Cat Stevens(17.06.2017) Ein Musiker oder Singer-Songwriter, wie man heute wohl sagen würde, den in meiner Jugend jeder kannte, war Cat Stevens. Keine Teestunde ohne seine Musik im Hintergrund und kein Lagerfeuer, bei dem nicht mindestens eines seiner Lieder zur Gitarre gesungen wurde. Der Besuch des neuesten Programms im Theater an der Volme war daher Unterhaltung und Zeitreise zugleich.

Das ungewöhnliche Leben von Cat Stevens-Yusuf

Das Besondere an den Musikprogrammen von Dario Weberg, der auch dieses Mal wieder von Martin Brödemann unterstützt wird, sind die kleinen Wortbeiträge, die einem den Künstler und sein Leben nahe bringen und manche Aha-Erlebnisse bescheren. So war ich verblüfft, dass Cat Stevens schon in der Zeit, als ich ihn noch unter diesem Namen kannte, zum Islam convertierte, der Musik abschwor und sich Yusuf Islam nannte. Ja, wirklich, bereits 1977/78 wandte er sich von der Musik ab und verkaufte sogar seine Gitarren, um sich nur noch dem neuen Glauben zu widmen. Daran hat er festgehalten, bis ihm Jahrzehnte später sein Sohn eine Gitarre mitbrachte und neu infizierte. 1978 war Cat Stevens gerade mal 30 Jahre alt und hatte schon einen Bekanntheitsgrad erreicht, von dem heutige Singer-Songwriter nur träumen. Er hat aber auch schon als Jugendlicher begonnen, Songs zu schreiben und mit 16 einen Titel leichtfertig für 30 Pfund verkauft: The First Cut is The Deepest. Der Song, auch wenn er nicht mit ihm zum Welthit wurde, steht am Beginn einer eigentlich kurzen Musikerkarriere, die so richtig begann, nachdem Cat Stevens wegen einer Tuberkuloseerkrankung das Bett hüten musste und aus Langeweile oder Therapie rund 40 Lieder schrieb. Ebenso ungewöhnlich wie der Anfang der Laufbahn war das Ende, ein Badeunfall Mitte der 70er-Jahre, bei dem er fast ertrunken wäre und der ihn zum islamischen Glauben führte.

Erinnerungssongs von Cat Stevens

Für sein Programm über Cat Stevens hat Dario Weberg eine geschickte Auswahl getroffen, zwischen melancholischen und skurrilen Liedern und diese, wo es passte, durch humorige Anekdoten ergänzt. Auf das Auftaktlied „Wild World“, das dem Programm auch den Namen gegeben hat, folgen unter anderem „Father and Son“, „Where the Children Play“, „Tea for Tillerman“, „Moon Shadow“ und natürlich „Morning has broken“, das mich augenblicklich in die Jugendgottesdienste meiner Kirchengemeinde zurückversetzte J Wunderbar dargeboten und von Martin Brödemann einfühlsam begleitete natürlich auch „Lady d’Arbanville“ und die Songs, die Cat Stevens für den Film „Harold and Maude“ geschrieben hat. Die Arbeit an der Inszenierung dieses Theaterstückes für die Schlossspiele Hohenlimburg war es, die Dario Weberg und Martin Brödemann dazu brachten, sich intensiver mit der Musik von Cat Stevens zu beschäftigen. Schon bei der Aufführung im Schlosshof im letzten Sommer haben diese Songs sicher nicht nur mir eine Gänsehaut beschert, auch gestern Abend wurde es wieder still bei Songs wie „I want you to sing out“ und „Trouble“.

Cat Stevens ohne Gitarre

Kann man Cat Stevens-Lieder überhaupt ohne Gitarre anhören, fragte sich einer der Besucher bei Facebook. Ja, man kann. Die wunderbare Klavierbegleitung und Arrangements von Martin Brödemann hat den Liedern den Hauch von Klassikern verliehen, der ihnen ohne Zweifel gebührt. Besonders deutlich wurde dies durch das zauberhafte Violinen-Solo von Karolin Kersting bei „Sad Lisa“. Dario Weberg hat es mit seinem Gesang und seinen Zwischenmoderationen, pfiffig gekontert von Martin Brödemann, gleichzeitig geschafft, dem Abend eine heitere Note zu verleihen. Bei aller nostalgischen Stimmung, die auch bei mir aufkam, war mein Highlight eine Verhunzung meines Lieblingsliedes „Father and Son“ durch einen Tee-Hersteller. Ich erinnere mich an die Werbung, sogar das Werbelied „Wenn der Teekessel singt …“ war gleich präsent, aber ich gebe zu, dass ich erst jetzt begriffen habe, dass die Musik von Cat Stevens kam. Ein gelungener Abend für einen Sommerabend, nicht nur für Mittfünfziger wie mich – Hilfe, das habe ich so heruntergeschrieben, aber es stimmt ja, das mit dem gelungenen Abend sowieso, aber das „Mittfünfziger“ auch. 🙁 🙂  © Birgit Ebbert

Weitere Termine: 09.07., 11.08., 15.09.

Karten und weitere Informationen: www.theaterandervolme.de

Und der Original-Teekessel zum Nachhören bei YouTube 🙂