Dr. Belgin die Zeichnungen in seiner Einführung genannt, die Künstlerin selbst nennt die Reihe „Buildings“, beides regt den Betrachter zusätzlich an und zwischendurch ist man geneigt, Stift und Papier hervorzuziehen, um auszuprobieren, ob wirklich so einfach ist, was so leicht gezeichnet wirkt.

Neben den Zeichnungen sind in der Ausstellung drei Objekte zu sehen, die wieder das Gitterthema aufgreifen und sogar erahnen lassen, wie aufwendig die traditionellen Mashrabiyas gedrechselt und gefertigt werden.

Eine interessante Ausstellung, die fasziniert, irritiert, verwundert und einen Blick auf einen Teil der Welt eröffnet, der mir bis dahin unbekannt war. Für Susan Hefuna liegt der Bezug natürlich näher. Sie hat ägyptische Wurzeln und die Auseinandersetzung mit den Mashrabiyas ist zugleich Annäherung an einen Teil der Geschichte ihrer Vorfahren. Sonst findet man über die Künstlerin – außer ihrem Geburtsjahr 1962 – wenig im Internet. Neben der Zeichnung setzt sie Skulpturen, Fotografie und Videos als Ausdrucksmittel ein. 2009 waren Werke von ihr bei der Biennale in Venedig zu sehen, das unterstreicht ihr internationales Renommee. Wenn ich das, was ich über die Künstlerin im Internet gefunden habe, richtig interpretiere, ist es dem Osthausmuseum gelungen, eine ganz besondere Künstlerin für die Ausstellung zu gewinnen. Die Chance sollte man sich nicht entgehen lassen, ich werde auf jeden Fall noch einmal in Ruhe durch die Räume gehen. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de