Gut gefüllte Messehallen bei der Creativa 2016(17.03.2016) Eigentlich habe ich keine Zeit, diesen Beitrag zu schreiben – ich muss nämlich falten! Allerdings wäre es schade um all die tollen Projekte, die ich auf der Creativa kennengelernt habe, wenn ich sie nur im Rechercheordner abspeicherte. Also lege ich das schöne Faltpapier beiseite, das ich mir am Ende meines Rundgangs geleistet habe und sortiere meine Notizen und Visitenkarten.

Für diejenigen, die die Creativa nicht kennen, ein Schnellüberblick: Die Creativa ist Europas größte Messe für kreatives Gestalten, sie findet jährlich im Frühjahr in den Westfalenhallen Dortmund statt. Mit Bussen kommen die Besucher angereist – „jedes Jahr wieder“, wie eine Besucherin mir erklärte. Während die Gänge auf anderen Messen morgens um 9.00 Uhr noch mäßig besucht sind, steppt bei der Creativa ab der ersten Minute der Bär. Ich bin ja erst mal nur durch die Hallen geschlendert und habe hier und da ein wenig gequatscht. Aber die anderen Besucher waren zum Teil im Stress, weil sie eine lange Einkaufsliste abzuarbeiten hatten. Ich gebe aber zu, dass ich im nächsten Jahr vermutlich auch eine solche Liste habe, nachdem ich weiß, was es auf der Messe alles zu kaufen gibt und zum Teil mit Messerabatten, die sich wirklich lohnen. Unabhängig davon habe ich manche Dinge entdeckt, die mir sonst noch nicht begegnet sind – das runde Faltpapier zum Beispiel, das auf der einen Seite gemustert ist. Obwohl ich seit vier Monaten keinen Laden auslasse, bei dem ich vermute, dass er Faltpapier verkauft, ist mir das nicht begegnet.

Zum Glück für meinen Geldbeutel war Faltpapier nur an ein oder zwei Ständen zu kaufen. Anders war das mit Stickern, Wolle, Stoff, Perlen, gemustertem Papier, Zauberfolie … – ich habe mich irgendwann auf Stände mit Faltpapier beschränkt und Anbieter, deren Stand durch die Produkte oder die Gestaltung besonders auffiel. Ich war heilfroh, dass ich keinen Schmuck basteln will, nicht nähe oder mit Wolle arbeite. Dann wäre ich mir vorgekommen wie als Kind im Kiosk vor den Süßigkeiten-Gläsern. Ich hätte nicht gewusst, was ich kaufen bzw. nicht kaufen sollte.

Am Stand eines Spielzeugmachers

Die Creativa als Paradies für Fotografen Aber es war spannend, sich treiben zu lassen – ok, weit bin ich nicht gekommen, weil mich dann der Stand von Wolfram Liebe angezogen hat. Er ist Spielzeugmachermeister und fertigt wunderbare Miniaturwelten – ich habe ihm abgeschwatzt, dass ich wenigstens ein Foto machen darf. Ist der Fotograf nicht knuffig. In dieser Art gibt es an dem Stand zig Situationen und hunderte Alltagsdinge massstabgetreu wiedergegeben. Alles in Handarbeit und da habe ich gleich ein neues Wort gelernt, „zinken“ nämlich, ich habe mehrfach nachgefragt, aber so heißt es. Ich rätsele noch, wie das mit „gezinkten Karten“ in Verbindung steht. Zinken nennt man in der Holzverarbeitung den einen Teil einer Eckverbindung, bei der die Enden wie Kämme, sage ich mal laienhaft, ausgeschnitten und an dieser Stelle miteinander verbunden werden. (Hier habe ich mal einen Link zur Erläuterung herausgesucht :-)) Die Fertigung solcher Modelle ist ein Teil der Arbeit von Holz Liebe, ein großer Schwerpunkt ist außerdem die Reparatur von Puppenhäusern und dafür kommen die Kunden von weit her. www.holz-liebe.de (Halle 4 A.42)

Und da ist wieder Upcycling

Als nächstes hat mich ein Stand mit „reißfestem“ Papier neugierig gemacht. Als ich nachfragte, begegnete mir der Stoff „Tyvek“ wieder, den ich schon auf der Buchmesse kennengelernt hatte. Aber nun konnte man mir endlich erklären, wie das Material entsteht – es ist nämlich Recycling von PET- und anderen Plastikflaschen, die eingeschmolzen und auf komplizierte Weise zu dem papierartigen Stoff werden. Der Anbieter, Paprcuts (www.paprcuts.de , kommt aus Berlin und verkauft seine Produkte, Geldbörsen, Kosmetiktaschen, Notizbücher u. ä., im Internet, auf Märkten in Berlin und inzwischen werden die Dinge auch von Geschäften bestellt. Überhaupt ist mir das Thema Upcycling an verschiedenen Ständen begegnet und jetzt fällt mir ein, dass ich mir einen Hut aus einem Kaffeesack kaufen wollte. Vielleicht muss ich doch Nachhaltigkeit wird auf der Creativa groß geschriebennoch einmal hin. Ähem, das ist ja schon der Anfang einer Einkaufsliste 🙂 Den Hut gibt es nämlich am Stand von Upcycling-Deluxe, einem Unternehmen das ebenfalls aus Berlin kommt. Die Idee für die Company entstand vor etwa sechs Jahren, als die Gründer nach Abschluss ihres Studiums nicht so recht wussten, wie es weitergehen sollte. Irgendetwas mit Recycling, wie man damals noch sagte, schien ihnen eine gute Idee. Sie begannen, in der ganzen Welt umherzureisen und Produkte zu suchen, die fair hergestellt werden und deren Rohstoff Abfallmaterialien sind. Die ersten Produkte waren Schlüsselanhänger aus Trinkpäckchen und Geldbörsen aus Reissäcken und heute vertreiben sie die unterschiedlichsten Waren – wie Gürtel aus Fahrradreifen oder eben Hüte aus Kaffeesäcken. www.upcycling-deluxe.de (Halle 4 E.56)

Individuell gestaltete Bücher & Buchobjekte auf der Creativa

Basteln und Werken mit PapierDen nächsten Stand wollte ich gar nicht wieder verlassen, weil es dort so schönen Notizbüchern, Büchern und sogar Schmuck aus Papier gab, dass ich am liebsten alles mitgenommen hätte. Auch dorthin wollte ich eigentlich noch einmal zurück, aber die Messe ist so groß, dass ich irgendwann nicht mehr konnte. Die Werke dort stammen von Andrea Holemans, die als Grafikerin schon immer das Material Papier interessant fand. Sie hat dann angefangen, selbst Papier zu schöpfen und sich gefragt, was aus dem ganzen geschöpften Papier werden soll. Daraufhin hat sie angefangen, Bücher zu binden und alles Mögliche aus dem Papier zu machen. Armreifen zum Beispiel oder Schalen oder auch Bücher in außergewöhnlichen Formen, Dreiecken zum Beispiel. Ach, das ärgert mich, dass ich nicht noch mal zurück bin, ich sehe mich schon Samstag um 9.00 Uhr erneut auf der Matte stehen 🙂 www.andreaholemans.de (Halle 4 E.36)

Buchobjekte handgemachtEs gab einen weiteren Stand mit selbst gemachten Büchern, die mir besonders aufgefallen sind wegen der Einlegerarbeiten. Die Objekte stammen von Annette Schiffmann. Es sind Notiz- oder Rezeptbücher, kleine Leporellos oder Beutelbücher. Genau! Beutelbuch oder Buchbeutel oder Gürtelbuch! Gebt den Begriff ruhig mal in die Suchmaschine ein. Das war im ausgehenden Mittelalter eine gängige Form, sein Gebetbuch zu transportieren. Es war eine Kombination aus Buch und Beutel und konnte am Gürtel transportiert werden. Genau solche Beutelbücher stellt Annette Schiffmann her, ich hatte mich schon in eines verliebt. Hätte ich es nur gleich mitgenommen, ich habe nicht mal ein Foto davon gemacht 🙁 www.schiffmann-buchobjekte.de (Halle 4 D.44)

Schokoklunker, die nicht dick machen

Figurschonendes Schoko-Schmuck-KonfektSeufz! Und an den Stand mit den Schokoklunkern bin ich auch nicht wieder gegangen. Noch so eine tolle Idee. Man sieht es hoffentlich auf den Fotos ein wenig. Diese Firma stellt Ohrringe und Ketten her mit Perlen, die echter Schokolade oder echtem Lakritz täuschend ähnlich sehen. Ich hatte mir schon eine Kette mit Lakritz ausgesucht. Die Idee hatten die Betreiber im Gespräch mit einem Freund, der eine Patisserie betreibtSchmuck zum Reinbeißen. Irgendwie kam man darauf, dass jede Praline wie ein Schmuckstück aussieht und schwupps, hatte man den Gedanken, doch aus Pralinen Schmuckstücke zu machen. Der erste „Schokoklunker“ war ein Stück Rittersport-Schokolade, weil das so markant ist. Eine Mitarbeiterin von Ritter Sport hat den Schmuck auf einer Messe gesehen und gleich in ihrem Blog darüber berichtet. Inzwischen gibt es Duplo und Joghurette, Lakritzschnecken und Toffifee – alle so echt, dass man reinbeißen möchte. Das Verfahren klingt relativ einfach – also, ich könnte das nicht – am Anfang wird die Schokolade eingefroren und mit wird eine Silikonform hergestellt. Die Klunker an sich sind dann gefärbtes Gummi. So toll! www.schokoklunker.de (Halle 4 G.68)

Schnupperbesuch beim Webereimuseum Kircher

Webstühle in verschiedenen GrößenEinige Zeit aufgehalten habe ich mich am Stand des Webereimuseums Kircher, einem privaten Museum, in dem alte Webstühle und Webrahmen sowie gewebte Wandteppiche und vieles mehr rund ums Weben ausgestellt sind. Den Grundstock des Museums bildete der Nachlass der Eltern von Nora Kircher, die ein Unternehmen hatten, das Webstühle herstellte. Das Unternehmen existiert weiterhin und wird von dem Sohn in dritter Generation geführt. Nora Kircher und ihr Mann haben vor sechs Jahren das Museum gegründet und dort neben den Exponaten aus dem Nachlass Stücke aus der eigenen Sammlung eingebracht. Auf der Standfläche in der Messehalle gab es einige Webmaschinen, die Nora Kircher auch vorführte. Und es gab am Stand auf der Creativa einen kleinen „Laien-Webstuhl“, der nach dem Krieg ein großer Renner auf dem amerikanischen Markt war, während in Deutschland nur 300 Exemplare verkauft wurden. Ach, über das Gespräch könnte ich einen eigenen Artikel schreiben. Vielleicht fahre ich mal in das Museum, ich bin wirklich neugierig geworden. (Halle 6 E.50)

Beispiel für ein Bastelangebot auf der CreativaNach diesem spannenden Exkurs in die Geschichte der Weberei war ich wirklich geschafft. Zuerst wollte ich mir eine Pause am Origami-Stand (Halle 7 E.54) gönnen, aber da wurden gerade Hasen gefaltet, darauf hatte ich keine Lust. Stattdessen habe ich mich am Stand der Patchwork-Gilde (Halle 7 E.50) in das Geheimnis einweihen lassen, wie man ein Hexagon näht. Wie man sieht, ist es nicht so schlecht geworden.

Den Abschluss meines Besuches der Creativa bildete dann ein Vortrag über Friedrich Fröbel von Die Sachenmacher (Halle 6 B.50), aber darüber schreibe ich morgen oder übermorgen. Das reicht doch erst einmal als Anregung, die Messe zu besuchen, oder? Ich wünsche euch viel Spaß und vielleicht sehen wir uns ja am Samstag doch noch 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen über Öffnungszeiten, Aussteller und Programm: www.messe-creativa.de

Und hier gibt es weitere Fotos vom Messebesuch in meinem FotoBlog