(14.04.2014) Schon lange stand das Historische Centrum in Hagen auf meiner To-Visit-Liste. Dank Thorsten Eisermann, dem Initiator der Facebook-Gruppe Hagener für Kultur, Kunst und Geschichte(n), Dr. Ralf Blank, Fachdienstleiter für Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen, und Archivar Andreas Korthals kann ich es von der Liste streichen. Die drei hatten für den 29. März ein Gruppen-Treffen im Historischen Centrum organisiert, an dem über 30 Facebookianer teilnahmen.

Corvo was als Undercover-Teilnehmer dabei.

Leider habe ich nur den Rundgang durch das Stadtmuseum mitbekommen, aber ich habe ohnehin eine lange Recherche-Liste, mit der ich Andreas Korthals im Sommer überfallen werde. Doch bis dahin will ich nicht mit meinem Blogbeitrag warten, zumal es schon im Stadtmuseum soviel zu sehen und zu hören gab, dass mein Kopf nach der Führung durch Ralf Blank rauschte.

Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Zeit, von der an Hagen als Kirchspiel rund um die Johanniskirche bekannt ist. Einige wenige Exponate belegen, dass auch vor dieser Zeit in Hagen etwas los war. Da es für die Ur- und Frühgeschichte jedoch das Museum im Wasserschloss Werdringen gibt, beschränkt sich dieser Ausstellungsteil auf ein paar Faustkeile und Fossilien. Wer sich also ganz besonders für die Zeit interessiert, sollte mit der Stadterkundung im Schloss Werdringen beginnen.

Wer jedoch wissen möchte, was es mit dem Grafen von der Mark auf sich hat und wie sich Hagen vom Kirchspiel zur kleinen Großstadt entwickelt hat, der ist im Stadtmuseum genau richtig. Da finden sich Münzen und Urkunden, Fotos und historische Dokumente, ein Kettenhemd – wie das im Londoner Tower in Iserlohn gefertigt! -, Waffen und Geschirr … – wohin man auch schaut, entdeckt man neue interessante Dinge. Für jede Neigung ist etwas dabei. Mich interessiert zum Beispiel der Zwist zwischen den Hagenern und Hohenlimburgern nicht, aber ich fand die Rokoko-Tür, die als einziges Bauteil den Abriss des Stifts Elsey überlebt hat, interessant. Ganz nebenbei habe ich erfahren, dass Holzwürmer kein Eichenholz mögen – ja, es sind oft die Nebensätze, die hängenbleiben und faszinieren.

So ist auch gut zu wissen, dass die Stadt Hagen schon im 18. Jahrhundert – wenn ich die Zahl in meinen Notizen – richtig gelesen habe, pleite war und deshalb lange kein eigenes Rathaus besaß. Dabei gab es in Hagen schon immer gut betuchte Einwohner wie das „Service vom kostümierten Federvieh“ beweist, das mehrere Porsche wert sein soll. Das Service war im Besitz einer Hagener Familie und wurde dem Museum überlassen. Einen großen Schwerpunkt in der Ausstellung bildet die NS-Zeit, in einer Vitrine werden Überreste gezeigt, die der Zerstörung der Synagoge 1938 entgangen sind, in einer anderen lagert die Urkunde für die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers, deren Rückkehr nach Hagen Stoff für einen Roman bieten würde.

Bis in die 50er Jahre reicht die Geschichte, die derzeit präsentiert wird. Manche der Gegenstände die in dem nachgebauten Wohnzimmer zu sehen sind, kenne ich aus meiner Kindheit. Vor allem über die Mappe für Single-Schallplatten, die es in den Haushalten meiner Tanten gab, habe ich mich köstlich amüsiert. Und das ausgestellte Kaffeeservice mit eckigen Tellern und farbigen Tassen würde in einem Porzellan-Laden heute nicht auffallen. Es kommt eben alles wieder. So wie ich im Stadtmuseum, allerdings nicht erst in 30 oder 50 Jahren, sondern demnächst mal. Eine interessante Ausstellung, die neugierig auf die Stadtgeschichte macht.

Fast hätte ich die Zeichnungen von Carl Grimm vergessen, die dort zu sehen sind und bei denen ich manches Mal nachgeschaut habe, ob sie tatsächlich aus den 30er Jahren oder doch von gestern stammen. © Birgit Ebbert

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Seit dem 8. April läuft die Wanderausstellung „An der Heimatfront“