(13.06.2015) Endlich habe ich es geschafft, das „große Steampanoptikum“ zu lesen, das ich beim Steamtropolis frisch aus der Druckerpresse direkt bei der Autorin gekauft habe. Das Buch hätte ich schon im Februar haben sollen, dann hätte ich manchen Steampunks nervige Fragen erspart und mir einige Stunden Surfzeit. Andererseits kann ich so das Buch vor dem Hintergrund all dessen, was ich in den letzten Monaten gelesen und gehört habe, beurteilen. Fazit: Es ist super. Es gibt einen tollen Einblick in den Kosmos „Steampunk„, natürlich ist es nur eine Momentaufnahme. Man beachte, es ist innerhalb von sechs Monaten entstanden und enthält neben moderierenden Texten der Herausgeber viele Selbstdarstellungen und Shortstories, die ja alle erst einmal beschafft, bearbeitet und strukturiert werden müssen. Das ist Alex Jahnke und Clara Lina Wirz, die ich in Bochum getroffen habe, prima gelungen.

An den Anfang haben sie eine – wie ich finde – hilfreiche Definition des nicht zu definierenden Steampunks gestellt, Statements von Steampunks zeigen die ganze Bandbreite dessen, was in der Szene über Steampunk und auch Möchte-Gern-Abzocker-Steampunks gedacht wird.

In den weiteren Kapiteln wird es dann konkret, da werden Maker vorgestellt, diejenigen also, die tüfteln, basteln, werkeln und die Szene mit immer neuen verrückten und spannenden Erfindungen und Kunstwerken überraschen. Die Maker waren es auch, die Steampunk wieder hervorgezerrt haben, nachdem es als Literatur-Genre 20 Jahre ein kümmerliches Dasein fristete. Die bekam dann einen Schub, auch das ist Thema in dem Buch wie sich auch einige Short-Stories aus dem Genre nachlesen lassen. Schließlich werden Musikgruppen und Steampunk-Mode-Maker, sage ich jetzt mal, weil Modemacher so blöd klingt, vorgestellt sowie Filme und Gruppen, die sich aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen gebildet haben.

Kurzum: In der kurzen Zeit ist die Basis eines Handbuchs der deutschen Steampunk-Szene entstanden. Der eine oder andere mag fehlen, aber fast alle, die ich bei meiner Recherche getroffen und gesprochen habe, sind in dem Buch enthalten.

Als ich Clara Lina Wirz in Bochum getroffen habe, habe ich die Gelegenheit genutzt und ihr ein paar Antworten auf meine Fragen entlockt.

Wie kam es zu dem Buch?
Am Rande der Role Convention 2014 haben wir uns mit dem Verleger der Edition Roter Drache unterhalten. Wenige Tage danach hat er uns angeschrieben und gefragt, was wir von der Idee halten, ein Buch über Steampunk in Deutschland zu schreiben. Im Herbst haben wir dann richtig losgelegt.

Nun haben wir Mai und das Buch ist gerade fertig. Wie habt ihr das so schnell hinbekommen?
Mit viel Arbeit und wenig Schlaf, vor allem aber einer guten Unterstützung aus der Szene. Wir haben alle angeschrieben, die wir kannten und sie gebeten,  uns weitere Vorschläge zu machen, die wir dann auch angeschrieben haben. Das Spektrum sollte möglichst viel abdecken, alles abzudecken ist eine Utopie 😉

Wie war die Resonanz?
Sehr positiv. Geplant waren 100 bis 120 Seiten, nun hat das Buch 176 Seiten und wiegt 988 g.

Wie bist du zum Steampunk gekommen?
Über das Nähen. Ich habe mich schon länger mit Lolita befasst und landete dann später beim Steampunk. Da gibt es viele Parallelen gerade in der Mode, die beide auf Vorbilder oder Anregungen aus der viktorianischen Zeit zurückgreifen.

Alex Jahnke/Clara Lina Wirz: Das große Steampanoptikum. Eine fantastische Reise durch die Welt des deutschen Steampunks. Edition Roter Drache 2015