(01.11.2013) Ich kann es kaum glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft, eine Christo-Installation live zu erleben. Seit März liegt in einer Schublade der Artikel über die Ausstellung „Big Air Package“ im Gasometer in Oberhausen. Nun war  ich ohnehin für eine Krimi-Recherche in Oberhausen und habe die Gelegenheit beim Schopfe gefasst. Und bin so froh darüber. Dieses „Big Air Package“ verschafft ein ganz besonderes Welt-Erlebnis. Dabei besteht der 90 Meter hohe „Luftraum“ mit einem Durchmesser von 50 Metern aus nichts anderem als gut 20.000 Quadratmetern Stoff, einigen Seilen und Luft. Doch wie das bei einem Kunstwerk so ist, erst die richtige Mischung vorhandener Materialien erzeugt eine Wirkung. Hier ist es die richtige Verbindung der 650  Gewebebahnen, die 4.500 Meter Seile und der Aufbau in diesem ohnehin beeindruckenden Gasometer, die dem ballonartigen Körper Form geben und die Besucher ins Staunen versetzen.

Im „Big Air Package“

Das Besondere ist, dass man diese Kunst nicht nur betrachten kann, sondern erleben und Teil der Kunst wird. Durch Drehtüren gelangt man in das Innere vom „Big Air Package“. Schon, dass dort alles weiß ist – vom Stoff über die Treppen, die Geländer, der Fußboden, die Sitztreppen und Sitzkissen, erweckt den Eindruck, man sei in einer anderen Welt. Die Geräusche klingen gedämpft und die anderen Menschen wirken wie in Watte gepackt. Erstaunlicherweise benehmen sich alle auch wie in Watte gepackt. Kein Streit um die Sitzkissen, wer keines bekommt. bleibt eben einfach stehen – so mancher gar mehrere Minuten reglos an einer Stelle. Oder man setzt sich auf die Sitztreppen und genießt das Gefühl, außerhalb von Raum und Zeit zu sein. Schade, dass ich mich nicht schnell eben nach Oberhausen beamen kann. Eine solche Auszeit sollte man sich öfter nehmen können. Zum Glück besitzt meine Kamera eine Video-Funktion, sodass ich einen Augenblick im „Big Air Package“ aufnehmen konnte. Video Big-Air-Package innen

„Big Air Package“ von unten gesehen

Die Innensicht der „größten Innenraumskulptur“, wie das Prospekt verrät, ist der eine Teil des Besuchererlebnisses. Der zweite Teil ist die Außensicht – von unten und oben. Dafür ist – je nach Besuchszeit – ein wenig Geduld möglich, denn der gläserne Aufzug, der die Besucher am Kunstwerk entlang nach oben fährt, fasst 20 Personen und die Plätze sind begehrt. Besonders die Plätze direkt an der Scheibe, auf der Fahrt hinunter habe ich einen erobert und meine Kamera mitlaufen lassen, um einen Eindruck vom Äußeren der Installation zu vermitteln.
Video Big-Air-Package-außen

Wieder unten angekommen, habe ich mich in die Fotos vertieft, die Christo, Jeanne Claude und ihre Mitarbeiter beim Aufbau der Skulptur zeigen. Das sieht man, dass am Anfang ein paar Stoffbahnen und Seile standen, aus denen das Werk geschaffen wurde.

„Big Air Package“ von oben betrachtet

Etwas Ähnliches gab es übrigens bereits in den 60er Jahren. Damals wurden die „Air Packages“ als „Kunstperversion“ und „Gigantomanie“ verspottet, verrät der Katalog. Mit dem „5.600 Cubicmeter Package“, das 1968 während der Documenta in Kassel gezeigt wurde, änderte sich die Einschätzung. Dort wurde es bereits als „Sieg der Phantasie“ gefeiert, auch wenn man weiterhin den Werken der beiden Künstler gegenüber misstrauisch blieb. Dass das heute anders ist, weiß ganz Deutschland spätestens, seit 1995 der Reichstag verhüllt wurde, eine Idee übrigens, die schon Anfang der 70er Jahren entstanden ist. Auch im Gasometer sind Christo und Jeanne-Claude keine Unbekannten. 1999 bauten sie dort „The Wall“ aus 13.000 Ölfässern auf und lockten damit fast 400.000 Besucher in ihren riesigen Ausstellungsraum. Ich gehörte nicht dazu – leider. Ich habe den Gasometer als Ausstellungsgebäude erst 2004 entdeckt, als dort der Ballon gezeigt wurde, in dem Bertrand Piccard den Erdball umrundet hat. Damit es Ihnen nicht genauso ergeht wie mir beim Anblick der Ölfässer-Wand, nutzen Sie die nächsten beiden Monate, um das „Big Air Package“ zu erleben. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über die Ausstellung im Gasometer in Oberhausen

Interview mit Christo über „Big Air Package“

Natürlich war ich nicht allein in der Ausstellung – während ich mich mit Fotos abmühte, nutzte Corvo die Zeit zum Relaxen und Nachdenken.