(24.02.2020) In der letzten Woche habe ich einen Termin in Mülheim genutzt, um endlich die Camera Obscura zu besuchen. Sie steht schon seit Jahren auf meiner To-Visit-Liste. Jetzt habe ich es endlich geschafft und war sicher nicht zum letzten Mal dort. Für mich eines der tollsten Museen, die ich je besucht habe inkl. dem Museumsshop, der ausgewählte Angebote zum Thema hat, die ich vorher nie gesehen habe. Und ich war viele Jahre als Medienpädagogin tätig und habe ein Faible für Mediengeschichte! Solltet ihr in Mülheim sein, geht unbedingt dorthin!

Die Camera Obscura

Das Herzstück des ehemaligen Wasserturms ist natürlich die Camera Obscura unter dem Dach. „Camera Obscura“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „dunkle Kammer“, wir verwenden „obskur“ ja durchaus auch für Unerklärliches, deshalb passt der Begriff für mich gleich doppelt. Das Prinzip der Camera Obscura besteht darin, das Lichtstrahlen durch eine kleine Öffnung in einen dunklen Raum auf die gegenüberliegende Wand projiziert werden. Das Bild ist seitenverkehrt und steht auf dem Kopf, ein Phänomen, das Aristoteles bereits vor 2.400 Jahren kannte. Vor einigen Jahren hatte ich als Teil einer Installation eine kleine Camera Obscura in Hagen erlebt, aber das, was ich in Mülheim erlebt habe, hätte ich nicht erwartet. Auf einer weißen Platte von ca. 2 Metern Durchmesser, tauchten wie aus dem Nichts Live-Bilder aus der Umgebung auf. Der Gasometer in Oberhausen, Fabrikanlagen, aber auch der Baumarkt neben dem Wasserturm. Auf der Kreuzung konnte man sogar die Autofahrer und einen unschlüssigen Radfahrer erkennen. Das alles ohne Technik, nur mithilfe eines drehbaren Spiegelkopfs, der durch eine kleine Öffnung Lichtstrahlen auf den Projektionstisch leitet. Das muss man gesehen haben und das ist in dieser Form weltweit nur in Mülheim möglich. Wusstet ihr das?

Das Museum der Urgeschichte des Films

In den Räumen unterhalb der Turmkuppel mit der Camera Obscura befinden sich Exponate, die die Entwicklung des bewegten Bildes vom asiatischen Schattentheater bis zum Daumenkino zeigen. Mich faszinieren Bezeichnungen wie „Thaumatrop““, „Zoetrop“ oder „Lithophanie“, jetzt kann ich mir auch etwas darunter vorstellen. Ok, das „Thaumatrop“ kam in dem Weihnachts-Bastelset für Kinder vor und habe ich jetzt gerade wieder in dem neuen Buch für Erzieherinnen untergebracht, weil ich Dinge mag, die leicht herzustellen sind und eine verblüffende Wirkung haben. Dass das „Drehbild“, wie ich es genannt habe, „Thaumatrop“ heißt und bereits 1825 erfunden wurde, wusste ich nicht.

In dem Museum sind Beispiele von 1900 zu sehen! Eine Laterna Magica gibt es ebenso wie Guckkästen und Peep-Eggs :-). Einige Erlebnisse, die ich im letzten Jahr hatte, wurden in dem Museum endlich historisch eingeordnet, das Stereoskop, das ich natürlich aus meiner Kindheit vom „View-Master“ kenne, aber erst im letzten Jahr in Weimar im Museum erlebt habe. Oder das Zoetrop, wie es im Naturkundemuseum in Schloss Friedenstein steht. Ihr ahnt es, besonders lange habe mich bei den Faltperspektiven aufgehalten und allen Vorfahren des Films aus Papier. Da juckt es mich in den Fingern, so etwas auszuprobieren. Mal sehen, was daraus wird. Auch sonst gab es viele Anregungen zum Nach- und Weitermachen, deshalb lohnt sich der Besuch auch mit Kindern – übrigens auch mit einer Schulklasse, ein Ausflug in die Camera Obscura ist ganz sicher ebenso spannend wie ein Tag im Freizeitpark und da es im Erdgeschoss ein Café gibt, kann der Ausflug mit einem Snack begonnen oder abgeschlossen werden. Wie ich hörte, war erst kürzlich eine Schulklasse aus dem Kreis Borken dort 🙂

Das Gesamtkonzept

Ich kann hier nur kleine Ausschnitte von dem wiedergeben, was ich gesehen und gehört habe. Aber ich habe mehrere Veröffentlichungen mitgenommen, vielleicht melde ich mich noch einmal mit einem Artikel über die Einzelheiten, jetzt wollte ich euch neugierig machen und motivieren, dieses außergewöhnliche Museum in einem Industriedenkmal unbedingt zu besuchen. Wirklich begeistert hat mich neben den Inhalten das Ausstellungskonzept, außer den Exponaten finden sich viele Abbildungen aus alten Kunstwerken, die belegen, dass diese oder jene Technik wirklich damals bereits existierte. Und es gibt immer wieder Gelegenheiten, etwas auszuprobieren, an der Wand neben der Treppe läuft ein Schattenfilm wie auch in der Ausstellung, schließlich stammt der erste lange Animationsfilm von der Scherenschnitt-Künstlerin Lotte Reininger, an die erinnert wird und in der Mitte des Turms hängt eine Faltperspektive. So klasse! © 2-2020 Birgit Ebbert

Öffnungszeiten und weitere Informationen: www.camera-obscura-muelheim.de

PS: Die Camera Obscura beteiligt sich am Tag der „WissensNacht Ruhr“, dem 25. September!