(05.04.2014) Ok, ich habe es noch nicht geschafft, das Buch-Buch von Martin Schwarz ganz zu lesen, weil ich einfach keine Zeit habe und meine Lesezeit gerade mit Recherche-Literatur fülle. Aber ich habe es sicher bereits zehnmal durchgeblättert und dabei auf jeder Seite so lange verweilt, dass ich sie auch hätte lesen können. Das Buch ist einfach ein Muss für jeden Buch-Freak und ich frage mich, wieso ich das solange nicht wahrgenommen habe. Nun gut, der Ausstellungskatalog, den ich kürzlich wiederfand und der mich überhaupt erst zu dem Buch brachte, war auch eine Augenweide. Augenweide, ich wusste gar nicht, dass das Wort zu meinem aktiven Wortschatz gehört. Aber es passt zu dem Buch, denn meine Augen schauen die Seiten an und ich entspanne mich wie beim Anblick einer grünen Wiese.

Schon wenn man das Buch aufklappt, begrüßt einen ein Mensch, der liest, umgeben von lauter Büchern und Häusern und Häuserbüchern und Bücherhäusern. Der Titelseite folgen dann sofort zwei Buch-Kunstwerke, ein Objekt und ein Bild und so geht es gerade weiter. Unglaublich, wie viele unterschiedliche Situationen mit Büchern sich der Künstler ausgedacht hat. Da gibt es den „Buchschirm“ und das „Buchtischchen“, das „Schreibmaschinenbuch“ und das Rosenbuch, das der Künstler „Pointilistisches Buch“ nennt. Jetzt habe ich schon wieder ein neues entdeckt, die „Hommage an den Schlusspunkt“.

Begonnen hat Martin Schwarz seine Buch-Objekte mit Schreibheften. Schon 1970 bis 1972 hat er Schreibhefte mit Aquarellfarben bemalt und übermalt. Diese Objekte führten dazu, dass er zur Documenta eingeladen wurde, um seine Buch-Objekte zu präsentieren. Faszinierend finde ich, was sich daraus entwickelt hat. Heute sind die Werke weit von Schreibheften entfernt und auch nicht, denn noch immer bestehen sie aus Büchern, aus zu Pappmaché verarbeiteten Büchern, aus denen dann wieder Bücher entstehen. Je nach Thema werden Naturmaterialien eingebaut, Mineralien oder Muscheln zum Beispiel, aber immer sind Bücher Basis-Material und Ergebnis zugleich. Das ist eine Art, Bücher zu recyceln, die mir gefällt.

Das Buch-Buch enthält allerdings nicht nur knapp 200 Werke von Martin Schwarz rund um das Buch, sondern auch einen Text, den man Roman nennen könnte oder Nachdenkereien über Bücher, die Welt, die Kunst und wie sie das Leben bestimmen. Es ist ein Text, den man nicht so weglesen kann, dafür kann man ihn aber auch in Auszügen lesen und irgendwo anfangen, ohne dass man sich verloren fühlt. In dem „Textzusammenfügungs-Experiment“, wie der Autor das Schreibwerk nennt, finden sich Gedanken und Zitate von großen und kleinen Denkern, die zum Weiterspinnen ermuntern. Martin Schwarz zeigt einen Weg auf, wohin das Denken gehen kann, er lässt aber Raum für viele andere Gedanken, wenn man sich nicht vorher wieder an einem seiner Kunstwerke festsieht und auf neue Gedankenwege geführt wird.

Ein Seh- und Lese-Buch, das man je nach Zeitbudget nutzen kann, wie man möchte. Wie auch immer man es nutzt, es inspiriert, erfreut und macht Lust auf mehr. © Birgit Ebbert

Martin Schwarz: Das Buch-Buch. Buchobjekte, Bücherbilder, Egon Plüsch und der entschlüpfte Roman. Eigenart-Verlag (Bestellmöglichkeit)