(26.04.2014) Seit ich in Hagen lebe, begegnet mir Christian Rohlfs immer wieder – nicht auf der Straße, sondern im Alltag oder in meinen Gedanken. Manchmal sitze ich am Schreibtisch und denke darüber nach, dass er vor über hundert Jahren etwa 200 Meter Luftlinie von mir entfernt saß oder stand und an seinen Kunstwerken arbeitete. Dann kommt es mir so vor, als schwappe ein Kreativschub vom alten Teil des Osthausmuseums, in dem er sein Atelier hatte, herüber. Das Atelier gibt es nicht mehr, denn auch das Osthausmuseum wurde im Krieg zum Teil zerstört. Stattdessen erinnert ein Christian Rohlfs-Raum an den Künstler und daran, dass schon 1930 ein Museum nach ihm benannt wurde und dass er wesentlich zur Gründung des Hagenrings und damit zur Rettung des Ansehens der Kunst in Hagen beigetragen hat.

Exponat aus der Ausstellung:
Brief von Rohlfs an seine Frau

Wer sich mit Kultur in der NS-Zeit beschäftigt, dem ist Christian Rohlfs ein Begriff, wurden seine Arbeiten doch wie viele andere beschlagnahmt und als „entartet“ gebrandmarkt. Sein Name taucht sogar im Tagebuch von Joseph Goebbels auf, der sich den Überredungskünsten seines Umfeldes widersetzt und hinnimmt, dass Rohlfs Malverbot erhält und – einen Tag vor seinem Tod – aus der Akademie der Künste ausgeschlossen wird. Das kann nur jemandem passieren, der sich einen Namen erworben hat.

Christian Rohlfs starb am 8. Januar 1938 in Hagen. Hier hatte er 1901 auf Anregung von Karl Ernst Osthaus seine Zelte aufgeschlagen. Osthaus stellte dem Künstler ein Atelier auf Lebenszeit zur Verfügung, weshalb Rohlfs auch nach dem Ausverkauf der Kunstsammlungen von Osthaus in Hagen blieb und sich für einen Neuaufbau engagierte.

Geboren wurde Rohlfs am 22. November 1849 in Groß Niendorf, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein. Zur Kunst fand er nach einem Sturz aus dem Apfelbaum, der ihn für zwei Jahre zwang, still zu liegen und sich ruhig zu verhalten. Sein Arzt versuchte, ihn mit Zeichenmaterial zu beschäftigen. Schnell zeigte sich, dass er Talent hatte und dieses durch eine weitere Förderung entwickeln konnte. Es war Theodor Storm, der Schwager des Arztes, der empfahl, Christian Rohlfs in Berlin Kunst studieren zu lassen. Einem Ratschlag, dem sich die Eltern von Rohlfs beugten, zumal bald klar war, dass der Junge von dem Baumsturz schwerere Schäden davontragen sollte, als man gedacht hatte. Er war 24, als sein Bein dann doch amputiert werden musste. Dennoch studierte er weiter und begann ab 1884 als freischaffender Künstler tätig zu sein. Sicher halfen ihm gute Kontakte auf dem Weg nach oben, so hatte er das Glück, dass der Großherzog von Sachsen-Weimar Gefallen an seinen Werken fand und ihn unterstützte. Auf Vermittlung von Henry van de Velde kam Rohlfs in Kontakt mit Karl Ernst Osthaus, der ihn überredete, nach Hagen zu ziehen und hier eine Malschule zu leiten, die allerdings nie realisiert wurde.

Zeit seines Lebens experimentierte Rohlfs mit Farbe, Form und Materialien. Er ließ sich von Künstlerkollegen inspirieren, so lernte er bei einem Aufenthalt in Soest Emil Nolde kennen und erhielt neue Anregungen für seine künstlerische Entwicklung. Nach Ausflügen in den Naturalismus und Impressionismus wandte er sich der expressiven Seite der Kunst zu. Heute gilt er als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus, auch wenn dieser nur eine Facette seiner künstlerischen Vielfalt ausmacht.

Bis zum 4. Mai ist in Hagen noch ein Auszug aus Rolfs‘ grafischem Werk zu sehen. Viele Exponate stammen aus Privatbesitz und können hier erstmals und vielleicht auch letztmals angeschaut werden.

Dem Osthausmuseum angegliedert ist übrigens auch das Christian Rohlfs-Archiv, das sich wissenschaftlich mit dem Künstler, seinem Leben und Werk beschäftigt. Die rund 700 Rohlfs-Werke im Besitz des Museums bilden einen guten Grundstock dafür, aber auch sonst gibt es eine gute Vernetzung mit Rohlfs-Sammlern und -Experten über Hagen hinaus, sodass man gespannt sein darf, was das Museum in den nächsten Jahren rund um den Künstler noch bieten wird. © Birgit Ebbert

Beitrag über die Ausstellung der Christian Rohlfs-Grafiken
Museums-Information zur Ausstellung