„Der Raucher“ – eines meiner Lieblingsbilder

(23.01.2014) „Das sind so neue, kühne, ernste Sachen, diese Schnitte!“, hat Helene Rohlfs am 4. Februar 1921 an den an den Kunsthistoriker Dr. Walter Kaesbach geschrieben, nachdem Christian Rohlfs seine Begeisterung für verschiedene Formen der Druckgrafik entdeckt hat. Diese Äußerung ist auch der Titel der Ausstellung im Osthausmuseum, die am 25. Januar eröffnet wird und bis zum 4. Mai zu sehen ist.

Ich hatte gestern die Gelegenheit zu einem Vorab-Rundgang durch die Ausstellung. Die knapp 200 Grafiken, die im Erdgeschoss der neuen Galerie präsentiert werden, geben einerseits einen Einblick in das grafische Werk des Künstlers, der fast 40 Jahre in Hagen gewirkt hat. Andererseits laden die Grafiken zum Nachmachen ein. Nicht direkt zum Kopieren, aber doch dazu, die Linolschnittpackung aus der Schulzeit vom Dachboden zu holen oder ganz einfach eine Schablone aus Pappe zu schneiden und mit Druckergebnissen zu experimentieren. Ich finde, die Ausstellung ist ein Pflicht-Ausflug für Hagener Schulklassen und bin gespannt, ob sie dorthin so zahlreich gefahren werden wie zum Weihnachtsmärchen.

Experimente mit Drucken hätte ich den Blogbeitrag auch überschreiben können. Es ist faszinierend zu sehen, wie kreativ Christian Rohlfs die Möglichkeiten der Druckgrafik eingesetzt hat. Das wird besonders da deutlich, wo mehrere Arbeiten auf dem gleichen Druckstock beruhen – mal ist der Druck schwarz, mal farbig, mal etwas weggelassen, mal coloriert, einmal sogar gerissen und wie eine Collage neu zusammengesetzt. Eine Technik übrigens, die erst in den 50er Jahren entwickelt wurde, da war Rohlfs seiner Zeit weit voraus. Durch die Bearbeitung beim Druck oder auch die Nachbearbeitung der Grafik sind ganz neue Anmutungen des gleichen Motivs entstanden. Gelegentlich stand ich vor zwei Grafiken wie früher, als ich auf der letzten Seite der „Hörzu“ die Fehler in „Original & Fälschung“ suchte. Bei der Ausstellungseröffnung am Samstag forsche ich weiter!

„Hexe und Rabe“ – da war Corvo neidisch

Doch zurück zur Ausstellung, deren Exponate fast alle, 185, um genau zu sein, im Privatbesitz sind und nicht oder kaum öffentlich angeschaut werden können. Sieben Grafiken stammen aus dem Bestand des Osthausmuseums. Die Ausstellung ist also eine Möglichkeit, ganz neue Facetten des grafischen Werks von Christian Rohlfs zu betrachten und vielleicht sogar, die eine oder andere ausgestellte Grafik mit einer früher betrachteten zu vergleichen.

Christian Rohlfs ist vor allem bekannt für seine großen Landschafts- und Blumenbilder. Die Ausstellung im Osthausmuseum zeigt gebündelt eine ganz andere Facette seines Schaffens, der er sich ab 1908 zuwandte. Zu der Zeit entdeckt er die Druckgrafik, möglicherweise wurde er dazu angeregt durch die Ausstellung von Künstlern der „Brücke“ 1907 in Hagen oder auch durch Werke, die Karl Ernst Osthaus für sein Museum für Gebrauchsgrafik sammelte.

Die ersten Versuche Rohlfs waren so, wie man sich Grafiken vorstellt – schwarze, evtl. farbige Drucke von Druckstöcken. Rohlfs begann aber schon bald zu experimentieren, beim neuen Druck Elemente abzudecken, den Druckstock nicht zu walzen, sondern die Farbe mit Pinsel aufzutragen, das Material, auf das gedruckt wurde, zu wechseln und eben den fertigen Grafiken mit einer Nachbearbeitung ein Eigenleben zu verleihen. Von all seinen Grafiken gibt es nur vier, die in mehreren Auflagen erschienen sind. Üblicherweise druckte er eine Grafik und bearbeitete sie oder änderte manchmal den Druckstock. Es war keine Seltenheit, dass er nach mehreren Jahren einen Druck von einem Schnitt machte und diesen ganz anders entwickelte.

Gerade, weil er Druckstöcke mit einem zeitlichen Abstand wieder verwendete, ist es sinnvoll, dass die Werke in der Ausstellung nicht chronologisch gehängt, sondern thematisch gebündelt wurden. So sind die verschiedenen Bearbeitungen des gleichen Motivs nebeneinander zu betrachten, was einen schönen Aha-Effekt auslöst. Die Gruppen wurden zusammengefasst unter Titeln wie „Vielfalt statt Vervielfältigung“, hier wird bereits die ganze thematische und technische Breite von Rohlfs grafischem Werk deutlich, oder „Glaube und Gleichnis“, das sind Werke, die sich mit religiösen Fragen vom Sündenfall bis zur Erlösung beschäftigen und die hauptsächlich im ersten Weltkrieg entstanden. Der Beginn des Kriegs hat Rohlfs sehr beschäftigt. Einige Monate war er nicht in der Lage zu arbeiten, dann setzte er sich mit dem Krieg in Werken über Religion sowie den Tod auseinander.

Dr. Birgit Schulte & Dr. Tayfun Belgin
beim Pressegespräch

Mein Notizbuch enthält noch viele weitere Anmerkungen, eine Idee für einen Krimititel, eine Überlegung für ein Kinderbuch und viele kleine Informationen über Christian Rohlfs und Karl Ernst Osthaus, die ich sicher irgendwann verwenden werde. In jedem Fall werde ich in einem weiteren Blogbeitrag dem Leben Rohlfs in Hagen nachspüren, das was Dr. Birgit Schulte in ihrer Einführung erzählt hat, hat mich neugierig gemacht. Am liebsten würde ich jetzt in Ruhe den schönen Ausstellungskatalog lesen, aber die Roman-Arbeit ruft.

Ausstellungseröffnung 25. Januar 16.00 Uhr.
Die Ausstellung kann vom 26. Januar bis zum 4. Mai zu den üblichen Zeiten angesehen werden.
Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de