(28.10.2019) Besser hätte ich im Titel schreiben sollen, das ehemalige Hospital. In dem Gebäude befindet sich nämlich heute meine Wohnung und wer da sonst nach residiert, habe ich bereits in einer Kolumne beschrieben. Und übrigens gleich den Verein für Stadtgeschichte und Altstadterhaltung vergessen, der sich seit der Wende darum kümmert, dass u. a. das Hospital, aber auch andere historische Gebäude nicht abgerissen, sondern restauriert und genutzt werden. Diesem Verein sind auch die vielen Hinweistafeln an Gebäuden zu verdanken, aber das nur am Rande, weil ich bis zum Erscheinen meiner Kolumne von dem Verein nichts wusste 🙂

Die Entstehung des Hospitals

Das Hospital, das mal Maria Magdalena und mal Mariae Magdalenae zugeschrieben wird, wurde 1223 vom Thüringer Landgrafen Ludwig IV und seiner Frau Elisabeth, die wir als heilige Elisabeth kennen, gestiftet. Es wurde 1716 unter Herzog Friedrich II umgebaut, bis 1973 war hier ein Altenheim, dann verfiel es zunächst, bis es von 1990 bis 1992 saniert wurde. Das Gebäude befindet sich am Brühl, einem der ältesten Straßenzüge in Gotha, direkt gegenüber befindet sich das vermutlich älteste Haus der Stadt „Zum König Sahl“ und nebenan die sogenannte „Brezelburg“, die mich auch jedes Mal entzückt, wenn ich daran vorbei zu meinem Auto gehe. Durch den Brühl führte übrigens auch die Via Regia, die älteste und mit 4500 Kilometer längste Landverbindung durch Europa.

Die Neu- und Umbaumaßnahmen

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Hospital einmal komplett abgerissen und neu gebaut und es erfuhr einige Umbauten, wie im wahren Leben halt. Herzog Friedrich II ließ das Gebäude 1716 komplett abreißen inkl. Kirche. Am 24. Oktober 1716 erfolgte die Grundsteinlegung für das Gebäude, dessen Basis heute noch steht, drei Jahre später wurde der Neubau samt Hospitalkirche eingeweiht. Im August 1822 bekam die Kirche eine Ratzmann-Orgel, die – wenn ich die Broschüre richtig verstanden habe – noch heute vorhanden ist, die Kirche wurde bis 1975 noch für Gottesdienste genutzt, heute steht sie meist leer, wenn nicht gerade ein Frauenchor dort übt 🙂 Ich werde sie abpassen und versuchen, mit der Kamera einen Besuch in dem Gebäude zu machen.

Das Portal des Hospitals

Inzwischen bin ich schon unzählige Male durch das Portal gegangen, aber eine gewisse Ehrfurcht empfinde ich immer noch. Es sieht heute so aus wie vor 300 Jahren, zumindest grob, es wurde gestrichen, die Figuren restauriert, aber die Türöffnung war immer so. Zwei Figuren sind über der Tür angebracht, eine trägt ein Kreuz und steht für den Glauben, die andere hält ein Herz als Symbol für die Liebe. Auch darüber könnte man schon wieder eine Geschichte schreiben, Langeweile gibt es hier also wirklich nicht 🙂 © Birgit Ebbert