(09.04.2019) Nachdem ich heute Morgen meine Arbeit sortiert, den ersten Nachbarschaftsbesuch absolviert und meinen Schlosspark-Spaziergang erledigt hatte, hatte ich plötzlich Lust auf Bauhaus. Auf die Ausstellung „Das Bauhaus wirbt“ im KunstForum Gotha, um genau zu sein. Die Ausstellung hatte ich mit Blick auf einen Workshop in der Stadtbücherei Hagen rund ums Bauhaus schon ins Auge gefasst, aber dass ich so geflasht herauskommen würde, konnte ich nicht ahnen.

Das Bauhaus wirbt

Die Ausstellung zeigt „Neue Typographie und funktionales Grafikdesign in der Weimarer Republik. Der Katalog zur Ausstellung verrät, dass es sich hier um eine Kooperation der Universität Erfuhrt und der Kultourstadt Gotha GmbH handelt. Die Ausstellung – vermutlich in anderer Form, denn der Katalog enthält auch andere Exponate als in Gotha zu sehen – wurde unter dem Titel „Neue Typografie – funktionales Grafik-Design in der Zwischenkriegszeit“ vom 3. November 2017 bis zum 19. Februar 2018 in der Universitätsbibliothek Erfurt gezeigt. In Gotha sind die Exponate und Tafeln seit dem 1. März 2019 und noch bis zum 12. Mai zu sehen. Autor des Katalogs und Kurator der Ausstellungen ist Patrik Rössler, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt. Er zeigt in der Ausstellung viele Druckbeispiele aus den 1920er und 1930er-Jahren, vor dem Bauhaus, am Bauhaus und während der Bauhaus-Zeit bis in die NS-Zeit hinein, wo deutlich wird, wie sich manches geändert hat und anderes munter adaptiert wurde. Spannend finde ich den Wandel der Seitengestaltung und der Schriften, die ich so nicht hätte benennen können – ok, Futura war schon immer meine Lieblingsschrift in Word, leider gibt es sie in meiner Office-Version nicht mehr 🙂 Verblüffend fand ich auch die Fotos von einer Deutschen Bau-Ausstellung in den 1920er Jahren, deren Aufbau und Gestaltung nicht viel anders ist als die von Industriemuseen, die ich in den letzten Jahren besucht habe. Zeitschriften und Werbemittel, Bücher und Prospekte vom Bauhaus sind in der Ausstellung ebenso zu sehen wie andere Veröffentlichungen, für deren Design Bauhäusler verantwortlich waren. Aber es gibt auch Beispiele dafür, wie sich Grafiker Jahrzehnte nach dem Bauhaus von den Ideen haben inspirieren lassenn.

Nebenbei-Recherche in Sachen „Herti“

Ich bin immer geflasht, wenn Kreise sich schließen, so war ich beim Rundgang durch die Ausstellung schon entzückt, als ich ein Plakat vom Bochumer Verein aus den 1920er-Jahren sah. Den hübschen Kiosk mit den alten Zeitschriftencovern habe ich auf jeden Fall für meinen Sommerferien-Workshop in Hagen abgespeichert. Aber dann sah ich das Plakat von der Funkausstellung 1935 und das Programmheft der olympischen Spiele 1936, Cover der Zeitschriften „Uhu“ und „Die Woche“. All diese Exponate passen zu der Recherche für meinen Roman rund um Herti Kirchner aus den letzten Wochen. Sie hatte in ihren Briefen an die Verwandten von den Olympischen Spielen und ihre Auswirkungen für die Filmbranche geschrieben und bei der Suche nach Ereignissen, die während ihrer Berliner Zeit in Berlin stattfanden, begegnete mir auch die Funkausstellung. Was habe ich vorletzte Woche recherchiert über da Bauhaus in Berlin, in der Ausstellung hängt ein Werbeflyer, leider ist nur das Deckblatt zu sehen, aber jetzt weiß ich ja, wo es archiviert ist 🙂 Und dann wollte ich mir den Film „Berlin – die Sinfonie der Großstadt“ anschauen, um zu sehen, in welchem Umfeld Herti gelebt hat. Was soll ich sagen, ausgerechnet von dem Film hing das Cover der „Film-Illustrierte“ in der Ausstellung. Wenn das keine Zeichen sind, dass ich an dem Projekt dranbleiben soll!

Auch unabhängig von meiner Romanrecherche lohnt sich der Besuch der Ausstellung, es sind wirklich viele Exponate zu sehen, deren Zusammenhänge durch die Tafeln gut erklärt werden. Solltet ihr also sowieso in Gotha oder Umgebung sein, schaut euch die Ausstellung an. Bis zum 12. Mai ist sie noch zu sehen.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite der KulTourstadt Gotha.