(19.08.2014) Seit Oktober 2013 ist einer der Hagener Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg zu besichtigen. Gottfried und Michaela Beiderbeck haben den Bunker gekauft und den Keller als Bunkermuseum eingerichtet. Wer den Bunker besucht, macht auf ganz unterschiedliche Weise einen Ausflug in die Vergangenheit.

Besucher, die den Krieg erlebt haben, erinnern sich daran, wie sie in einem Bunker, vielleicht sogar in eben diesem Bunker, Schutz vor Bomben gesucht haben. Bei einem Rundgang berichtet Michaela Beiderbeck, dass die Töchter des Architekten Philipp Röll einen Rundgang gemacht haben und sich erinnerten, dass sie bei Bombenangriffen einen exponierten Platz hatten. Sie durften auf einem Bänkchen in dem Generatoren-Raum sitzen, wo es zwar laut, aber nicht so beengt war wie in den anderen Räumen. Man muss sich vorstellen, ca. 4 m² waren je 20 Personen vorgesehen. Wer die kleinen Räume gesehen hat, kann ermessen, wie furchtbar der Aufenthalt dort gewesen sein muss. Zumal die Räume nicht hell erleuchtet waren, das Licht entsprach etwa einem Teelicht.

Das Ehepaar Beiderbeck hat durch Internetrecherchen und persönliche Kontakte viele Räume im Keller so eingerichtet, wie sie während des Krieges ab 1941 aussahen. Bei Dunkelführungen mit Dynamo-Taschenlampe erweitern Sie die optischen Reize durch akustische. Dann wird der Keller abgedunkelt und im Hintergrund sind Bombengeräusche und Wehrmachtsberichte zu hören, die das Paar von der BBC für die Präsentation in ihrem Museum bekommen hat.

Andere Besucher erinnern sich daran, dass in dem Gebäude in der Nachkriegszeit ein Hotel war. Bei meiner Recherche über den Bunker habe ich auf Seniorbook diese Erinnerung gefunden. Ein junges Ehepaar suchte in Hagen ein Hotel und sprach in einem Hotel vor, in dem eine Übernachtung 55,- DM kosten sollte. Angesichts eines Monatseinkommens von 400 DM schien ihm das doch zu hoch. Der Portier empfahl ihm das „Hotel Stadt Hagen“. „Das Hotel war ein ehemaliger Luftschutzbuner und kostete 9,40 DM die Nacht … Das Zimmer war nicht abschließbar so dass wir für den Rest der Nacht kein Auge zu gemacht haben und Hochzeitsnacht war auch nicht.“ (Wolf vom Rhein, 2.2.2014 Seniorbook) Der Preis war übrigens deutlich gestiegen, denn auf der Seite einer Verbindung habe ich als Hoteltipp das Hotel Stadt Hagen gefunden mit einem Preis von 4,- DM.

Das Hotel wurde allerdings nicht nur für Übernachtungen genutzt, sondern auch als Schulungsraum für die Kommunalwahl im Juli 1946. Damals führte die CDU Hagen u. a. dort eine Kreisschulung durch.

Was genau das Hotel nach dem Krieg sonst noch erlebt hat, ist nicht umfassend erforscht. In jedem Fall hat das Theater Hagen dort einen Raum angemietet als Requisitenlager. In einem Kommentar zu diesem Artikel über den Bunker fand ich eine Erinnerung daran, dass jemand dort 1947/48 bei der Fahrschule O. und G. Ebbinghaus die theoretische Schulung für den Führerschein besucht hat.

Jener Herr verweist auch auf „Jägers gute Stuben“, die sich in der Nachkriegszeit in dem Gebäude befanden und die er als „exklusivste und schönste Bar Hagen“ bezeichnete.

Irgendwann hat dort ein Hagener Handballverein Räume angemietet – mit sehr kreativen Menschen, die beim Auszug auf die Idee kamen, ihr Mobiliar samt Spirituosen und Mülle einfach in einem Raum zu lagern und diesen zuzuschweißen. Einiges davon ist noch im Bunker zu sehen.

Das Gebäude spiegelt damit auf unterschiedliche Weise Zeitgeschichte wieder, ob es etwas Ähnliches sonst in Deutschland gibt, darf bezweifelt werden. Denn anders als in den anderen Bunkermuseen sind die Maschinen, der Generator und die Lüftungsanlage zum Beispiel, noch erhalten, auch wenn sie nicht mehr voll funktionsfähig sind. Vielleicht wären sie das sogar, wenn sich Techniker der Maschinen annehmen würden. Aber das Museum ist eben keine öffentliche Einrichtung, die Fördermittel beantragen und bekommen kann. Es fußt auf der privaten Initiative eines Ehepaares, das auf eigene Kosten restaurieren und renovieren lässt und versucht, das Stück Zeitgeschichte zu erhalten. Sie sind auf einem guten Weg, davon kann sich bei den Führungen und am Tag des Denkmals jeder überzeugen. Dann wird das Haus geöffnet und Künstler aus Hagen und darüber hinaus beleben die Räumlichkeiten.

Ein spannendes Projekt finde ich, das jede Unterstützung verdient und sei es nur zur Aufklärung von immer noch ungeklärten Fragen wie:

Dieser Raum war zugeschweißt - auch über Informationen zu Hintergründen würde Michaela Beiderbeck sich freuen.
Dieser Raum war zugeschweißt – auch über Informationen zu Hintergründen würde Michaela Beiderbeck sich freuen.

Wer hat wann Räume in dem Gebäude genutzt? Es ist die Rede von Partys, die dort gefeiert wurden, da gibt es doch sicher Fotos, über die Michaela Beiderbeck sich freuen würde.

Wie sah der Bunker in den verschiedenen Jahren aus? Auch hier fehlen aus manchen Jahrzehnten Fotos.

Über das Leben im Bunker hinaus gibt das Museum Einblicke in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, neben den Exponaten, die die Betreiber beschafft haben, sind Fotos und eine Sprengbombe zu sehen, die das Stadtarchiv und das Stadtmuseum bereitgestellt haben. Auch bei der Erforschung der Geschichte des Bunkers stand das Historische Centrum unterstützend beiseite.

Für mich ist aber noch nicht ganz klar, wie das Engagement von der Stadt Hagen über die fachliche Beratung hinaus ideell unterstützt wird. Auf der Internetseite der Stadt Hagen taucht das Bunkermuseum nicht auf, wie man im Stadtbild auch nirgendwo ein Schild sieht. Da frage ich mich, ob es angesichts knapper Kassen nicht an der Zeit wäre, Initiativen wie die des Ehepaars Beiderbeck zu unterstützen. Ein Beispiel wie es gehen kann, ist das Spielzeugmuseum in Rhede, ebenfalls privat betrieben, sowohl die Website der Stadt Rhede als auch Münsterland-Tourismus weisen auf das Museum hin. © Birgit Ebbert

Jetzt vormerken: Aktionstage am 13./14. September 2014 mit Kunstaktionen, Musik und Lesungen, u. a. lese ich am 14. 9. um 12.30 Uhr die Geschichte „Klappstuhlgeschwader“, die ich über den Bunker schreiben werde.

Und von diesem Bild wäre interessant zu wissen, wo es in Hagen aufgenommen wurde. Hat jemand eine Idee? (Nachtrag: Das Foto, das ich fotografiert habe, stammt aus dem Stadtarchiv und zeigt die Elberfelder Straße, hinten links kann man die Mittelstraße und die Ruine des Kaufhauses Sinn erkennen. Vielen Dank, Herr Korthals und Herr Blank.)

Gerade habe ich entdeckt, dass sich die Blogparade „Ich Untertage“ des Bügeleisenmuseums in Hattingen mit dem Thema Bunker beschäftigt. Bis zum 31. Oktober werden hier Geschichten gesammelt, in denen es unter die Erde geht.

Weitere Informationen über das Bunkermuseum:

www.bunker-hagen.de

„Hagener Museumsbunker“ auf Hagen-Online

„Privates Bunkermuseum Hagen“ Lokalzeit WDR 08..05.2014

„Hochzeitsreise mit Hindernissen“ Seniorbook 02.02.2014

„Bunker in Hagen – Zeitkapsel aus dem zweiten Weltkrieg“ SpiegelOnline Wissenschaft 31.10.2013

„Museumsbunker öffnet“ Lokalkompass 05.10.2013

„In Hagen öffnet das erste Bunkermuseum“ Der Westen 01.10.2013

„Bunker 15/HAG/5“ Wochenkurier 20.09.2013

„Dieser Bunker in Hagen ist ab Donnerstag ein Museum“ Bild 29.09.2013